Interkulturelles Frauencafé ist Wellness für Körper und Geist

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Zubeyda Muslija, Anna Waterkotte und Pfarrerin Michaela Langenheim (v.l.) gehören zum Vorbereitungskreis des Interkulturellen Frauencafés in Altenessen. Pressefoto: Stefan Koppelmann
Essen: paul-humburg-gemeindehaus |

Seit zehn Jahren gibt es das „Interkulturelle Frauencafé“ in Altenessen: Viermal im Jahr treffen sich Frauen aus verschiedenen Religionen und Konfessionen im evangelischen Paul-Humburg-Gemeindehaus an der Hövelstraße 71, um sich mehrere Stunden lang über ein relevantes Thema auszutauschen. Vertreten sind zurzeit evangelische und katholische, griechisch-orthodoxe, muslimische und Bahá’í-Frauen; sie kommen aus dem ganzen Stadtgebiet.

Nach dem Frühstück geht es um ein besonderes Thema

Die Idee für das Interkulturelle Frauencafé entstand aus der interreligiösen Friedensarbeit heraus, die in Altenessen schon seit langem zum Profil der dortigen Kirchengemeinde gehört. „Jedes Treffen hat eine feste Struktur“, berichtet Pfarrerin Michaela Langenheim, die von Anfang an zum Organisationskreis gehörte: „Nach der Begrüßung gibt es ein Frühstücksbuffet, zu dem jede Teilnehmerin etwas beisteuert. Anschließend steht ein Thema im Mittelpunkt, über das beim jeweils letzten Frauencafé abgestimmt wurde.“ Die Auswahl der Themen sei dabei keineswegs festgelegt – „Gewaltfreie Kommunikation“ steht neben „Umgang mit Lebensmitteln“, „Feste und Feiern in unseren Kulturen und Religionen“ neben „Auswirkungen der Globalisierung“ und „Bedeutung von Zins und Zinseszins“. Auch Tanz, Bodypercussion und wohltuende Massagen standen schon auf dem Programm – das Frauencafé ist „Wellness für Körper und Seele“, meint die Katholikin Anna Waterkotte, die ebenfalls Mitglied im Vorbereitungskreis ist.

Unterstützung durch Kirchengemeinde und Bezirksvertretung

Obwohl die Besucherinnen des Frauencafés zwischen den vier jährlichen Treffen nicht regelmäßig im Kontakt zueinander stehen, sich nicht in einem Internetforum oder über einen E-Mail-Verteiler austauschen, kommen jedes Mal rund vierzig Frauen zusammen – bei manchen Themen, etwa als geflüchtete Frauen über ihre Erfahrungen berichteten, seien es sogar schon sechzig, siebzig gewesen, berichtet Pfarrerin Michaela Langenheim. Die Vorbereitung liegt immer in den Händen einer kleinen Gruppe, die sich mehrmals vor den jeweiligen Terminen trifft. Auch dem Vorbereitungskreis gehören möglichst Frauen aus allen beteiligten Religionen an – so gelingt es jedes Mal, auf religiöse oder kulturelle Besonderheiten Rücksicht zu nehmen. Wichtig auch: Parallel wird immer eine gut vorbereitete Kinderbetreuung angeboten, an der regelmäßig 25 bis 30 Mädchen und Jungen teilnehmen – einige der Mädchen sind nun erwachsen und besuchen heute selbst das Frauencafé. Dank der Unterstützung durch Bezirksvertretung und Kirchengemeinde ist der Besuch des Interkulturellen Frauencafés grundsätzlich kostenlos – auch das ist natürlich von Bedeutung.

Offenheit, Verlässlichkeit und gegenseitiges Vertrauen

Außer der richtigen Mischung von Themen, die alltägliche Bedürfnisse, aktuelle Entwicklungen und persönliche Erfahrungen verbinden, gehören der Dialog auf Augenhöhe, der Verzicht auf jeden Ansatz von Missionierung und der absolute Respekt gegenüber der jeweils anderen, manchmal unerwarteten und möglicherweise auch abweichenden Meinung zum Erfolgsrezept. „Statt auf Überheblichkeit und Besserwisserei setzen wir auf den ‚Wow-Effekt‘“, sagt die Muslima Zubeyda Muslija. Allein dadurch, dass das Interkulturelle Frauencafé die ganze Vielfalt religiöser Einstellungen und Erfahrungen abbilde und die Besucherinnen aus allen gesellschaftlichen Schichten kämen, werde ein toleranter Umgang miteinander gefördert.

Fröhliche und traurige Momente, Lachen und Weinen miteinander teilen

„Begegnungen wie in unserem Frauencafé sind auf der Straße und im Alltag selten möglich“, hat Anna Waterkotte erkannt. Die Offenheit, Verlässlichkeit und Willkommenskultur, die dieses Angebot auszeichnen, haben sich durch Mund-zu-Mund-Propaganda herumgesprochen, das Vertrauen ist gewachsen. „Wir hatten schon Frauen hier, die aus anderen Ländern nach Deutschland gekommen sind und nach dem Treffen gesagt haben, dass sie sich im Frauencafé zum ersten Mal so richtig angekommen und angenommen gefühlt haben.“ Auf dieser Grundlage können fröhliche und auch traurige Momente miteinander geteilt werden – letzteres war zuletzt der Fall, als eine gut bekannte Teilnehmerin ernsthaft erkrankte und verstarb. Gerade in diesen Situationen, wenn zum Abschluss etwa ein Segenswort gewünscht wird, macht es sich wohltuend bemerkbar, dass die Treffen in einem „geistlichen Raum“ stattfinden – das Paul-Humburg-Gemeindehaus ist eine evangelische Gottesdienststätte. „Sehr persönliche Erfahrungen und Gespräche haben uns im Laufe der vergangenen zehn Jahre miteinander verbunden. Wir haben zusammen gelacht und geweint und immer wieder neue Themen und Fragen bedacht – es ist immer eine besondere Zeit, wenn wir Frauen zusammen sind“, zieht Michaela Langenheim eine positive Bilanz. Einziger Wehrmutstropfen: Bislang ist es trotz des einen oder anderen Versuchs nicht gelungen, in einem anderen Stadtteil einen Ableger dieses Angebots ins Leben zu rufen. „Das wäre sicher das schönste und sinnvollste Geschenk zum zehnten Geburtstag“, sagt Michaela Langenheim.

Die nächsten Termine

Gefeiert wird das zehnjährige Bestehen des Interkulturellen Frauencafés am Samstag, 3. September, wie immer von 10.30 bis 14 Uhr im Paul-Humburg-Gemeindehaus an der Hövelstraße 71. Für den besonderen Anlass wurde ein Thema ausgewählt, dass den Frauen schon beim ersten Mal großen Spaß gemacht hat: „Tanzen“. Am 5. November soll es dann um „Heimat“ gehen. Neue Besucherinnen sind immer gern gesehen – der Planung halber und auch falls eine Kinderbetreuung gewünscht ist, bittet Pfarrerin Michaela Langenheim um eine telefonische Anmeldung unter 0173 2688332.
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