Ruhrtriennale Essen: Spektakuläres Tanztheater und mehr

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Richard Siegal: "Three Stages - Model". Foto: Ursula Kaufmann/Ruhrtriennale
 
Richard Siegal: "Three Stages - In Medias Res". Foto: Ursula Kaufmann / Ruhrtriennale.
 
"Caen Amour". Foto: Orpheas Emirzas
Essen: PACT Zollverein | Johan Simons vollendet sein drittes Ruhrtriennale-Jahr auch in Essen:

Sein drittes und letztes Jahr als Leiter der Ruhrtriennale stellt Bochums kommender Intendant Johan Simons unter den berühmten Schiller-Titel der Europa-Hymne „Freude schöner Götterfunken“. Die (allein schon durch ihre schiere Zahl beeindruckenden) 135 Veranstaltungen, der 41 Produktionen (darunter 26 Eigen- und Ko-Produktionen, 22 Uraufführungen, Neuinszenierungen, Deutschlandpremieren und Installationen) in 14 außergewöhnlichen Spielstätten der Ruhrtriennale u.a. in Essen, Mülheim, Duisburg, Bochum hinterfragen die Errungenschaften der Aufklärung mit den unerschöpflichen Mitteln der Kunst und mit Welt-Künstlern aus Oper, Theater und Tanz. Und - nimmt man die beiden ersten RT-Jahre unter Simons als Maßstab - versprechen auch sie in ihren tiefsten und schönsten Momenten wieder „Freude schöner Götterfunken“ satt.

Essen wichtiger Ruhrtriennale Spielort

PACT Zollverein als Tanz-Location ersten Ranges ist Spielort für Richard Siegals Mammut-Projekt „Three Stages: Model + In Medisa Res + El Dorado“. Das 2015 mit der Choreographie „Model“ begonnen, sich jedes Jahr einen weiteren Teil von Dantes „Göttlicher Komödie“ in nie gesehenen Bildern ertanzt. Über zwei Spielzeiten hat Siegal die „Gefilde des Jenseits" ausgelotet“ und seine Tänzer oft bis zur Schmerzgrenze gefordert. Nun endlich „Die Erlösung in himmlischen Sphären“, die Wiedervereinigung Dantes mit Beatrice, seiner verstorbenen Geliebten. Die beiden Teile aus den vergangenen Jahren werden noch einmal überarbeitet und führen direkt in die neue Produktion „El Dorado“. In Siegals Vision bleiben genau zwei Tänzer übrig: Corey Scott-Gilbert (34), der bereits eine große Rolle in den beiden Arbeiten der vergangenen Jahre spielte, trifft auf den 77-jährigen Gus Solomons Jr., der als Tänzer und Choreograf vor allem den Stil des Postmodern Dance mit geprägt hat. Zwischen ihnen schwebt die Inkarnation der tugendhaften Beatrice durch ein Vexierspiel zwischen Alter und Jugend, zwischen Liebe und narzisstischem Begehren. Choreografie, Bühne, Video: Richard Siegal. Termine: 25. / 26. August: 19 Uhr und am 27. August: 18 Uhr, PACT Zollverein Essen (Karten: ruhr3.com/thr).

RT: „Caen Amour“ oder die Anfänge des Striptease

Ebenfalls in PACT Zollverein: Der New Yorker Choreograf Trajal Harrell bekannt und gefeiert für seine wilden Mixturen aus zeitgenössischem Tanz und „Voguing“-Elementen präsentiert mit „Caen Amour“ eine Begegnung zwischen der legendären Jugendstil-Tanz-Ikone Loïe Fuller und dem Begründer des Butoh-Tanzstils Tatsumi Hijikata. Fullers Wirbeltänze in selbstentworfenen fließenden Gewändern waren Avantgarde und Vaudeville zugleich und wurden postum zu Modernen Tanz erklärt. (Kürzlich verfilmt mit SoKo als Fuller in „Die Tänzerin“). Harrells RT-Choreographie widmet sich darüber hinaus dem ebenfalls zwischen Kunst und spektakulären Praktiken stehenden „Hoochie Coochie“ (erotischer Bauchtanz in exotischen Kostümen vom Ende des 19. Jahrhunderts) als eine Vorstufe des heutigen Striptease: Mit zeitgenössischer Hoochie Coochie Show, Tanzlabor und Modenschau, Bühne und Laufsteg, historischem Abriss und musealem Artefakt. Choreografie und Soundtrack: Trajal Harell. Termine: 6./ 7. / 8./ 9. September: 20 Uhr, PACT Zollverein Essen, (Karten: ruhr3.com/cae).

RT: „Episoden des Südens“

Hier widmet sich PACT-Hausherr Stefan Hilterhaus (vielen auch aus seiner Zeit als Dozent der Folkwang-Universität bekannt) gemeinsam mit dem Goethe-Institut São Paulo der Region Südamerika. Die perspektivreiche Welterkundung "the other way around" beginnt in einer Arena: Das Publikum ist eingeladen, drei verschieden besetzte, kaleidoskopische Abende zu erleben, deren Höhepunkte ineinander fließen. Ob die Besucher mit bekannten Gästen über Objekte aus renommierten Museumssammlungen spekulieren und sie dabei zu neuem Leben erwecken, in Klangwelten eintauchen oder Zeugen einer gänzlich anderen Geschichtserzählung werden - der vielschichtige Blickwechsel und die spielerischen Übersprünge sind beabsichtigt. Mit Arjun Appadurai (tbc.), Fernando Arias (tbc.), Laymert Garcia dos Santos, Neo Muyanga, Museen des Ruhrgebiets, u. a. Museum Folkwang und Ruhrmuseum Essen. Termine: 15./ 16./ 17. September: 18 Uhr. PACT Zollverein (Karten: ruhr3.com/ep).

RT: Sandra Hüller in „Dienstbare Geister“

Die Ruhrtriennale befasst sich auch mit Europas Kolonialgewalt und ihren Folgen: 1905 verlässt eine mittellose junge Frau Berlin und wandert in die deutsche Kolonie Kamerun aus. Gezeigt wird ihr sozialer Aufstieg auf Kosten der einheimischen Nachbarn und Bediensteten, die beharrlich und vergeblich Widerstand gegen die Deutschen leisten – unter anderem gegen Landraub und Zwang zur Arbeit mit der Peitsche. 2015 bricht ein junger Mann aus Kamerun Richtung Deutschland auf. Durch beharrliche Selbstausbeutung erkämpft er sich in Berlin schließlich eine feste Stelle. Zunehmend verliert er die Verbindung zu seiner Heimat. Aber eines Tages soll er seiner Chefin einen Dienst erweisen und gegen seinen Willen einen Auftrag in Kamerun übernehmen. Beide Geschichten werden zeitgleich in zwei nebeneinander liegenden Räumen erzählt. Das Publikum teilt sich und wechselt nach dem ersten Durchlauf den Raum, um die andere Zeitebene zu hören. Die Kolonialzeit greift wie ein Poltergeist ins Heute, umgekehrt hört man in der Kolonialgeschichte Vorboten einer Zukunft, die an heute erinnert. Mit der wunderbaren Sandra Hüller, Oliver Djommou, u. a. Termine: 2./ 3./ 9./ 10. September: 17 Uhr, 2. September: 20 Uhr und 9. September: 22 Uhr. (Karten: ruhr3.com/die).


Weitere RT-Events in Essen:

Konzerte im Maschinenhaus
21. August: "Zwerm", 28. August: "Ictus", 4. September: "Arne Deforce", 11. September: "Michaela Melián", 18. September: "Roly Porter", 25. September: „Ben Frost“. Beginn jeweils 20 Uhr, Maschinenhaus Essen Zollverein, (Karten: ruhr3.com/kon)

Truck Track Ruhr - The Compilation
Rimini Protokoll / loekenfranke / Urbane Künste Ruhr
19. August - 30. September, Di - So, 13 - 21 Uhr, Eröffnung: 19. August, 13 Uhr Mischanlage, Kokerei Zollverein Essen, Eintritt frei (ruhr3.com/tru)
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