Stefan Klung - Ein Handball-Leben zwischen Tusem Essen, Solingen und dem Kettwiger TV

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KTV-Coach Stefan Klung schnupperte einst bei Tusem Essen zusammen mit Jochen Fraatz oder Stefan Hecker . . . (Foto: Bangert)
 
. . . und später dann in Solingen mit den Jungen Thorsten Jansen und Florian Kehrmann die große Handball-Luft in der Bundesliga. (Foto: Bangert)
 
Heute ist der dreifache Vater und PR-Fachmann Trainer des Handball-Verbandsligisten Kettwiger TV. (Foto: Bangert)
Erinnern Sie sich an Weltklassehandball in Essen? Rund 20 Jahre ist es her, dass Jochen Fraatz, Peter Quarti, Alexander „Sascha“ Tutschkin und Stefan Hecker nicht nur die Bundesliga aufmischten, sondern auch europaweit für handballerische Glanzlichter sorgten. Einer war als junger Torwart dabei, der heute beim KTV das Trainerzepter schwingt: Stefan Klung.

Als Essener einmal bei Tusem inmitten dieser exklusiven Weltauswahl um Fraatz, Quarti oder Torwart Stefan Hecker zu spielen - was für hunderte Handballer Ende der 1980er/Anfang der 1990er-Jahre ein Traum bleiben sollte, dies verwirklichte sich für Stefan Klung geradezu im Rekordtempo.
Er erinnert sich: „Wenn ich daran denke, dass ich erst mit 17 Jahren mein erstes Handballtraining absolviert habe und drei Jahre später bei Tusem unter Vertrag stand, das hat mir damals kaum jemand geglaubt und wenn ich das heute erzähle, ernte ich immer noch genügend ungläubige Blicke.“ Sport war immer ein bestimmendes Thema im Leben von Klung. „Ich habe wie viele Jungs, vieles ausprobiert. Angefangen hat alles mit Fußball, dann kamen Basketball oder Badminton. Doch überall habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist. Und dann hat mich ein Schulkollege mal mitgenommen zum TV Cronenberg. Trainer war Bob Hanning.“ Genau jener Hanning, der auch die A-Jugend von Tusem Essen trainierte und später dort Co-Trainer wurde.
Eine seiner größten Qualitäten bewies Hanning bei Klung - er entdeckte bereits im ersten Training dessen Talent als Torwart. Ohne Angst vor harten Würfen, dazu gesegnet mit schnellen Reflexen und einem scheinbar angeborenen Auge für die Situation - dank dieser Qualitäten entnervte Klung bereits in seinem ersten Training serienweise die Angreifer des TV. „Bob hat mir damals nicht geglaubt, dass das mein erstes Training gewesen ist. Aber ich habe anscheinend einen bleibenden Eindruck hinterlassen.“ Und Hanning und Handball bei Klung. Denn ab diesem Tag war klar - seine Freizeit verbrachte der angehende Abiturient an vier bis fünf Tagen in der Woche in der Trainingshalle des TV.
Der Aufstieg der Cronenberger in den folgenden Jahren bis in die Regionalliga war dann auch eng mit der Trainerarbeit von Hanning und den Torhüterleistungen von Klung und Grischa Kraus verbunden. Rund drei Jahre währte das Märchen vom hochklassigen Handball. Dann war das Geld alle und auch der damals 20-Jährige musste sich überlegen, wo er seine Handballerkarriere fortsetzen wollte. „Ich habe nach dem Abi und dem Zivildienst angefangen Kommunikationswissenschaften in Essen zu studieren. Daher wollte ich nicht so weit weg.“
Da hatte das Angebot des damaligen Zweitligisten Bad Salzufflen durchaus seinen Reiz, hätte aber auch studientechnisch ein paar Probleme mit sich gebracht. In diesem Moment spielte Bob Hanning im Hintergrund ein wenig Schicksal, machte die Verantwortlichen beim Tusem auf Klung aufmerksam. Was folgte, war ein Anruf von Eon Bonda und ein Angebot zum Probetraining. Trotz des immer schon ausgeprägten Selbstbewusstseins von Klung waren die ersten Trainingsminuten beim Tusem etwas ganz Besonderes. „Da stehst du auf einmal deinen Vorbildern gegenüber. Das waren alles Nationalspieler, teilweise Weltstars. Das ist eine ganz eigene Welt. Doch es hat sich richtig gut angefühlt dazuzugehören.“

"Da stehst du auf einmal Weltstars wie Fraatz, Hecker oder Tutschkin gegenüber - das war noch einmal eine ganz andere Welt."

Nach dem Probetraining war aber trotz einer vernünftigen Vorstellung erst einmal Sendepause. Dann kam der Anruf - von Klaus Schorn. „Der große Mann des Tusem rief mich an und sprach mit mir über einen Vertrag. Das hat sich angefühlt wie ein Ritterschlag.“ Logisch, dass Klung Ja sagte. Auch wenn er erst einmal nur mit der ersten Mannschaft trainieren sollte und in der „Zweiten“ in der Oberliga spielen. Trainer war Velimir Kljaic. Und für Klung sollten die kommenden zwei Jahre zu den härtesten seiner Handballkarriere werden. „Wir haben zehn, zwölf Einheiten in der Woche trainiert und in jeder musstest du ans Limit gehen. Das war brutal hart, hat mich aber geformt und mir eine tolle Basis für die kommenden Jahre verschafft.“ Doch trotz aller Leistung, trotz aller Quälerei neben dem Studium noch Profi-Handballer zu sein, auf der Bank als Nummer zwei hinter Stefan Hecker zu sitzen, grandiose Europapokalabende zu erleben - all‘ das machte den ehrgeizigen Keeper nicht glücklich. „Es war eine tolle Zeit. Aber ein Stefan Hecker hat sich halt nicht auswechseln lassen.“
Anstatt des sicheren Zwei-Jahres-Vertrags als Nummer zwei in Essen wählte Klung daher das Angebot seines alten Spezis Hanning und ging zu Union Solingen in die Regionalliga. „Bob hat mit den jungen Florian Kehrmann, Thorsten Jansen und Max Ramota eine Truppe zusammengestellt, mit der er in die Bundesliga wollte.“
Gesagt, getan. Mit 24 war Klung damals einer der Oldies im Team, genoss die unverkrampfte Stimmung und den Erfolg. Direkt im ersten Jahr klappte der Aufstieg in die 2. Bundesliga, dann, nach zwei Jahren Entwicklungsphase in der Zweiten Liga, war es in der Saison 99/00 endlich soweit. Zusammen mit dem Schweden Markus Lindenblatt bildete Klung das beste Keeper-Duo der Liga und führte den Klub zum Bundesligaaufstieg. „Damals hat Solingen Kopf gestanden. Das war eine irre Zeit.“

"Mit den Jungen Florian Kehrmann und Thorsten Jansen in einer Mannschaft in die Bundesliga aufzusteigen - das hatte was."

Irre war aber auch, was Klung abseits des Handballfeldes zu diesem Zeitpunkt leistete. Nicht nur, dass er inzwischen dreifacher Vater und Magister der Kommunikationswissenschaften war - zudem arbeitete er bereits in einer PR-Agentur und baute sich sein berufliches Standbein für die Zeit nach dem Profihandball auf. Und die kam. So sicher wie die erste Niederlage in der Bundesliga war für Klung nach der Saison 2000/01 Ende mit Profihandball. Aber nicht mit Handball. Ein verrücktes Jahr in Hagen folgte noch. Nicht trainieren, in der Woche in Amsterdam PR für Tommy Hilfiger Europe machen und am Wochenende mit einer Alt-Star-Truppe die Regionalliga aufmischen. „Das war wieder total verrückt, aber auch total geil. Doch nach diesem Jahr war Hagen pleite und ich habe die Handballschuhe an den Nagel gehängt.“
Mit 30 war auf einmal Schluss mit Handball. Ganz am Anfang stand er damals in seiner Zeit als Kettwiger. Gerade einmal ein Jahr war es her, dass Klung mit seiner Familie in die Gartenstadt gezogen war. Doch der KTV und ein Job als Verbandsligatrainer waren zu diesem Zeitpunkt meilenweit weg. „Wichtig für mich waren Familie und Beruf. Handball war kein Thema mehr.“ Bis zu einem Feuerwehrfest im Jahre 2007. Am Bierstand von Sascha Burgsmüller wurde Klung für die vierte Mannschaft des KTV zwangsverpflichtet und schnürte wieder die Schuhe. Allerdings im Feld. Schnell sprach sich im Klub rum, wer da auf einmal das KTV-Trikot trug. Und als der Klub vor dieser Saison einen Coach für seine neuformierte Mannschaft brauchte, da ließ sich Klung nicht lange bitten. „Inzwischen bin ich Kettwiger und mir hat das Konzept gefallen, auf Jungs aus Kettwig und Umgebung zu setzen. Daher habe ich Ja gesagt.“
Dass auf ihn und seine Spieler reichlich Arbeit wartet, dass ist ihm klar. Und dass die Gegner Radevormwald oder Ratingen und nicht mehr Kiel oder Barcelona heißen - geschenkt. Aber wer mit Klung über den KTV spricht, der merkt, dass ihn der Ehrgeiz gepackt hat. Einmal Handballer, immer Handballer.
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