Vom Bleisatz zum BürgerReporter: 40 Jahre Nord Anzeiger im STADTSPIEGEL Essen

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Die Titelseite zum 40. Geburtstag des Nord Anzeigers, der zum STADTSPIEGEL Essen gehört, kontrollieren Sabine Pfeffer und Patrick Torma am Bildschirm. (Foto: Halfmann)
 
Als Schlagzeilen noch über den Titelkopf hinweg liefen, war die Zusatzfarbe Rot das einzige bunte Element auf der Seite 1. Von vierfarbigen Bildern träumte man anno 1985 nur.

An der Technik merkt man wie die Zeit vergeht. Das gilt auch für die Technik des Zeitungmachens in den Redaktionen des STADTSPIEGEL Essen. Der Nord Anzeiger ist mit seinen nunmehr 40 Jahren das älteste Blatt innerhalb des STADTSPIEGELS und sein runder Geburtstag Anlass für einen Rückblick.

Da ich die ersten 17 Jahre nicht selber mitgemacht habe, kann ich vom Bleisatz nicht mehr viel aus eigener Erfahrung erzählen. Immerhin endete einer meiner frühesten Einblicke ins Zeitungmachen damit, dass ich mit meinem in Blei gesetzten Namen samt Adresse heim ging. Geschenk des Hauses. Ich muss es noch irgendwo haben...
Doch der Umgang mit den schweren Lettern, welche das von den Textern geschriebene Wort per Druckerschwärze zu Papier brachten, fand nicht in der Redaktion statt. Dort - was mich betrifft beim Kettwig Kurier - stand Ende der 80er Jahre noch die gute alte Schreibmaschine. Kaum im Job angekommen, sorgte ich dafür, dass die mechanische durch eine elektrische ersetzt wurde. Überbeine an den Fingern muss man nicht haben.

Klebeumbruch und Papierbild sind passé

Der Fortschritt hielt also Einzug, aber den Farbbandwechsel musste man immer noch beherrschen, bis einige Jahre später der Computer eintraf. Damit die jüngere Generation jetzt keine falsche Vorstellung hegt, sprechen wir lieber vom Textverarbeitungsprogramm. Orange auf schwarz leuchteten die Wörter, und damit die Satzstelle wusste, welchen Abschnitt sie wie setzen sollte (Schlagzeile, Unterzeile, Vorspann, Bildzeile usw.), schrieb man die Markierungen nicht mehr aufs Papier, sondern setzte sie elektronisch vorweg.
Vor Momenten der Verzweiflung rettete einen das nicht. Der Ausruf: „Mein Artikel ist weg!“, kann ebenso die Suche nach dem DIN A4-Bogen wie nach der Datei bedeuten. Zum Glück tauchen die meisten Dinge wieder auf, und wenn nicht, bleibt nur eines: den Text sofort nochmal schreiben. Für kurze Zeit hat ihn zumindest das Gehirn noch gut gespeichert.
Zur Satzstelle kamen die Texte immer noch mit dem fahrenden Boten, der kein Papier mehr, sondern Datenträger beförderte. Das änderte sich mit dem Internet und mit Computerprogrammen, die schon dem Texter auf dem Bildschirm zeigen, wie das, was er gerade tut, später in der Zeitung aussehen wird. Früher gab es die Anweisung an den Metteur, der die Textfahnen im Klebeumbruch gestaltete („Das bitte als Dreispalter.“). Heute öffnet der Redakteur die Seite, auf der die Anzeigen bereits platziert sind, und gestaltet das für die Redaktion vorgesehene Stück.
Zugleich starb das Papierbild praktisch aus, fast alle Fotos sind digital - und in Farbe. Auf das große 4C haben wir sehnsüchtig gewartet, war es doch aufwändig und teuer. Um so skeptischer blicken wir, wenn uns Veranstaltungsagenturen Fotos im wieder schicken Schwarz-Weiß senden. Wie viel schöner eine vierfarbige Zeitung ist, zeigt der Vergleich mit alten Exemplaren.
Die Gestaltung der Seiten geschieht übrigens nicht nach Gutdünken, sondern mit vorgegebenen Modulen, denn sie soll ein einheitliches Bild ergeben - ein Outfit, das der Leser wiedererkennt, in dem er sich zu Hause fühlt.
Technische Entwicklung heißt mehr Aktualität. Das gelingt auch durch unser Mitmach-Portal lokalkompass.de. Dort kann jeder sich als BürgerReporter anmelden und Beiträge einstellen. Die Redaktion wiederum kann Informationen rasch unter die Leute bringen. Wenn mittwochs eine Störung im Bahnverkehr gemeldet wird, nutzt die Zeitung, die samstags erscheint, nicht mehr viel.

Ständiger Austausch im Mitmach-Portal

Außerdem bringt die interaktive Art einen schnellen Austausch mit dem Leser bzw. Nutzer. Auf lokalkompass.de können zu den Beiträgen Kommentare verfasst werden. Der Verfasser des Beitrags kann antworten, und so entspinnen sich Dialoge, die ganz fix zusätzliche Informationen für beide Seiten erbringen.
Somit ist der Redakteur heute nicht mehr nur Texter, sondern multifunktional. Auch malen wir nicht mehr mit dickem Filz auf einem Papierbild herum, um den Bildausschnitt festzulegen, sondern tun das unmittelbar am Bildschirm und bauen das Foto in den Bericht ein.
Und da das heutige Programm nach einem Absturz fast alles wieder herstellt, sind auch die Momente der Verzweiflung seltener geworden. Das nennt man dann technischen Fortschritt.
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4 Kommentare
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Renate Sültz aus Lünen | 23.11.2013 | 04:06  
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Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 23.11.2013 | 08:25  
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 23.11.2013 | 08:42  
28.397
Christian Tiemeßen aus Emmerich am Rhein | 23.11.2013 | 10:35  
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