Tinte, Tod und Teufel: Kindermusiktheater feiert Uraufführung auf Zollverein

Mit großer Begeisterung proben rund 100 junge Sängerinnen und Sänger das Kindermusiktheater "Tinte, Tod und Teufel". Pressefoto: Kirchenkreis Essen/Ellen Bischke
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  • Mit großer Begeisterung proben rund 100 junge Sängerinnen und Sänger das Kindermusiktheater "Tinte, Tod und Teufel". Pressefoto: Kirchenkreis Essen/Ellen Bischke
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100 Kinder aus verschiedenen Essener Chören, dazu professionelle Solisten und Orchestermusiker und ein außergewöhnlicher Bühnenraum: Das Kindermusiktheater „Tinte, Tod und Teufel“ ist ein außergewöhnlicher Beitrag zum diesjährigen Reformationsjubiläum. Im Auftrag des Evangelischen Kirchenkreises Essen haben die Komponistin Karin Haußmann und der Autor Holger Metzner eine beeindruckende Kinderoper verfasst, gedankenreich und bewegend, anspruchsvoll und mitreißend. Die Uraufführung findet am Samstag, 17. Juni, um 17 Uhr auf Zollverein, Halle 12, statt; am Sonntag, 18. Juni, ist zur selben Zeit eine zweite Aufführung geplant.

Junge Sängerinnen und Sänger sind mit großer Begeisterung dabei

Zurzeit finden im Gemeindezentrum an der Auferstehungskirche intensive Proben für das Essener Großprojekt statt: Über 100 Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren aus ganz Essen sind beteiligt. Die Partitur ist eine Herausforderung, die Nachwuchssängerinnen und -sänger nehmen sie mit Begeisterung an. Und die jungen Hauptdarsteller werfen sich mit einer faszinierenden Spiellust in die szenische Arbeit, in einer düsteren Ablasshändler-Szene genauso wie in einer verführenden Lametta-Glitter-Show in der Hölle.

Abenteuerliche Jagd durch Himmel und Hölle

Zur Geschichte: Muriel und Matti haben ihren Vater verloren. Matti glaubt nun, er müsse ein perfektes Kind sein, damit seine Mutter ihn liebe. Um das zu erreichen, folgt er einem Fürsten in eine geheimnisvolle, mittelalterliche Welt. Muriel, die ihrem verstorbenen Vater Briefe mit Feder und Tinte schreibt, will ihren Bruder wiederfinden. Sie begibt sich auf eine abenteuerliche Suche, auf eine Jagd buchstäblich durch Himmel und Hölle. Nur wer perfekt ist, wird geliebt? Eine furchtbare Vorstellung. Es sind Martin Luthers Ansichten zur Rechtfertigungslehre, die Autor Holger Metzner beim Schreiben seines Librettos für das Kindermusiktheater „Tinte, Tod und Teufel“ ins Zentrum gestellt hat. Der Gedanke, dass wir Menschen wenig tun können und müssen, um ein Recht zu haben, auf dieser Welt zu sein. „Dieser Kampf um Anerkennung und Liebe ist ja auf einer ganz profanen Ebene alltäglich: Schon Kinder stehen unter enormem Leistungsdruck“, erklärt Metzner. Welche Erleichterung bringe da der Gedanke, dass mein Wert als Mensch eben nicht an meiner Leistung hänge. Aber es ist nicht Luther, der im Stück seine Überlegungen äußert, der Reformator selbst taucht allenfalls in Zitaten auf. „Ich wollte, dass es die Kinder sind, die von sich aus auf diese Ideen stoßen“, sagt Metzner.

Welche Bedeutung haben Martin Luthers Ideen in unserer Zeit?

„Tinte, Tod und Teufel“ nähert sich Luther und seinen reformatorischen Ideen nicht biografisch-rückblickend. Welche Anknüpfungspunkte gibt es für Kinder heute? Das war der Leitgedanke für Holger Metzner beim Schreiben. Und Karin Haußmann hat entsprechend eine Musik komponiert, die vom Heute aus denkt. Moderne Musiksprache verbindet sich mit eingängigen Melodien. Stilistisch ist die bildhafte Komposition vielfältig, weit entfernt bleibt die tonale Musik vom populären Musical. Kinder auf und vor der Bühne werden bei „Tinte, Tod und Teufel“ ernst genommen. „Beim Komponieren musste ich nach einiger Zeit nicht mehr daran denken, dass es Kinder sind“, schildert Karin Haußmann ihre Arbeitsweise. „Auch anspruchsvolle Lieder können Kinder gut lernen, wenn sie musikalisch stimmig und überzeugend sind. Kinder können wirklich richtig gut singen – vor allem, wenn sie so professionell geführt werden wie diese Chöre.“ Die Qualität der Kinderchöre sei exzellent, beobachtet die erfahrene Komponistin. Das ist vor allem ein Verdienst der musikalischen Leiterin Stefanie Westerteicher und ihrer Kolleginnen Sabine Rosenboom, Anne Roth und Tatiana Varshavskaya.

Besetzung

Komposition: Karin Haußmann führt ihre Werke im In- und Ausland auf. Die Essener Komponistin lehrte Musiktheorie, Gehörbildung und Komposition für Lehramtsstudenten an der Folkwang Universität der Künste. Im Rahmen von Workshops und im Einzelunterricht leitet sie Kinder und Jugendliche beim Komponieren an.

Libretto und Regie: Holger Metzner ist Autor, Regisseur, Dramaturg, Filmemacher und Medienpädagoge. Er lebt in Karlsruhe. Mit Kindern arbeitet er regelmäßig in Theater- und Filmprojekten. Zum ersten Mal arbeitet er zusammen mit Karin Haußmann.

Ausführende: Judith Hoffmann (Sopran), Hagen-Goar Bornmann (Bariton), Kinderchöre des Evangelischen Kirchenkreises Essen, ein Kammerorchester. Musikalische Leitung: Stefanie Westerteicher. Assistenz: Sabine Rosenboom, Anne Roth, Tatiana Varshavskaya.

Informationen

Uraufführung: 17. Juni, 17 Uhr
Weitere Vorstellung: 18. Juni, 17 Uhr

Aufführungsort: UNESCO-Welterbe Zollverein, Areal A
[Schacht XII], Halle 12 [A12]
Gelsenkirchener Straße 181 | 45309 Essen

Dauer: ca. 1 Stunde (keine Pause)

Eintritt: 15 Euro, ermäßigt 12,50 Euro

Vorverkauf: Empfang im Haus der Evangelischen Kirche, III. Hagen 39, (9 bis 16 Uhr; größere Gruppen werden um vorherige Reservierung gebeten unter Telefon 0201-2205-0), sowie Musik Gläsel, Hohenzollernstraße 56, Telefon 0201-775525.

Informationen und Gesamtverantwortung für die Organisation: Kreiskantor Thomas Rudolph, Telefon 0201-8511222. Das ganze Programm des Kirchenkreises Essen im Jahr des Reformationsjubiläums steht auf www.reformation2017-essen.de.

Autor:

Stefan Koppelmann aus Essen

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