Eine Liebe ohne Ende: Das Verdienstkreuz für die jahrelange Pflege seiner Frau erhält Helmut Anfang

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In Erinnerung an Anna Anfang: Ehemann Helmut (re.) und Enkelsohn Christian (li.).
 

Auch in schwierigen Zeiten waren sie immer füreinander da: Über zehn Jahre pflegte Helmut Anfang seine schwerkranke Frau Anna und unterstützte sie dabei seelisch wie auch körperlich mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen: Mit Hingabe, Uneigennützigkeit und grenzenloser Liebe. Für diese Tugenden erhält der 78-jährige Katernberger am 30. September von Oberbürgermeister Reinhard Paß das Bundesverdienstkreuz.

„Ich weiß nicht, wie ich es geschafft habe, aber es ging. Ich habe es aus Liebe getan“, erklärt Helmut Anfang, der sich über zehn Jahre aufopferungsvoll um seine schwerkranke Ehefrau Anna Anfang gekümmert und sie gepflegt hat.
Geboren wurde der Katernberger 1937 in Bayern, zog bereits in jungen Jahren, 1953, nach Essen, um auf der Zeche Zollverein seinen ersten Lohn als Bergarbeiter zu verdienen. Kurze Zeit später lernte er die Liebe seines Lebens, Anna, kennen. „Die ersten Jahre waren am schönsten“, offenbart Helmut Anfang wehmütig.

Selbstlosigkeit nicht selbstverständlich

Als seine Frau krank wurde, gab es nie auch nur einen Zweifel oder Bedenken daran, ihr in der schwierigen Zeit beiseite zu stehen. „Es hätte ja auch umgekehrt sein können“, meint Anfang. „Dass ich krank werde.“ Durch schwere Arthrose in den Beinen war Anna Anfang irgendwann an den Rollstuhl gefesselt. Bald versagte eine Niere, wodurch die letzten fünf Jahre eine Dialyse dreimal die Woche für vier Stunden nötig wurde. „Das hieß, um halb 5 Uhr morgens aufstehen, waschen, anziehen und fertig machen, ehe sie um 6 Uhr abgeholt wurde“, erinnert sich der ehemalige Bergmann. Unterstützung während dieser Zeit erhielt er durch seine drei Kinder, fünf Enkel und drei Urenkel. „Es war immer Bereitschaft und Unterstützung da, nicht zuletzt, weil einer meiner Enkelsöhne direkt nebenan wohnt.“
Zum 55. Hochzeitstag gab es die Überraschung eines umgebauten Autos, welches es ermöglichte, Anna Anfangs Rollstuhl in den Wagen zu heben. „Vor zwei Jahren sind wir dann nach Norddeich an die Nordsee gefahren und haben dort Urlaub gemacht. Anna hat sich unglaublich darüber gefreut. Sie wollte wieder dorthin. Es war etwas ganz besonderes für uns.“ Doch letztes Jahr im Oktober erlag Anna Anfang ihrer Krankheit.
Heutzutage ist diese Art der Selbstlosigkeit nicht mehr selbstverständlich, fand auch der Enkelsohn Christian Anfang, der um eine Ordensanregung bei der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf bat. So bekommt der Katernberger am 30. September die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland von Oberbürgermeister Reinhard Paß verliehen.
„Ich dachte immer, man erhält die Medaille für andere Taten. Ich war ganz erstaunt, als ich davon erfuhr“, erklärt Helmut Anfang erfreut. Als Überraschung geplant, wandte sich der Enkel ohne Wissen seines Opas an die Kanzlei. Das Bundesverdienstkreuz ist also nicht nur ein Symbol für die höchste Anerkennung am Gemeinwohl, sondern auch für die Wertschätzung der eigenen Familie.

Aufgeben war keine Option

Helmut Anfang hat sich in der langen Zeit der Pflege seiner Frau immer wieder gesagt: „Solange ich das tun kann, werde ich es tun.“ Aufgeben war nie eine Option – genau das rät er auch anderen, die in der gleichen Situation sind.

Text: Michelle Lahmer, Fotos: Renate Debus-Gohl
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1 Kommentar
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Ingrid Geßen aus Essen-West | 24.09.2015 | 13:15  
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