Altenessen-Karnap: Langjähriger Gemeindepfarrer Wilfried Stender wird verabschiedet

Wann? 16.08.2015 15:00 Uhr

Wo? Alte Kirche Altenessen, Altenessener Straße 423, 45329 Essen DE
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Am 16. August tritt Pfarrer Wilfried Stender in den Ruhestand - und kann sein Eis dann noch entspannter genießen!
Essen: Alte Kirche Altenessen |

In einem Gottesdienst am Sonntag, 16. August, um 15 Uhr in der Alten Kirche Altenessen, Altenessener Straße 423, wird Pfarrer Wilfried Stender durch Assessorin Erika Meier von seinem langjährigen Dienst als Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Altenessen-Karnap entpflichtet und in den Ruhestand verabschiedet. Im Anschluss an den Gottesdienst besteht in der Alten Kirche die Gelegenheit, sich persönlich von Wilfried Stender zu verabschieden.

Engagement für Zeche Carl und gegen die A52

Seine Altenessener Zeit begann für Wilfried Stender im Jahr 1976: unmittelbar nach dem Vikariat, das er in Rüttenscheid absolviert hatte, noch vor seiner Ordination, unterrichtete er eineinhalb Jahre das Fach Evangelische Religion am Leibnitz-Gymnasium. Als er dann im August 1978 in der einstigen Trinitatis-Kirche an der Basunestraße in Altenessen-Nord ordiniert wurde, traf er hier Pfarrer Willi Overbeck wieder, den er von seiner Bonner Studienzeit her kannte und der damals in der Gemeinde tätig war. Mit ihm und vielen anderen zusammen engagierte sich Wilfried Stender in den nächsten Jahren zunächst intensiv für die Weiterentwicklung der Zeche Carl zu einem kulturellen Zentrum; später kam der Widerstand gegen den Ausbau der A52 und gegen andere ‚Planungssünden’ im Stadtteil dazu. „Dass die Gemeindeleitung uns Pfarrer und weitere hauptamtliche Mitarbeiter bei diesen Aktivitäten nicht nur duldete, sondern kräftig unterstützte, war durchaus nicht selbstverständlich“, erinnert sich Wilfried Stender. „Ich bin überzeugt, dass es das Kulturzentrum Zeche Carl ohne das Engagement der damaligen Kirchengemeinde Altenessen-Nord heute in dieser Form nicht gäbe.“

"Hallo, Herr Fahrrad-Stender!"

Als Pfarrer an der Trinitatis-Kirche hatte Wilfried Stender das Glück, von einem sehr lebendigen Stück Gemeinde umgeben zu sein: „Eine ausgezeichnete kirchenmusikalische Arbeit mit einem großen und guten Chor, eine große und aktive Frauenhilfe und weitere Gruppen, eine lebendige Jugendarbeit, engagierte Mitarbeiter im Küsterdienst und im Kindergarten, die die Räume und ihre Umgebung einladend gestalteten, eine lebendige Ökumene mit der katholischen Schwestergemeinde Herz Mariä und nicht zuletzt die sehr engagierten Bezirkspresbyter machten diese Jahre zu einer für mich guten Zeit“, resümiert Stender. Zeitweise sei es im Pfarrhaus wie in einem Taubenschlag zugegangen; denn auch das Jugendbüro hatte damals dort seinen Sitz. Als seine Frau in sein Leben trat, wurde der Charakter eines „echten Pfarrhauses“ etwas sichtbarer; offen für viele aber blieb es immer. Den beiden Söhnen wurde es ein überaus lebendiges Zuhause. Besonders unvergessen ist Wilfried Stender übrigens die Erinnerung an seine eigene kirchliche Trauung in der bis auf den letzten Platz gefüllten Trinitatis-Kirche. „Beim Einzug ging mein Puls wohl auf 180“, erzählt er. „Doch dann verwandelten sich Angst und Aufregung in gelöste Heiterkeit, als eine zarte Kinderstimme rief: Hallo, Herr Fahrrad-Stender!“ Dieser Spitzname ist ihm bis heute geblieben und wurde von türkischen Eltern aus der Kindertagesstätte mittlerweile gar in den Vornamen „Farat“ umgedeutet.

"Die Menschen ewarten von mir keine frommen Sprüche"

Natürlich hat es, wie überall, auch schmerzliche Erfahrungen im Berufsleben von Wilfried Stender gegeben. Im Bezirk „auf der Heide“ wurde es mit den Jahren ein wenig stiller, schon vor der Stilllegung der Trinitatis-Kirche. Dennoch: Durch die Aufgabe der Gottesdienststätte im Jahr 2004 sei der Gemeinde mehr verloren gegangen, als es deren damalige Leitung und auch er selbst anfangs hätten wahrhaben wollen, gibt er unumwunden zu. „Bei meinen Hausbesuchen im Bezirk erlebte ich die ehrliche Trauer vieler Menschen über diesen Verlust.“ Aber nicht nur deshalb waren ihm solche Besuche immer sehr wichtig: „Fast jedes Mal kam es – besonders bei Besuchen anlässlich eines Sterbefalls – zu intensiven Gesprächen über Fragen des Glaubens“, berichtet der Pfarrer. „Die Menschen erwarteten dann keine frommen Sprüche von mir, sondern wollten wissen, welche Antworten ihnen der christliche Glaube heute darauf wirklich bietet.“ Diese Erwartung sei ihm zuletzt auch immer stärker in Gesprächskreisen und anderen Gruppen der Gemeinde begegnet. Und so schließt sich am Ende eines Berufslebens ein Kreis: „Mit der Ansage ‚Glauben und Verstehen’ hatte mein Studium einst begonnen. Heute wird mir immer stärker bewusst, dass die Betonung in dieser Ansage auf dem kleinen Wörtchen ‚und’ liegt“, sagt Wilfried Stender.

Pfarrer - und Ehemann, Vater, Opa, Sohn, Freund, Fan...

Die Hilfestellung beim Verstehen von Glaubensansagen und Glaubensaussagen – und zwar auch im Dialog mit naturwissenschaftlichen und historischen Erkenntnissen und in der Begegnung mit anderen Kulturen und Religionen – hat seinen Dienst als Pfarrer, besonders in der letzten Phase seiner Dienstzeit, maßgeblich geprägt. Doch nun freut sich Wilfried Stender auf die Zeit nach dem verpflichtenden Dienst. Große Schwierigkeiten bei der Umstellung erwartet er nicht: „Auch in meiner Berufszeit habe ich mich nicht nur als Pfarrer verstanden, sondern war immer auch Ehemann, Vater, Opa, Sohn, Freund, Fan...“ Und das alles wird er ja bleiben, auch über den 16. August hinaus.
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