Positive (Seh-)Eindrücke: Tilo Erdmann malt "in einem Rutsch"

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Fotos: Gohl
  „Ölmalerei“ lautet der Titel einer Ausstellung des Essener Künstlers Tilo Erdmann, die derzeit in den Geschäftsräumen des CDU Kreisverbandes Essen, im Bildungspark, Blücherstraße 1, zu sehen ist.

Die Rothaarige auf dem rot gepolsterten Sofa blickt keck zur Seite. Sie trägt ein knappes Outfit, knallrote High Heels und - ein weißes Häubchen auf dem Kopf. Die Bekleidung der Koketten erinnert an eine Krankenschwestern-Montur, aber: Ist sie wirklich eine Pflegerin? Oder trägt sie lediglich eine Verkleidung? Warum sitzt sie dort? Wer ist die junge Dame? Der dunkelgraue Stoff auf dem Sofa neben ihr greift Farbe und Textur einer Madonnenstatue im Hintergrund auf. Deren zum Gebet gefalteten Hände bilden einen Kontrast zur lasziven Pose der Schönen. "Dieses Motiv hat mich fasziniert und ich fand den Bildaufabau toll", Tilo Erdmann über den Zündfunken für diese Arbeit. Sehr gerne holt sich der 69-Jährige für seine Ölbilder Inspiration aus Zeitungen oder dem Internet. "Ich male auch gerne Motive, die mich von der Farbe her herausfordern und versuche das darzustellen", erklärt Erdmann.
Menschen-Szenen findet der Künstler auch sehr reizvoll. Auf einem anderen seiner Werke ist eine Tanzszene dargestellt. "Mich hat es gereizt, den dynamischen Bewegungsablauf der Tänzer wieder zu geben", verrät Tilo Erdmann. Auf einer anderen Arbeit "lümmelt" ein Dreier-Grüppchen auf einer Couch. "Das geht auf eine Szene aus einem Theaterstück zurück, und mich hat gereizt, die Farbigkeit darzustellen," so der Heisinger.

Ausdrucksformen aus Impressionismus
und Expressionismus

Tilo Erdmann verwendet in seinen Arbeiten vorwiegend Ausdrucksformen aus dem Impressionismus und Expressionismus. Seine bevorzugte Technik ist die Ölmalerei. Mit breitem Pinselstrich gelingt ihm eine flächenmäßige Auflösung. Seine künstlerischen Vorbilder sind: die Impressionisten Max Liebermann, Lovis Corinth, Paul Cézanne sowie der Expressionist Oskar Kokoschka. Die Motive Erdmanns sind stets am Objekt orientiert, wobei sein Ziel ist, durch Vereinfachung und flächenmäßige Auflösung das Wesentliche wiederzugeben und die Themen auf das Typische zu reduzieren, ohne abstrakt zu werden. "Ich möchte dem Betrachter positive Eindrücke vermitteln", so der Künstler. Arbeiten wie die mit "Der Pott kocht" oder "Stahlarbeiter" Betitelten nehmen hingegen Bezug zur Bergarbeiter-Ära. Diese entstanden anlässlich des Kulturhauptstadtjahres. Weitere bevorzugten Motive Erdmanns sind Stilleben und Tiere.

Tilo Erdmann favorisiert die Prima-Maltechnik. Diese hat ein zügiges Fertigstellen des Bildes in einem Arbeitsgang zum Ziel. Die Farben werden hierbei direkt und deckend aufgetragen. Auf die Schichtenmalerei wird ebenso verzichtet wie auf Lasuren, Retusche, Übermalung und Korrekturen. Die auf diese Weise gefertigten Bilder wirken durch ihren spontanen Charakter und den Farbauftrag. Tilo Erdmann erläutert: "Diese Malweise kommt meiner Mentalität näher, als etwa sechs sieben Mal-Sitzungen."

In 30 Jahren künstlerisch weiter entwickelt

Zur Kunst sei der in Schleswig-Holstein Geborene gekommen, wie "die Jungfrau zum Kind", wie Erdmann augenzwinkernd bemerkt. Er kaufte bei einem Künstler Bilder und nahm prompt Malunterricht. Das ist gut 30 Jahre her. Danach nahm seine persönliche Entwicklung als Künstler einen "sehr "fruchtbaren Weg. Längst gibt der einstige Systemanalytiker und nun Freischaffende selber sein Wissen und seine Erfahrungen als Künstler an Andere weiter. Seit 2010 ist er Kursleiter für Öl-/Acrymalerei im Kunsthaus Essen.

Info:

Tilo Erdmann ist Mitglied der Künstlergruppe ’Gruppe S’. Seit dem Jahre 1980 waren seine Werke im Rahmen zahlreicher Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen. Diese Ausstellung ist bis zum 31. März 2017 zu den Bürozeiten, montags bis donnerstags, von 8 bis 16.30 Uhr und freitags von 8 bis 15.30 Uhr zu besichtigen.
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