Lehrstellenbörse des Handwerks: Wo sind die Ausbildungswilligen?

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Ulrich Meier, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Essen, begrüßt die Besucher der Lehrstellenbörse.
 
In den einzelnen Werkstätten konnten sich unentschlossene Ausbildungswillige ein Bild von den Gewerken machen und bekamen Infos über die Ausbildung und den Beruf. Hier erklärt Dirk Furch (Ausbildungsleiter) den am Tischler-Beruf interessierten Besuchern die Funktionsweise der Säge.
Essen: Haus des Handwerks |

Die Eingangshalle des Haus des Handwerks an der Katzenbruchstraße war bereits vor Beginn der Lehrstellenbörse gut gefüllt. Zum 37. Mal fand die Veranstaltung der Kreishandwerkerschaft Essen statt.

Jugendliche und junge Erwachsene drängen sich um den Infostand, um sich einen Anmeldebogen zu holen. Ulrich Meier, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Essen, steigt ein paar Treppen empor, verschafft sich Gehör und begrüßt die Anwesenden: „Dieser Teil der Lehrstellenbörse soll der Orientierung dienen und denjenigen eine Hilfe sein, die noch unentschlossen sind.“ Meier erklärt, welche Innungsbetriebe angeschaut werden können.
Als eine der ersten macht sich die Tischlergruppe auf den Weg. Joachim Koch, Lehrlingswart der Tischler-Innung, und Ausbildungsleiter Dirk Furch führen Interessenten in die Werkstatt. Furch gibt zunächst allgemeine Informationen über den Tischlerberuf. Die Ausbildung, Zwischenprüfung und Gesellenprüfung werden thematisiert ebenso wie die Verdienstmöglichkeiten und Aufgabenfelder: „Das macht Spaß! Das macht auch mir immer noch Spaß!“, schwärmt er über seinen Traumberuf.

Jeder macht mal Fehler


Was geeignete Kandidaten brauchen, um Tischler werden zu können, erklärt Lehrlingswart Koch: „Wir erwarten von Euch ein ordentliches Arbeitsverhalten, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, und wir erwarten, dass Ihr lernwillig, teamfähig und auch kritikfähig seid. Jeder macht in der Ausbildung mal Fehler.“ Dann wechselt die Gruppe in den Raum, in dem die großen Maschinen stehen: „Angst muss man nicht haben, nur Respekt.“ Mit diesen Worten beendet Dirk Furch seinen Vortrag über die Nutzungsmöglichkeiten der Säge- und Drechselmaschinen.

Unter den 15 Jugendlichen sind auch drei Mädchen. „Früher wollte ich immer Architektin werden. Meine Lehrerin meinte, ich sollte mir das hier einmal anschauen“, erzählt eines. „Das ist mit einer Tischler-Ausbildung möglich. Das ist ein guter Einstieg“, klinkt sich der Ausbildungsleiter ein, und auch der Lehrlingswart hat für die drei anwesenden Damen eine interessante Info: „Die Männer hören jetzt mal weg, aber die Frauen machen meist die besten Prüfungen“, enthüllt er. Ähnlich wie bei den Tischlern geht es auch in den anderen Werkstätten zu, die die Ausbildungssuchenden an diesem Tag besichtigen können.

Stapel an Bewerbungen


Um 15 Uhr beginnt dann die eigentliche Lehrstellenbörse. Auch Joachim Koch ist wieder anzutreffen. Er sitzt an einem der vielen Tische, vor ihm ein Schild mit der Aufschrift „Tischler“. Kurz vor Ende der Lehrstellenbörse hat er einen ganzen Stapel Bewerbungen auf dem Tisch. Ausbildungsplätze gibt es aber nicht für alle, und leider sind auch nicht alle Bewerber für die vorhandenen Plätze geeignet. Ob diesmal die passenden Betriebe und Ausbildungswilligen dank der Lehrstellenbörse zusammenfinden, das werden die nächsten Tage und Wochen zeigen.

Doch nicht nur die Tischler haben sich sehr engagiert, um die jungen Leute für ihren Beruf zu interessieren und bestmöglich zu informieren. Vertreter der verschiedensten Innungen sind als Ansprechpartner erschienen, ferner das JobCenter und die Agentur für Arbeit anwesend.

Ergebnis entspricht nicht den Erwartungen


Zwischen den letzten Besuchern in dem sich langsam leerenden Raum läuft Ulrich Meier umher und wirkt nicht völlig zufrieden: „Um 14 Uhr war hier voll, und auch in den Werkstätten waren mehr als sonst“, resümiert Meier, doch eine Sache stößt ihm bitter auf. Von den mehr als 150 Jugendlichen, die sich um 14 Uhr angemeldet haben, sind 50 nach den Werkstattführungen nicht zur eigentlichen Börse erschienen. „Das ist für mich erschreckend! Wenn sich 150 Leute die Mühe machen, hierher zu kommen, dann bin ich sehr erstaunt, dass dann 50 einfach nicht in die Börse rein gehen.“ Im Vorfeld habe er betont, dass die Lehrstellenbörse „für beide Seiten was Positives sein soll“, doch so entspräche das Ergebnis nicht seinen Erwartungen.

Über die Gründe des Fernbleibens der 50 anderweitig Verbliebenen könne man nur mutmaßen. Eines stellt der Hauptgeschäftsführer jedoch trotzdem klar: „Wir machen weiter! Auch nächstes Jahr wird es eine Lehrstellenbörse geben!“
Eine Entscheidung, die jeder ausbildungswillige Jugendliche sicherlich nur begrüßen kann. Immerhin ist das Engagement der vielen Beteiligten nicht selbstverständlich, und trotz des Wermutstropfens hat auch die diesjährige Lehrstellenbörse für die ein oder andere Win-win-Situation gesorgt.
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