A42: Ziemlich lauter Schleichweg

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Haben genug vom Lärm: Dirk Scheidat, Ricarda und Janusch Rentenatus haben die Interessengemeinschaft A 42 Essen-Altenessen ins Leben gerufen. Fotos: Gohl
  Auch wenn der Emscherschnellweg im Volksmund gerne als Emscherschleichweg verspottet wird – die A42 ist eine wichtige West-Ost-Verbindung im Ruhrgebiet. 80.000 PKW und 8.000 LKW brausen nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen täglich über die Bahn zwischen Kamp-Lintfort und Dortmund. Womit der „Schleichweg“ eine nicht zu vernachlässigende Lärmquelle für die Menschen im nördlichen Ruhrgebiet ist.

Neidisch blicken die Menschen aus Altenessen und Karnap in die Nachbarschaft: Auf Herner Stadtgebiet beispielsweise wurde ab 2010 der Lärmschutz (neuer Asphalt und Lärmschutzwände) erneuert, jetzt sind die Gelsenkirchener „fällig“. Bis 2014 sollen die Lärmschutzwände auf einer Gesamtlänge von 2,5 Kilometern zwischen Heßler und Zentrum ausgetauscht werden.

Maßnahmen, die man auf Essener Gebiet schon lange herbeisehnt. Immer wieder gab es Vorstöße aus der örtlichen Politik, unter anderem von der Bürgerliste Nord. Vor seiner Zeit als Oberbürgermeister beteuerte auch Reinhard Paß, das Thema Lärmschutz an der A42 begleiten zu wollen. So liest es sich zumindest in einem Antwortschreiben, das Dirk Scheidat auf seine Anfrage hin vor einigen Jahren erhielt. Passiert ist nichts.

Dirk Scheidat ist an der Emscherstraße am Rande Altenessens groß geworden, hat miterlebt, wie das Ende der Sechziger Jahre freigegebene Teilstück zwischen Essen-Nord und Gelsenkirchen-Heßler von einer „städtischen Schnellstraße“ zur Autobahn heranwuchs. Und wie der Lärm stetig zunahm. Von seinem Haus sind es gerade mal 100 Meter Luftlinie zum Emscherschnellweg. Bei einem Besuch des Nord Anzeigers im April 2012 wirkt er zermürbt: „Die Fenster können wir im Sommer nicht offen halten.“

Frühere Vorstöße führten ins Leere

Schon da hatte Dirk Scheidat nichts unversucht gelassen. Ein Aktenordner zeugt vom Schriftverkehr mit dem Landesbetrieb Straßen.NRW. Doch als Privatmann konnte er wenig bewegen. „Man muss eine Lobby vorweisen können“, mutmaßte er schon damals. Dies hätten die Erfahrungen aus Herne gelehrt, wo sich eine Bürgerinitiative für den Lärmschutz engagierte. In Gelsenkirchen gab es zudem massive Rückendeckung aus der Politik.

Inzwischen hat Dirk Scheidat Unterstützung in der Nachbarschaft gefunden. Die Eheleute Rentenatus haben sich den Bemühungen angeschlossen. Ausschlaggebend war die Sperrung der A40 im vergangenen Sommer. „Durch die Sperrung hat der Verkehr auf der A42 zugenommen. Manche sind auch nach der Freigabe der A40 geblieben“, schildert Ricarda Rentenatus ihre Eindrücke.
„Wir müssen den öffentlichen Druck erhöhen“, ist Janusch Rentenatus überzeugt. Die Lärmsanierung sei dringend erforderlich. „Die A42 wurde auf einem Damm errichtet, der dazu führt, dass der Schall weit in die Stadtteile getragen wird“, ergänzt Scheidat.

Der bestehende Lärmschutz, der sich ohnehin nicht über das gesamte Teilstück erstreckt, sei völlig veraltet. „Der Asphaltbelag wurde seit der Freigabe vor 45 Jahren nur stellenweise erneuert, die Schutzwände stammen, unseren Recherchen nach, aus den Siebziger Jahren. Hier wurden nur lediglich einzelne, defekte Lamellen ausgetauscht.“

Um sich Gehör zu verschaffen, rief das Trio die Interessengemeinschaft (IG) A42 – Essen-Altenessen ins Leben. Erstes Anliegen ist es, Nachbarn und das weitere Umfeld zu informieren. Zu diesem Zwecke nutzt die IG neue Kanäle, darunter Facebook und den Lokalkompass.

Erste Reaktionen aus der Politik sind bereits überliefert. So sicherten die Grünen, im Speziellen Ratsherr Walter Wandtke, ihre Unterstützung zu: „Wir wollen das Thema in den Landtag bringen“. In der Einwohnerfragestunde des Stadteilparlaments warb Janusch Rentenatus zudem um die Hilfe der übrigen Parteien. Auch an der ersten Altenessen-Konferenznahmen die drei teil.

Viel Überzeugungsarbeit liegt vor den Anwohnern

Denn: Soll sich im Essener Norden etwas ändern, ist viel Überzeugungsarbeit gefragt. „Im Rahmen des laufenden Lärmsanierungsprogramms [ist] eine lärmtechnische Überprüfung der vorhandenen Situation nach den Grundsätzen der Lärmsanierung vorgesehen. Aussagen über die Erforderlichkeit und Umfang etwaiger Maßnahmen sind aber erst nach Abschluss der erforderlichen lärmtechnischen Untersuchung möglich. Wegen der Größe des von hier abzuwickelnden Lärmsanierungsprogramms an Autobahnen kann nach derzeitiger Disposition noch kein Fertigstellungstermin der Untersuchung genannt werden“, lautet eine aktuelle Antwort von Straßen.NRW, die der IG seit einigen Tagen vorliegt.

Kurz gesagt: „Derzeit sind keine Maßnahmen auf dem Essener Teilstück geplant“, wie es auf Anfrage des Nord Anzeigers in der Presseabteilung des Landesbetriebes heißt.
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