Altenessen: Neues Gemeindezentrum und Wiederindienstnahme der Orgel wird mit Festwochenende gefeiert

Anzeige
Das neue Gemeindezentrum am Mallinckrothplatz in Altenessen besticht durch einen schönen Innenhof und das zum Hof hin abgeneigte Dach. Pressefoto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann
 
Beim Ortstermin überzeugten sich (v.l.) Pfarrer Dirk Matuschek (Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Altenessen-Karnap), Baukirchmeister Rolf Weiss, Finanzkirchmeisterin Ulrike Bauza, Architektin Jolanta Trompeta und Pfarrerin Ellen Kiener (vorn) davon, dass alle Arbeiten wie geplant ausgeführt wurden. Pressefoto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann
 
Der Gemeindesaal ist hell und kann unterteilt werden. Pressefoto: Kirchenkreis Essen/Stefan Koppelmann
Essen: Alte Kirche Altenessen |

Der Puls ist ganz ruhig. Zwar hängen die Kabel für die Lampen zurzeit noch wie Schlangen von der Decke, überall liegt Werkzeug herum und es riecht stark nach Putz – trotzdem herrscht große Zuversicht bei Architektin Jolanta Trompeta und den Verantwortlichen der Evangelischen Kirchengemeinde Altenessen-Karnap. Für die restlichen Arbeiten bleiben nur noch ein paar Tage: Am Sonntag, 25. Juni, um 11 Uhr wird das kleine, aber überaus feine neue Gemeindezentrum am Mallinckrothplatz mit einem Festgottesdienst eingeweiht; die Predigt hält Oberkirchenrat Klaus Eberl. Mit seinen vielfältig nutzbaren Räumen und dem hellen Foyer wird es nicht nur den Aktivitäten des Gemeindebezirks eine Heimat bieten, sondern auch ein Ort des Dialogs von Generationen, Kulturen und Religionen des Stadtteils sein. Wir durften uns gestern schon einmal in den Räumen umschauen – und erhielten eine eindrucksvolle Ahnung davon, welche Möglichkeiten dieses Haus bietet! Aber auch schon am Tag vorher - Samstag, 24. Juni - hat die Kirchengemeinde einen Anlass zum Feiern: Dann erklingt zum ersten Mal seit zwei Jahren im Festkonzert um 18 Uhr die frisch renovierte Sauer-Orgel in der Alten Kirche.

Den Entwurf für das neue Gemeindezentrum lieferte das Architekurbüro Heinrich Böll

Schon lange war das Walter-Wolff-Gemeindehaus in der Karl-Denkhaus-Straße der Kirchengemeinde zu groß und zu teuer in der Unterhaltung geworden: So werden die Räume für die Gemeindeverwaltung seit der Gründung eines gemeinsamen Gemeindeamtes für alle Gemeinden im Kirchenkreis Essen nicht mehr benötigt und stehen bis auf ein kleines Gemeindebüro leer; die Diakoniestation hat ihren Standort nach Borbeck verlegt. In dem Architektenwettbewerb, den die Kirchengemeinde Altenessen-Karnap schließlich im Jahr 2014 durchgeführt hat, setzte sich der Entwurf des Essener Architekturbüros Heinrich Böll durch. Das neue, ebenerdige und barrierefrei nutzbare Gemeindezentrum besteht aus drei Bauteilen, die zu einem gemeinsamen Innenhof hin orientiert sind – sie integrieren auf diese Weise mehrere Aufgabenbereiche, ohne dass es zu einer Beeinträchtigung kommt. Der östliche Bauteil ist für die Jugendarbeit und den Konfirmandenunterricht vorgesehen und hat einen separaten Eingang, der bei Bedarf genutzt werden kann. Der nördliche Trakt dient für gemeindliche Angebote, Veranstaltungen und Versammlungen; der Gemeindesaal kann unterteilt werden und verfügt auch über eine kleine Bühne. Der westliche Teil wird für die Kleiderkammer und ein Gemeindebüro genutzt, in dem außerdem die Sprechstunden der Evangelischen Beratungsstelle für Schwangerschaft, Familie und Sexualität stattfinden. Die Dächer der Bauteile neigen sich zum Innenhof hin, der sich nach Süden, mit einer leichten Drehung zur Alten Kirche, hin öffnet. Wie die Alte Kirche ist auch die Fassade des neuen Gemeindezentrums aus Backstein gemauert. Die innere Fassade ist durch transparente Flure und eine große Glasfront im Innenhof charakterisiert – auf diese Weise öffnet sich das Gebäude hell und einladend in den Stadtteil Altenessen hinein; aus einer Ecke des Foyers heraus ist ein freier Blick auf die Alte Kirche möglich. Auch ein modernes Beleuchtungskonzept wird derzeit installiert.

Kirchengemeinde erwartet erhebliche Einsparungen bei den Unterhaltungskosten

Die Gesamtbaukosten in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro finanziert die Kirchengemeinde Altenessen-Karnap zum größten Teil aus eigenen Rücklagen sowie aus Einnahmen, die in den vergangenen Jahren durch eine Reihe von Immobilien- und Grundstücksverkäufen (Trinitatiskirche mit Pfarrhaus, Altentagesstätte und Pfarrwohnung in der Neuessener Straße, Heinrich-Held-Haus am Palmbuschweg u. a.) erzielt wurden. Durch die deutliche Verringerung der Nutzfläche (Walter-Wolff-Gemeindehaus: 2.599 m², neues Gemeindehaus: 522 m²) erwartet die Kirchengemeinde daher umfangreiche Einsparungen bei den Unterhaltungskosten. Rechtzeitig zur Einweihung kann sich die Gemeinde zudem über ein besonderes Geburtstagsgeschenk freuen: Die van Eupen Stiftung finanziert die Begrünung des Außengeländes mit 25.000 Euro. Und so freuen sich die Verantwortlichen über ein schönes, gelungenes neues Haus, das trotz einer reduzierten Grundfläche die Möglichkeit für vielfältige Aktivitäten und die Begegnung von Generationen, Kulturen und Religionen bietet.

Wertvolle Sauer-Orgel ist einzigartig in der ganzen Region

Schon einen Tag vorher, am Samstag, 24. Juni, hat die Kirchengemeinde einen Anlass zum Feiern: Dann erklingt im Festkonzert um 18 Uhr zum ersten Mal seit zwei Jahren die frisch renovierte Sauer-Orgel in der Alten Kirche. Solist ist Kantor Udo Witt, der eine ähnlich wertvolle Sauer-Orgel in der Hauptkirche in Mönchengladbach-Rheydt spielt. Die Grüße der Evangelischen Kirche im Rheinland überbringt Oberkirchenrat Bernd Baucks. Der Eintritt ist frei; eine Spende für die Orgel ist willkommen. Die Orgel der Alten Kirche wurde durch die renommierte Orgelbauwerkstatt Wilhelm Sauer aus Frankfurt an der Oder errichtet und gilt als einzigartig in der Region; ihre Klangfarbe eignet sich in besonderer Weise für die Führung des Gemeindegesangs in der protestantischen Kirchenmusik und zur Wiedergabe der zeitgenössischen Orgelliteratur, etwa von Max Reger. Da das denkmalgeschützte Instrument seit seiner Erbauung im Jahr 1890 vielfach im Klang verändert wurde, hatte die aufwändige Sanierung, die infolge starker Materialermüdung erforderlich wurde, auch das ehrgeizige Ziel, die ursprüngliche Disposition wieder zu rekonstruieren.

Weitere Benefizaktionen für die Orgel sind geplant

Für die Sanierung der Orgel wurden insgesamt rund 410.000 Euro veranschlagt: 90.000 Euro stellt die Kirchengemeinde aus eigenen Rücklagen bereit; dazu kommen derzeit rund 80.000 Euro an Spenden und Fördergeldern – zu den Geldgebern zählen insbesondere die Sparkasse Essen, die Geno-Bank, die Schuhhandelskette Deichmann und die Stiftung Orgelklang sowie weitere Firmen, Privatpersonen und der Kirchbauverein Alte Kirche. Auch in folgenden Jahren wird es deshalb immer wieder Benefizaktion zugunsten der Orgel geben; kleine Beträge sind ebenso willkommen wie die Übernahme einer Orgelpatenschaft – Paten oder auch Spender größerer Summen erhalten eine der ausrangierten und ersetzten Orgelpfeifen als symbolisches Dankeschön und werden namentlich in einem aufwändig gestalteten „Orgelpatenbuch“ erwähnt. „Wir sind der Meinung, dass die Mitglieder unserer Gemeinde und im weiteren Sinne alle Menschen hier im Stadtteil und in dieser Region eine derartige Klangschönheit verdient haben“, sagt Pfarrerin Ellen Kiener, die das Projekt der Orgelsanierung leitet. „Für ein solches musikalisches Geschenk, das Ohren der Zuhörer in den nächsten hundert Jahren erfreut und direkt zu den Herzen spricht, ist uns jedes Engagement wert.“ Für den 9. September plant Organist Thomas Rudolph, Kreiskantor der Evangelischen Kirche in Essen, in der Alten Kirche bereits eine Orgelnacht mit Rezitationen, Gospel, Orgelmusik und einem Abendimbiss. - Fotos vom Wiederaufbau der Orgel hatte ich im Februar auf lokalkompass.de veröffentlicht.
1
Einem Mitglied gefällt das:
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.