Dialog statt Sonderbehandlung - Schwarzer zum Thema Islam und Integration

Uni-Rektor begrüßte Mercator-Professorin Alice Schwarzer
Sie trat in die Fußstapfen von Hans-Dietrich Genscher, Volker Schlöndorff oder Richard von Weizsäcker: Feministin und Emma-Verlegerin Alice Schwarzer beendete ihre Mercator-Professur an der Universität-Duisburg-Essen.

Am Dienstag trat die gebürtige Wuppertalerin vor ein interessiertes Publikum im Audimax auf. Titel ihres Vortrages: Islam, Islamismus und Integration. Dabei hatte es im Vorfeld kritische Stimmen gegeben, die Schwarzers Fachkompetenz zum Thema in Frage stellten und ihr gar rechtspopulistische Tendenzen unterstellten. Alles war angerichtet für eine hitzige und lebhafte Diskussion. Doch letztendlich herrschte Einmütigkeit im Plenum, Schwarzer erntete für ihre Thesen, die so neu nicht sind, wohlwollenden Applaus.

Dabei sei der 68-Jährigen zugute gehalten, dass sie schon früh auf das Problem des Islamismus, also der Politisierung des muslimischen Glaubens, hinwies. Bereits 1979, zur Machtübernahme von Ayatollah Chomeini, besuchte Schwarzer den Iran und beschäftigte sich fortan mit der Frauenbewegung im muslimischen Raum.

„Falsche Toleranz hat die Menschen 30 Jahre lang wegsehen lassen“, urteilte die Mercator-Professorin und benannte gleich die Auswirkungen: „Wir erleben eine systematische Unterwanderung von Bildungs- und Rechtssystem.“ Ob Kopftuchdebatte oder religiös begründete Befreiuung vom Sport- und Sexualkundeunterricht - derartige Diskussionen dürfe es in einer Demokratie, die eine strikte Trennung von Glaube und Staat proklamiert, nicht geben.

Dabei zeichneten Islamverbände, die nur einen kleinen Prozentsatz der deutschen Muslime vereinten, und Medien ein falsches Islambild. „Nicht jeder Muslim ist ein Muslim, genauso wie nicht jeder Christ ein Christ ist“, so Schwarzer. Statt einer „gutgemeinten Sonderbehandlung“ forderte sie einen von gegenseitigem Respekt geprägten Dialog.

Die Mercator-Professur

Die Professur wird zu Ehren des Duisburger Karthographen Gerhard Mercator verliehen. Schwarzers Wahl war - u.a. wegen ihrer Bild-Berichterstattung zum Kachelmann-Prozess - nicht unumstritten. Das Referat Hochschulpolitik im ASTA fordert nun ein studentisches Mitspracherecht bei der Verleihung.
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