Zehn Jahre Computainer

Anzeige
  Die Investition war es wert: Vor zehn Jahren wurde der Computainer in Vogelheim errichtet. Schnell hat sich der bunte Containerkomplex zu einem wichtigen Stadtteiltreff gemausert. Als vor zwei Jahren die Aufgabe drohte, waren die Sorgen groß.

Benachteiligten Kinder- und Jugendlichen den Zugang zu neuen Medien ermöglichen - mit diesem Gedanken hat alles angefangen. „Fairnetzen“ lautete die Überschrift für ein Projekt, das vom Essener IT-Unternehmen BOV AG (heute adesso) ins Leben gerufen und von der Stadt Essen aufgegriffen wurde. Mit Hilfe der Vogelheimer Stadtteilkonferenz gelang es, zahlreiche Sponsoren aus der Wirtschaft zu gewinnen: Am 5. Mai 2003 übergaben der damalige Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger und die Sozialdezernentin Gudrun Hock den Computainer seiner Bestimmung.

Bis heute finden im Stakenholt Computerkurse statt: Von Grundlagenkursen bis hin zu Vertiefungsangeboten in Word, Excel und Bildbearbeitung. Längst richtet sich das Angebot nicht mehr an Kinder und Jugendliche, auch Erwachsene lernen im Computer dazu.

Doch die Medienschulung ist mittlerweile ein Baustein von vielen im Konzept. Die Vogelheimer können auf eine Fülle von Beratungs- und Infoangeboten zurückgreifen: Die Sozialen Dienste des Jugendamtes unterstützen bei Erziehungsproblemen, Hilfe bei Renten- und Versicherungsfragen leistet der Versicherungsälteste. Elternbildung, Senioren- und Mutter-Kind-Gruppen oder Hausaufgabenbetreuung - im Stadtteiltreff sind keine (Alters-)Grenzen gesetzt.
Manchmal ist der Computainer einfach „nur“ Begegnungsstätte. Sich einfach mal bei einem Kaffee austauschen - das Computainer-Team um Leiterin Esther Stabenow hat für Fragen und Sorgen immer ein offenes Ohr. Als die Übernahme der ehemaligen THS-Immobilien durch Häusser Bau für Verunsicherung sorgte, wurde der Computainer nicht umsonst zum Hauptquartier der Mieterinitiative Vogelheim auserkoren.

Der Standort nimmt eine wichtige Rolle ein - in einem Stadtteil, der laut Bildungsbericht der Stadt Essen von 2011 als Sozialraum „von deutlichen Problemlagen gekennzeichnet“ ist. Umso größer war der Aufruhr unter Vogelheimern, als sich die Aufgabe des Computainers abzeichnete. An den Containerelementen nagte der Zahn der Zeit, das Dach drohte unter allzu großen Schneelasten einzubrechen. Was also tun? Ein neuer Komplex hätte einen finanziellen Kraftakt bedeutet, das Jugendamt favorisierte eine Zusammenlegung mit dem Jugendhof am Standort Lütkenbrauk.

Aus Kostengründen wurde der Plan verworfen: Der Jugendhof ist ebenfalls sanierungsbedürftig. Deshalb nun die „Aufrüstung“ des Computainers. In diesem Jahr erhielt er ein neues Gehäuse: Eine Überdachkonstruktion - von den Vogelheimern liebevoll als Carport bezeichnet - entlastet die Elemente. Neue Hardware liefert das Helfernetzwerk Labdoo.org, das ausrangierte Computer aufarbeitet und guten Zwecken übergibt. Und auch die verwitterte Fassade soll einen neuen Anstrich erhalten. Die Neuntklässler der Gesamtschule Nord stehen schon mit Ideen in den Startlöchern, doch noch fehlen die (Rest-)Mittel. Das Abbeizen der alten Farbe und die Grundierung gehen ebenso ins Geld wie der Aufbau eines Gerüstes. Noch werden einzelne Sponsoren gesucht. Vielleicht geben sie sich ja zur Feierstunde am Freitag zu erkennen...
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.