Essener Domschatz unter neuer Leitung

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Dr. Vera Henkelmann neben dem großen Zeremonialschwert, in dessen Nachbarvitrine sich die Essener Krone als weiteres Prunkstück des Essener Domschatzes befindet. Fotos: P. de Lanck
  Essen: Münsterkirche/ Burgplatz |

Schaut sie aus dem Fenster ihres Büros, blickt Dr. Vera Henkelmann nicht nur auf Dom und Kreuzgang, sondern auch auf die Alte Synagoge. Essener Geschichte ist ihr also stets präsent. Und macht sie sich auf den Weg zu ihrer neuen Arbeitsstätte, der Domschatzkammer, so quert sie das Gelände, welches als Keimzelle der Stadt gilt. Hier herrschten einst die Essener Äbtissinnen und hier befindet sich heute gut geschützt einer der wichtigsten Kirchenschätze Europas.

Dr. Vera Henkelmann kennt sich aus mit "Essen sein Schatz". Obwohl die neue Leiterin der Essener Domschatzkammer aus Eschweiler stammt. Im benachbarten Aachen hütet ihre Vorgängerin Dr. Birgitta Falk seit November vergangenen Jahres den Aachener Schatz. Beide kennen sich gut. Eine Führung durch den Aachener Kirchenschatz brachte beide Mittelalter-Spezialistinnen zusammen. Es entstand ein erster Kontakt, der sich über die Jahre hielt.
Als freie Mitarbeiterin war Vera Henkelmann in beiden Domschatzkammern tätig. Mitgearbeitet hat sie auch 2005 an der Ausstellung des Essener Ruhrlandmuseums - damals noch in der Goethestraße - "Krone und Schleier. Kunst aus mittelalterlichen Frauenklöstern".
Im Rahmen zahlreicher Veröffentlichungen und Vorträge referierte Vera Henkelmann schon zum Siebenarmigen Leuchter im Essener Dom und der Chormantelschließe in der Schatzkammer. Mit dem Wechsel von Birgitta Falk nach Aachen wurde die Expertin für mittelalterliche Sakralkunst jetzt Leiterin von "Essen sein Schatz".

Der Schatz gehört fest zur Dominsel

Was fasziniert sie an Preziosen wie der Goldenen Madonna, dem Siebenarmigen Leuchter, dem Schwert, den Vortragekreuzen und der Essener Krone?
"Fast alle diese Objekte sind genau mit dem Ort, an dem sie sich heute befinden, verbunden. Der Schatz gehört hierher, auf die Dominsel. Hier befindet sich die Keimzelle der Stadt. Hier geht es auch um die Identität des Ruhrgebietes."
Welche Faszination der Essener Domschatz ausüben kann, ist nicht zuletzt seit der Ausstellung "Gold vor Schwarz" auf Zollverein klar. Damals wurden Ruhr Museum und Domschatzkammer quasi zeitgleich umgebaut und so kam ein ganz besonderer Ausstellungsort zustande, der den Schätzen einen außergewöhnlichen Raum gab.
Von der Bedeutung des Domschatzes musste man Dr. Vera Henkelmann nicht erst überzeugen. Viele der Exponate schätzt sie ganz besonders. So zum Bespiel die kostbaren Broschen (kleines Foto oben).
Derzeit ist sie aber vor allem in Sachen Vernetzung unterwegs. Kontakte zu knüpfen ist ihr wichtig. Ihre tägliche Arbeit stellt sie in den Dienst der drei Säulen "bewahren, erforschen und vermitteln". Dazu gehört nicht nur die Abstimmung mit der Denkmalpflege, sondern auch der enge Kontakt zu Restauratoren. Besonders spannend: Die Forschung bleibt immer im Fluss. "Es gibt stets neue Erkenntnisse, die den Blick auf die Exponate verändern", erklärt Dr. Henkelmann. So hat sich eine Masterarbeit an der Uni Düsseldorf mit dem Kreuznagelreliquiar aus dem 11. Jahrhundert befasst. Welche neuen Thesen sich daraus generieren, bleibt abzuwarten.
"Vieles offenbart sich erst im Laufe der Zeit", erinnert sich Vera Henkelmann an die Geschichte des Siebenarmigen Leuchters im Dom. "Hier wurde schlichtweg eine Inschrift der Äbtissin Mathilde (949 - 1011) lange Zeit nicht in den Fokus gerückt - obwohl sie doch eigentlich für alle sichtbar war."
Außergewöhnlich ist aktuell auch die Playmobil-Ausstellung, die noch bis 29. Januar zu sehen ist. In den Vitrinen tummeln sich unmittelbar neben den Kostbarkeiten kleine Spielfigürchen in Szenen, die die Exponate erlebbar machen - vor allem für kleine Schatzkammer-Besucher. Familien haben freien Eintritt.
Generell ist Vermittlung Dr. Vera Henkelmann ein Anliegen. Die Dominsel soll ein lebendiger Ort sein, der sich keinem verschließt. Da ist zum Beispiel die Teilnahme am Kulturpfadfest selbstverständlich - oder auch die Kooperation mit der benachbarten Volkshochschule. Der Domschatz soll nicht im Verborgenen bleiben.
Mehr Infos unter www.domschatz-essen.de Emaillierte Broschen aus der Zeit um 1400 - sie zählen mit zu den Lieblingsexponaten der Leiterin der Essener Domschatzkammer. Fotos: P. de Lanck Dr. Vera Henkelmann neben dem großen Zeremonialschwert, in dessen Nachbarvitrine sich die Essener Krone als weiteres Prunkstück des Essener Domschatzes befindet.
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