Niedecken auf Zollverein - BAP-Sänger, Maler und Autor am Sonntag zu Gast in Katernberg

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„Ich hätte ganz sicher auch ohne die Musik ein Leben als Künstler geführt." Foto: Christian Schwarz
 
Der kölsche Bob Dylan: "Man stelle sich vor, man würde mich den Kölner Dieter Bohlen nennen." Foto: Christian Schwarz

Mit allein elf Nummer-1-Alben in den deutschen Charts und Millionen verkaufter Tonträger zählt Wolfgang Niedecken zu den erfolgreichsten deutschen Künstlern. Doch den Sänger, Maler und Autor nur auf sein musikalisches Werk zu reduzieren, würde viele Facetten seines Schaffens verheimlichen. Am kommenden Sonntag, 4. März, ist der BAP-Frontmann zu Gast auf Zollverein.

Für sein soziales und politisches Engagement hat der 66-jährige Kölner unlängst das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhalten. Nun ist er Gast des "Halbzwölf-Sonntalk". WDR-Moderator Peter Großmann begrüßt Niedecken um 11.30 Uhr auf dem Weltkulturerbe. Das Interview.

Sie werden oft als Musiker, Maler und Autor bezeichnet. Als was sehen Sie sich selbst?
Niedecken: „Ich sehe mich als Geschichtenerzähler. Dabei ist es egal, ob es um die Musik, die Malerei oder das Schreiben geht.“

Hat Ihnen der Erfolg mit der Musik erst die Anerkennung und Aufmerksamkeit als Maler und Autor ermöglicht?
Niedecken: „Ich hätte ganz sicher auch ohne die Musik ein Leben als Künstler geführt. Ich war an der Kunsthochschule, habe ordentlich studiert und ein sehr gutes Examen abgelegt. Die Musik hatte ich zu dieser Zeit komplett drangegeben. Ich komme aus einem Familienbetrieb, meine Eltern hatten ein kleines Lebensmittelgeschäft. Ich war der Erste, der aufs Gymnasium ging und danach studiert hat. Mein Vater war natürlich dagegen, dass ich Malerei studiere. Wie erfolgreich ich ohne die Musik als Maler geworden wäre, ist natürlich rein hypothetisch, aber ich hatte Ende der 70er schon Ausstellungen in guten Galerien.“

Wie sind Sie dann zurück zur Musik gekommen?
Niedecken: „Mitte der 70er traf man überall Leute, die in den Sixties in irgendwelchen Beat-Bands gespielt hatten und deren Instrumente auf dem Dachboden vergammelten. Daraus hat sich dann irgendwann eine große Gruppe geformt, die in unterschiedlichsten Konstellationen gejammt hat. Ich habe ja mal gesagt, wir hätten uns getroffen, um einen Kasten Bier leer zu proben. Aber bei der Menge an Leuten hätte jeder maximal zwei Flaschen abbekommen.“

Woher rührt Ihre soziale Ader?
Niedecken: „Mein politisches Bewusstsein stammt aus der Zeit des Vietnamkriegs. Ich merkte, dass dort etwas falsch lief. 1992 brannten dann die ersten Asylantenheime in Deutschland und ich war 1989 zum ersten Mal in Mosambik. Aber vor allem die Reise nach Uganda 2004 hat mich an einer ganz anderen Stelle wieder eingepflanzt. Ich konnte kaum noch über etwas anderes nachdenken oder über andere Themen als das Elend der Kindersoldaten sprechen. Die Erlebnisse in Afrika waren immer präsent. Ich muss auch heute noch täglich aktuelle Nachrichten sehen oder lesen, sonst werde ich nervös. Manche Sachen gehen mir dann tage- oder wochenlang durch den Kopf und manchmal entsteht daraus ein neuer Song. Mein Projekt Rebound wird dieses Jahr auch schon zehn Jahre alt. Wir helfen Kindern und Jugendlichen im Kongo, die durch kriegerische Auseinandersetzungen verletzt oder traumatisiert wurden.“

Was bedeuten Ihnen die Auszeichnungen für Ihr soziales Engagement?
Niedecken: „Diese Preise bedeuten mir insofern viel, als dass ich die ausgeschriebenen Preisgelder direkt wieder in mein Hilfsprojekt investieren kann und eine größere Aufmerksamkeit erziele. Natürlich muss man aber auch darauf achten, wer einem da einen Preis verleihen will und wie seriös diese Vereine sind.“

Man nennt Sie auch den kölschen Bob Dylan. Stört Sie oder schmeichelt Ihnen dieser Vergleich?
Niedecken: „Es könnte schlimmer kommen. Man stelle sich vor, man würde mich den Kölner Dieter Bohlen nennen. (lacht) Aber im Ernst: Ich bin damals mit dieser Frisur, Akustikgitarre und Mundharmonika durch die Kneipen gezogen und habe endlose Lieder gesungen. Da liegt der Vergleich eben nahe. Davon abgesehen, hätte ich ohne Bob Dylan, die Beatles oder die Rolling Stones wahrscheinlich niemals selber angefangen, Musik zu machen.“

Waren Sie schon mal auf der Zeche Zollverein?
Niedecken: „Wir haben mit der WDR Big Band ein gemeinsames Konzert auf Zollverein gespielt. Das war wirklich eine feine Sache.“

Tickets für die Veranstaltung am kommenden Sonntag, 4. März, sind im Onlineshop auf www.adticket.de oder unter Tel. 0180/6050400 (0,20 Euro/Anruf dt. Festnetz, mobil max. 0,60 Euro/Anruf) erhältlich. Einlass ist ab 11 Uhr auf Zollverein, Areal A, Halle 12. Der Eintritt kostet 15 Euro.
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 26.02.2018 | 18:33  
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Peter Eisold aus Lünen | 26.02.2018 | 19:49  
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