"Rumspinnen" ausdrücklich erwünscht: Das etwas andere Kunstprojekt

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  Außergewöhnliche Stoffskulpturen begrüßten kürzlich die Eltern der Schülerinnen und Schüler der Kantschule Katernberg anlässlich einer Ausstellung im Atelier Nocke: Die Jungen und Mädchen hatten diese im Rahmen eines Kunst-Projekts gefertigt.


Dieses wiederum war eingebettet in das Projekt "Kultur im Pott", an dem die Grundschulkinder seit den Sommerferien teilnehmen. Unter Anleitung der Künstlerin Susanne Nocke erlebten die Kinder einmal pro Woche Kunst "einmal anders". Gemeinsam mit der Künstlerin gingen sie den Fragen von Kunst und Kultur auf den Grund. Außerdem lernten sie neben Ruhrpottbegriffen auch "große" Künstler, wie Friedensreich Hundertwasser kennen. Nocke: „Ich habe den Kindern Friedrich Hundertwasser vorgestellt, der nicht nur Maler, sondern auch Modeschöpfer war. Die Skulpturen, die die Kinder fertigten, sind im Bereich Modedesign angesiedelt.“

So wurde viel auseinander geschnitten, gekürzt und und und. Abschließend wurden die Objekte mit einer speziellen Tinktur getränkt, die den Stoff-Skulpturen Standfestigkeit verlieh. „Die Kinder entwickelten beim Projekt auch viel Eigeninitiative“, freut sich Susanne Nocke und fährt fort: „Ein Kind sagte, die Skulpturen bräuchten auch ein Gesicht und so haben die Kinder noch Köpfe aus Pappmaché mit Gesichtern gefertigt.“ Die kleinen Künstler erklärten ihren Eltern die Skulpturen bei der Ausstellung im Atelier der Künstlerin: „Der hat seine Klamotten selber gemacht, weil ihm die von der Stange zu langweilig waren." Nocke möchte Kindern Impulse geben. „Ich bringe sie sanft in die Richtung, wo sie anfangen ‚rum zu spinnen‘, kreativ werden und Dinge denken dürfen“ Im schulischen Kunstunterricht würden Ergebnisse bewertet und müssten ins Thema passen. Hier nicht! „Wenn ein Kind sagt, dass es eine bestimmte Idee gern verfolgen möchte, dann sage ich: Super!“, so Nocke. Und der Erfolg gibt ihr recht: Eher zurückhaltende und stille Kinder gingen aus sich heraus oder aber Schüler, die vormals eine Verweigerungstaktik an den Tag gelegte hatten, brachten sich bei dem Projekt ein. „Ein Kind mit Handicap, das vor dem Projekt nur einfarbige Bilder gemalt hat, malte anschließend mehrfarbig“, freut sich Susanne Nocke. Und die Lehrer? Diese waren „im Hintergrund“ dabei. „Sie konnten die Schüler von einer anderen Seite wahrnehmen“, so Nocke.

Bei der Ausstellung in Nockes Atelier wurde viel gestaunt und Fotos von und mit den Künstlern gemacht. "Das Funkeln in den Augen der Kids ist der Lohn für die ehrenamtlichen Aufgaben des Fördervereins 'Projekt Farbtopf' e.V.", erklärt Klaus Nocke vom Vorstand des Förderverein. Der Verein steht der Künstlerin mit Tatkraft zur Seite, um solche Ausstellungen möglich machen zu können. "Kunst verbindet. Ausstellungen mit zu organisieren bringt Wertschätzung für die Kids. Das macht sie selbstbewusst und stolz", beschreibt Klaus Nocke die Arbeit des Vereins.
Susanne Nocke erläutert: „Ich möchte Kindern, Erwachsenen und Menschen mit Handicap auf Augenhöhe Freude an bildender Kunst vermitteln.“ Die Künstlerin zum Impuls für ihr Kunstprojekt: „Als Mutter habe ich die Erfahrung gemacht, dass bildende Kunst an Schulen immer mehr 'hinten rüber fällt' und da wollte ich was tun.“ Inzwischen verfügt sie über Projektpartner, die die Fachfrau buchen. „Einmal im Jahr vergeben wir Preise an Teilnehmer, die dann im Rahmen des Zechenfestes verliehen werden“, erzählt Klaus Nocke.

Info:

Seit 2005 fördert das Kunstprojekt "Farbtopf" bei Kindern, die kaum oder wenig Zugang zu bildender Kunst haben, das Interesse an bildender Kunst sowie die künstlerische Entfaltung. Unter anderem in Kindergärten, Schulen, dem Franz Sales Haus, dem Ferienspatz auf Zollverein sowie im Atelier der Künstlerin Susanne Nocke. Der "Farbtopf" wird als Kulturprojekt der Stadt Essen durch das Kulturbüro gefördert. Infos für Interessierte, die den Förderverein mit Spenden, Manpower oder Ideen unterstützen möchten unter www.foerderverein-projekt-farbtopf.de/sowie info@foerderverein-projekt-farbtopf.de
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