Die Axt im Suchtwald - Ex-Nationalspieler Uli Borowka besuchte Essen

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Lothar Dohr (Fanbeauftragter bei Rot-Weiss Essen) & Uli Borowka. Zwei sympahtische Typen, die alles andere als "glattgebügelt" sind. Klasse!
 
Susanne Demmer & Uli Borowka

Es ging um Leben und Tod am Abend des 29. September 2015 an der Hafenstraße 99a.
Im Raum des Essener AWO-Fanprojektes, besser bekannt als "Melches Hütte", sprach Ex-Nationalspieler Uli Borowka über Sucht, die Abgründe des Lebens, über Liebe, Freundschaft und Hoffnung. Während er als aktiver Profifußballer eher als "Knochenbrecher" geliebt und gefürchtet war, präsentiert er sich heute offenherzig als trockener Alkoholiker und bricht Tabus auf. Dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund, sondern nutzt die "verbale Axt" zur Aufklärung und Prävention, was auch in seiner Biographie "Volle Pulle. Mein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker" nachzulesen ist.

Leistungsdruck, Unzufriedenheit, Ängste- am Ende stand die Gosse

Ohne aggressiv zu klingen, poltert der 53 jährige engagiert gegen die Zustände, die zur Sucht führen. Dabei kritisiert Borowka sowohl den DFB, als auch die DFL und die Vereine. Besorgniserregende Bilder unserer Leistungsgesellschaft macht Uli Borowka greifbar, indem er von seinem eigenen Leben erzählt: Vom Aufwachen auf einer bekotzten Matratze, vom Filmriss nach einen Vollsuff, von 11 jährigen Biertrinkern, von komasaufenden Jugendlichen und von vielen, ihm nahe stehenden Menschen, die im Elend der Sucht starben.


Otto Rehhagel verweigert eine Ausspache über Co-Abhängigkeit

In seinem Buch berichtet Borowka auch über Co-Abhängigkeit und nennt in diesem Zusammenhang seinen ehemaligen Trainer Otto Rehhagel. Dieser verweigert seitdem ein Gespräch mit ihm. Warum? Diese Frage stellten sich verwundert auch viele Zuhörer, insbesondere weil Uli Borowka nahezu schwärmerisch und lobend über seinen Ex-Trainer berichtete.

Maske runter und Klappe auf

Ehrlich und geradeaus, so war sein Fußballspiel und genauso präsentiert sich heute sein Einsatz für ein gesellschaftliches Umdenken. Früher eher selbstherrlich und selbstverliebt, ist sein Blick heute auf seine Mitmenschen gerichtet. Mehr als tausend Menschen haben sich bereits an seinen Verein "Uli Borowka Suchtprävention und Suchthilfe e.V." gewandt, egal ob mit oder ohne Adler auf der Brust.

Freundschaft, Liebe & volle (Wasser-)Pulle nach vorne

Am Ende des Abends waren sich die Besucher einig: Es hat sich gelohnt, diesem Mann zuzuhören. Trotz seiner Aussage "Ich weiß, dass ich nicht viel ändern werde", versprühte er ansteckende Hoffnung und Zuversicht. Die Verbundenheit zu Freund Christian Hofstätter, der ihm einen Platz in der Suchtklinik verschaffte, die Liebe zu seiner Frau, die er als wesentlich intelligenter als sich selbst beschreibt und das Leben, das ihm nun ohne Golduhr, Porsche und Millionen auf der Bank viel mehr Zufriedenheit gibt, all das berührte das Publikum auf eine besondere Weise.

Und wie schauts bei Rot-Weiss Essen aus?

Borowka plädiert dafür, dass in Vereinen und Betrieben mehr Psychologen oder psychosoziale Berater eingestellt werden. Über den ehemaligen RWE-Psychologen Uwe Harttgen sprach er jedoch klare, eher geringschätzige Worte. Sein Vergleich von Harttgen mit dem umstrittenen DFB-Präsident Wolfgang Niersbach lies den ein oder anderen zustimmend schmunzeln. Auch RWE-Chef Michael Welling schmunzelte.
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6 Kommentare
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Bernfried Obst aus Herne | 01.10.2015 | 15:22  
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 01.10.2015 | 16:13  
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Nico Meyer aus Essen-Süd | 03.10.2015 | 00:06  
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 04.10.2015 | 15:18  
2.710
Beate Haack aus Emmerich am Rhein | 05.10.2015 | 09:30  
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 06.10.2015 | 10:19  
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