Kulturhaus Heßlerstraße: Vereine müssen selbst Ersatz suchen

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Das letzte Sommerfest an der Heßlerstraße? Noch gilt für die hier ansässigen Vereine eine Schonfrist. Arichivfoto: Gohl
„Politik und Verwaltung vor kollektivem Handlungskoma?“, fragt Bodo Roßner vom Kulturnetz Essener Norden. Denn noch immer ist der Verbleib der im Kulturhaus an der Heßlerstraße 208 – 210 beheimateten Vereine ungewiss. Die Immobilienwirtschaft sieht sich nicht in der Lage, nach neuen Unterkünften zu fahnden. Und auch der lokalen Politik gehen die Ideen aus.


Immerhin: Noch gilt für die ansässigen Vereine – das Forum Russlanddeutsche, den slowenischen Kulturverein Bled, den Türkischen Elternverband, die Türkische Gemeinde Rhein Ruhr, der Parea-Gesellschaft sowie den Kultur- und Solidaritätsverein der in Deutschland lebenden Türken aus der Provinz Bartin – eine Schonfrist.

Vereine dürfen bis Mitte 2014 bleiben

Da die Vorbereitung des Bauleitverfahrens für die an diesem Standort geplante Wohnbebauung noch Vorlauf benötigt, müssen die Nutzer der städtischen Immobilie erst Mitte 2014 ihre Schlüssel abgeben. Lediglich die Sporthalle wird bereits zum 31. Dezember 2012 von den Sport- und Bäderbetrieben aufgeben.

Die Bezirksvertretung V forderte im September – auf Geheiß der SPD – die Immobilienwirtschaft auf, „die Suche nach neuen Räumlichkeiten zu konkretisieren.“ „Aufgrund Personalknappheit ist die Immobilienwirtschaft derzeit nicht in der Lage aktiv am Markt nach neuen Unterbringungsmöglichkeiten […] zu suchen“, lautet nun die Antwort der Fachverwaltung. Den Vorwurf der Untätigkeit weist sie allerdings von sich. In einem Papier, das derzeit die politischen Gremien passiert, sind demonstrativ Überlegungen zu alternativen Standorten aufgeführt. Soviel vorweg: Keiner habe sich als geeignet herausgestellt. Im Gespräch waren:

Die ehemalige Hauptschule Karnap: Eine Kindertagesstätte ist in Vorbereitung, zudem wird das Gebäude von der benachbarten Maria-Kunigunda-Grundschule genutzt. „Eine Kombination mit Dritten lässt sich nicht vertreten, da die Kinder durch Begrenzung des Gebäudes zu schützen sind“, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Die Tiegelschule im Nordviertel: Wird künftig vom RAA/Büro für interkulturelle Arbeit bezogen. Mehr Platz sei nicht vorhanden.

Der Palmbuschweg: Hier habe die Stadt keine Handhabe, die ausgeguckte Immobilie befindet sich in der Hand der Jugendhilfe.

Seumannstraße 15: Das ehemalige Ledigenheim steht seit Jahren leer, laut einem Gutachten von 2002 ist mit einem Sanierungsbedarf von 6,3 Millionen Euro zu rechnen.

Grubenschreinerei auf Carl: Ebenfalls sanierungsbedürftig, es seien allenfalls „einige Büroräume“ nutzbar. Es bestehe keine Möglichkeit, alle Vereine unterzubringen, die Grubenschreinerei wäre demnach nur eine Teillösung. Allerdings: Die Kosten für den Brandschutz lägen in einem „sechs- bis siebenstelligen“ Bereich.

Nikolausschule (Standort Schwanhildenstraße/Stoppenberg): Läuft, Stand heute, zum Schuljahr 2013/14 aus. Eine Änderung der Nutzung wäre zu beantragen, allerdings fehlt die Kostenrechnung für den Brandschutz.

Kulturnetz Essener Norden fordert weiter


Damit erschöpft sich die Suche, „soweit der Immobilienwirtschaft Angebote zur Kenntnis gelangen, werden diese an die Vereine weitergeleitet“. Dem Kulturnetz ist dies nicht genug. „Wir werden uns weiterhin um eigene Lösungen und geeignete Maßnahmen in der Sache bemühen und setzen auf die Bereitschaft zur Hilfestellung durch die Bezirksvertretungen vor Ort“, kündigt Bodo Roßner an.

Ob die lokale Politik aber weiterhelfen kann? Ratsherr Walter Wandtke regt die erneute Prüfung der ehemaligen Hauptschule Karnap an: „Wenn man das Gebäude schon saniert, dann doch so, dass man es vollständig nutzen kann. Zudem sollte es doch möglich sein, eine Trennung im Eingangsbereich hinzubekommen.“
SPD-Fraktionssprecher Theo Jansen hingegen zweifelt an den bezifferten Kosten für den Brandschutz der Grubenschreinerei an der Wilhelm-Nieswandt-Allee: „Diese Zahl scheint mir doch sehr großzügig kalkuliert.“

Aber wirklich neue Einfälle – die gibt es nicht. „Die Vereine leisten sehr ordentliche Arbeit. Doch wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir sagen müssen: ‚Wir haben keine Alternativen‘“, attestiert Thomas Spilker (FPD). Ähnlich sieht es Friedel Frentrop (EBB): „Da muss man zu den Vereinen ehrlich sein. Das ist eine schwierige Kiste.“

Dass Eigeninitiative gefragt ist, dessen sind sich die Vereine längst bewusst. Laut Frentrop sollen die Sportler der Parea bereits neue Vereinsräume gefunden haben. Auch das Forum Russlanddeutsche und der Kulturverein Bled verhandeln auf eigene Faust. So wie es aussieht, bliebt ihnen aber auch nicht anderes übrig.
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