"Kamin geht's an den Kragen" - Schornstein 3 der Kokerei Zollverein erhält ein neues Mauerwerk

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Ein seltenes Ereignis können Anwohner und Spaziergänger gerade auf der Kokerei Zollverein erleben: In einem aufwändigen Prozedere schrumpft "Schornstein 3" (im Bild Kamin 2) Stein für Stein bis auf ein Minimum von 25 Metern.
 
Knapp zehn Meter wurde Schornstein 3 bisher abgetragen. 50 Meter sollen noch folgen. Oben hat der Kamin einen Durchmesser von 4 Meter, im Fuß sind es 7 Meter. Fotos: gen

Was derzeit auf der Kokerei Zollverein passiert, hat Seltenheitswert: Stein für Stein wird "Schornstein 3" - einer der sechs bis zu 96 Meter hohen Schornsteine an der Koksofenbatterie - abgebaut.

Schornsteinbauer der Firma Züblin lassen den Kamin im Auftrag der Stiftung Zollverein bis auf 25 Meter schrumpfen. "Anschließend wird er voraussichtlich ab August neu aufgemauert und spätestens zum Winter hin wieder in alter Größe stehen", so Delia Bösch, Pressesprecherin Stiftung Zollverein. Die Arbeiten sind Teil umfangreicher Sanierungsmaßnahmen auf der Kokerei, alle zwei Jahre finden hier Inspektionen und Wartungen statt.

Sechs bis zu 96 Meter hohe Schornsteine

Die lange Koksofenbatterie der Kokerei Zollverein wird von sechs 80 bis 96 Meter hohen Schornsteinen gesäumt, die täglich Wind und Wetter ausgesetzt sind. Da sie nicht mehr in Betrieb sind, wird das Mauerwerk mit der Zeit instabil, besonders in den kalten Wintermonaten wird es in Mitleidenschaft gezogen.
Damit die denkmalgeschützten Türme auch in der Zukunft noch stehen, wurde im August letzten Jahres mit umfangreichen Sanierungsmaßnahmen begonnen, die bis Anfang 2018 abgeschlossen sein sollen. 3,3 Millionen Euro hat der Regionalverband Ruhr zur Finanzierung der Maßnahmen veranschlagt.
Die Arbeiten am Kamin 6 an der Mischanlage sind bereits abgeschlossen, die Schornsteine 1 und 2 auf Höhe der Sauger- und Kompressorenhalle sollen im September beendet sein.

Inneres nicht gefahrlos zugänglich

Momentan steht allerdings der 80 Meter hohe Schornstein 3 im Fokus. Da sein Inneres nicht gefahrlos zugänglich ist, werden zunächst Sicherungsmaßnahmen mithilfe eines 200-Tonnen-Krans durchgeführt. "Anschließend wird im Inneren ein Spezialgerüst angebracht, von dem aus der Kamin um zwei Drittel, also auf 25 Meter, abgebrochen wird", erklärt Projektleiter Jürgen Thelen. Insgesamt sind dies etwa 500 Tonnen Steine, die so Stück für Stück abgetragen werden. Im oberen Teil hatte Schornstein 3 die meisten Beschädigungen, ein langer Riss zog sich einmal um die Spitze.

500 Tonnen Stein, Stück für Stück

Bis Ende des Jahres wird der unter Denkmalschutz stehende Schornstein dann wieder mit neuen Steinen im alten Glanz erstrahlen, pünktlich zur Eröffnung der Eisbahn und der neuen "Grand Hall Zollverein", einer modernen Special Event Location.
Zu diesem Zeitpunkt wird das gesperrte Gelände rund um die Koksofenbatterie entlang der Kokereiallee auch wieder für den Publikumsverkehr freigegeben.
Parallel zur Schornstein-Sanierung haben die Arbeiten an der ehemaligen Hochdruck-Anlage auf der Kokerei begonnen. In einem ersten Bauabschnitt stehen Sicherungsmaßnahmen und die Betonsanierung an. Auch die Sanierung der Koksofenbatterie schreitet kontinuierlich voran. Weitere aktuelle Maßnahmen auf der Kokerei Zollverein sind die Sanierung der Löschtürme an der Koksofenbatterie, Sicherungsarbeiten am Kaminkühler C hinter dem Kammgebäude, die Errichtung einer Parkour-Anlage sowie die Sanierung von Bandbrücken.

Mit diesen Arbeiten kommt die Stiftung Zollverein ihrer Aufgabe nach, die Bausubstanz des Welterbes Zollverein denkmalgerecht zu erhalten. Hier mussten Höhenängstliche passen: Mit dem 200-Tonnen schweren Kran ging es für die Pressevertreter in einem Personenbeförderungskorb auf bis zu 90 Meter Höhe an die Spitze des Schornsteins heran. uDie sechs Schornsteine sind Teil des unter WelterbeStatus stehenden Ensembles der Kokerei, die der Architekt Fritz Schupp in den 1950er Jahren plante. Die Schornsteine bilde eine Sichtachse, die die Dimensionen der gesamten Anlage unterstreicht, und sind symmetrisch angeordnet: Zwei 96 Meter hohe Schornsteine rahmen vier 80 Meter hohe Schornsteine ein. Fritz Schupp hat damit zentrale Elemente seines Architektur Stils auf der Kokerei Zollverein verewigt.

Hintergrund
Die sechs Schornsteine sind Teil des unter WelterbeStatus stehenden Ensembles der Kokerei, die der Architekt Fritz Schupp in den 1950er Jahren plante. Die Schornsteine bilde eine Sichtachse, die die Dimensionen der gesamten Anlage unterstreicht, und sind symmetrisch angeordnet: Zwei 96 Meter hohe Schornsteine rahmen vier 80 Meter hohe Schornsteine ein. Fritz Schupp hat damit zentrale Elemente seines Architektur Stils auf der Kokerei Zollverein verewigt.
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