Kreuzeskirche im Rizzi-Rausch

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Die volle Wirkung der Rizzi-Fenster kann man nur live erleben: (v.l.) Pfarrer Thomas Nawrocik, NRW-Minister Thomas Kutschany und Pfarrer Steffen Hunder. Fotos und Artwork: AlexaL.
Essen: Kreuzeskirche | Minister Kutschaty begeistert: „Diese Fenster-Kunst strahlt weit über Essen hinaus!“

Der Kreuzeskirche am Weberplatz werden auch noch nach ihrer neuen Bestimmung als Kulturkirche „sehr gute Beziehungen nach ganz oben“ zugeschrieben: Und so hat sich eigentlich auch niemand gewundert, als letzten Sonntag wie zur deren Einweihung bestellt die liebe Sonne genau durchs rechte der zwei tollen Rizzi-Fenster schien.

Die überfüllte Kultur-Kirche erstrahlte in poppig-buntes Licht getaucht, wie es schöner nicht ging: „Vater und Sohn“ in hellblau, rosa und knallgelb. Faszinierend schöne Glaskunstwerke hoben sich beeindruckend leuchtend gegen das nun schlichte Weiß des Kirchenschiffes ab, das linke Fenster nannte der Künstler „Jesus Is Life“.

Pop-Art-Titan James Rizzi (ja, der berühmte mit den fröhlich-bunten Wimmel-Zeichnungen) hatte schon vor 14 Jahren seine Entwürfe für die Kreuzeskirche abgeliefert. Doch gut Ding will in der Essener Kultur bekanntlich Weile haben, auf den Bau des wunderbaren Aalto-Entwurfs hatten wir ja sogar doppelt solange warten müssen! Und bekanntlich sind die Wege des Herrn manches Mal unergründlich, führen aber immer zum Ziel: Diesmal von New York nach Essen und wenigstens termingenau zum 120. Jubeljahr der Kirche.

Langer Weg nach Essen

James Rizzi begann als Straßenkünstler, wurde mit seiner universellen, dekorativen Pop-Art (kommt von „populär“) schnell zum Publikums-Liebling der internationalen Kunstszene. Seine Motive zieren Autos, Kaffeemaschinen und - sogar ein Flugzeug!. Eigentlich hatte der auch sozial engagierte Künstler alles schon mal irgendwie bemalt, als er vor über anderthalb Jahrzehnten vom Pfarrer Steffen Hunder auf Kirchenfenster angesprochen wurde. Und siehe da: Das gefiel und reizte Rizzi! So ein Angebot war ihm bis dahin ernsthaft noch nicht untergekommen, er sagte zu und lieferte. Leider ist er dann 2011 bereits verstorben.

Und so sind die beiden Rizzi-Meisterwerke in der Kreuzeskirche zu Essen jetzt auch die einzigen Kirchenfenster auf der ganzen Welt, die der Meister je entworfen hat!

Doch die Kreuzeskirche musste erst einmal gerettet und saniert werden, sich zur einzigartig mischgenutzten Kunstraum-Kirche wandeln, die von der Kirchengemeinde, dem „Forum Kreuzeskirche eV“ und Kreativ-Unternehmer Wiesmann genutzt wird. Erst nach Sanierung fanden die Rizzi-Fenster hier ihren würdigen Platz, hervorragend gelungen Dank der Könner von der Glaskunstfirma Derix aus Taunusstein. Die auch schon das weltberühmte Gerhard-Richter-Fenster im Kölner Dom realisierten.

Superstar Jesus Christ

Zur musikalischen Weihe am Sonntagmorgen dann auch was ganz Besonderes? Was könnte wohl besser zu sakral-weltlichen Pop-Art-Meisterwerken passen, als „Jesus Christ Superstar“ – Hammer-Hit des Musicals? Andächtig geblasen vom Bläserkreis der Neuen Pauluskirche mit wahrhaft ansteckender Spiellaune. Die quietschbunten Fenster und das begeisterte Publikum erlebten noch Klassisch-Kirchliches, „Michelle ma Belle“ von den Beatles, ganz große Orgelmusik im absoluten Wohlklang mit der Essener Kantorei: „Veni Creator spiritus“ / „Komm, Schöpfer Heil´ger Geist“. Und dann auch noch Amy Winehouse gecovert von Sängerin Tina, Gitarrist Marc und Trommler Andreas. Das ging schon unter die Haut und für alle, die dabei waren, ein unvergessliches Erlebnis. Dem James Rizzi hätt´s gefallen !

Selten wird in deutschen Landen so begeistert Gottesdienst gefeiert. Mit Zwischen-Applaus wie beim Pop-Konzert, aber auch voller Momente des Innehaltens und der Stille: „Lobe den Herrn, Deine Seele und vergiß nicht, was er Gutes Dir getan.“. Während draußen schon das Fest der Begegnung rund um die Kunstkirche begann, standen die beiden Pfarrer der Gemeinde, Thomas Nawrocki und Steffen Hunder nachdenklich noch ein bisschen mit dem Essener NRW-Minister Kutschaty zusammen. Und gedachten des langen, manches Mal arg steinigen Weges der Rizzi-Fenster in die gewandelte Kreuzeskirche. Da ließ Jemand die Sonne noch einmal strahlend schön durch das „Vater und Sohn“-Fenster blitzen. Und siehe - alles war gut. (cd)
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