Was in Bezirk VI so passiert

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Wie immer gut besucht: die Katernberg-Konferenz am vergangenen Sonntag im TripleZ. Fotos: Debus-Gohl
 
Johannes Maas (Katernberger Werbering), Siegfried Brandenburg (Schonnebecker Werbeblock), Franz B. Rempe (Werbegemeinschaft Stoppenberg), Uwe Unterseher-Herold (Geschäftsführer EBE), Margrete Meyer, Cornelia Daume (Sahle Baubetreuungsgesellschaft), Petra Leonartz, Sebastian Schwidder (PCG) und Paul Hendricksen (v.l.) sprachen über die Zukunft von Bezirk VI.

Fünf Themenfelder wurden in der 47. Katernberg-Konferenz besprochen

Die Bewohner Katernbergs interessieren sich für ihren Stadtteil. Das zeigten schon allein die vollbesetzten Stühle im großen Saal des Triple Z (ZukunftsZentrumZollverein), in dem die 47. Katernberg-Konferenz kürzlich stattfand. Was gut, besser und auch nicht so gut in den nordöstlichen Stadtteilen läuft, zeigten Mieternetzwerk, Wohnungsbaugesellschaften und Stadt.


Der erste Punkt auf der Tagesordnung ist gleich der umfangreichste. 2011 wurde mit ersten Modernisierungsmaßnahmen im Projekt „Nördliche Zollvereinstraße“ begonnen, berichtet Margarete Meyer, Amt für Stadterneuerung, 2014 wurde klar: das reicht nicht aus. Im besagten Gebiet, das durch Zollvereinstraße, Bolsterbaum, Farenbroich und Plänkerweg begrenzt ist, lebt eine durchmischte Mieterschaft. 40 Prozent der etwa 2.700 Einwohner beziehen staatliche Transferleistungen, die Nachbarn im oft von der Polizei aufgesuchten Bereich kennen sich meist untereinander nicht. Und auch die Eigentümerfrage war lange nicht eindeutig zu klären, sagt Meyer, mittlerweile wisse man jedoch, dass drei Wohnungsbaugesellschaften die Wohnungen dort gehören.

Nördliche Zollvereinstraße im Wandel

Bis 2018 läuft ein Projekt, das die Problempunkte „Modernisierungsmaßnahmen“, „Ansprechspartner“ und „Nachbarschaftsbeziehungen“ angehen wird. Ein Finanzierungsplan mit den Wohnungsbaugesellschaften und der Stadt wurden ebenso entwickelt wie Mietertreffs, Säuberungsaktionen und Nachbarschaftsfeste. Wichtig seien auch Orte für die Kinder, betont Paul Hendricksen, ISSAB. „Spielplätze müssen weiter gefördert werden“, so der Diplom-Sozialarbeiter und -pädagoge.
Was heißt das alles konkret? „Mehr Mieterbeteiligung an Entscheidungen und Lösungen bei geplanten Mietverdrängungen durch Modernisierungen“, nennt Hendricksen als Ziele für die nächsten Jahre, „und eventuell möchten wir das Projekt erweitern auf die südliche Zollvereinstraße.“

Sanierungen verdrängen langjährige Mieter

Über Mietverdrängungen kann auch Petra Leonartz einiges berichten. Die Ansprechpartnerin beim Mieternetzwerk Essen-Nord erzählt von überraschten und geschockten Bewohnern im Wersbaum und Im Westerbruch, die durch umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen ihre Mieten nicht mehr werden zahlen können. Viele Witwen würden im besagten Gebiet leben, die sich jetzt damit konfrontiert sehen, ihr Zuhause verlassen zu müssen. Eigentümer der besagten Wohnungen ist Vonovia. „Vonovia bietet einmal wöchentlich eine Sprechstunde an“, so Leonartz, „zu Arbeitnehmerzeiten, zwei Stunden lang – das reicht nicht.“ Ein Vertreter der Wohnungsbaugesellschaft war auf der Katernberg-Konferenz nicht zugegen – „traurig“, nennt das Siegfried Brandenburg vom Schonnebecker Werbeblock, der zusammen mit Franz Bernd Rempe und Johannes Maas zur Veranstaltung einlud, „das heizt natürlich die Gerüchteküche weiter an.“

Studenten kommen nach Zollverein

Kontrovers diskutiert wird der nächste Punkt auf der Agenda: die Anbindung der Folkwang Universität an den Bezirk VI. Junior Consultant Sebastian Schwidder stellt das Projekt #Zollverein vor; eine digitale Plattform, auf der die Vernetzung zwischen Studenten, Bewohnern und Uni-Mitarbeitern betrieben werden soll. In Workshops sollen die Wünsche und Erwartungen, die die Studenten an das Gebiet haben, ermittelt werden. Doch dass Studenten besondere Anforderungen an ihr Wohn- und Lernumfeld stellen, ist allgemein bekannt. Zu spät, nennt Siegfried Brandenburg die Überlegungen, die wenige Monate vor Semesterstart am 26. Oktober angestellt werden, schon lange habe man im Stadtteil auf eine Reaktion gewartet, der Probleme sei man sich seit Jahren bewusst gewesen. So ergeht sich auch das Publikum in zahlreichen Wortmeldungen, in denen das späte Reagieren gerügt wird, „wie das Ei des Kolumbus“ würden die Pläne jetzt dargestellt werden.
Mitgestalten kann man die Zukunft der Studenten und Bewohner rund um Zollverein nächste Woche. Am 4. Juli wird von 16.30 bis 18.30 Uhr im Stoppenberger Rathaus diskutiert. Wer mag, kann sich per Mail an sebastian.schwidder@pcg-projectconsult.de dazu anmelden.

Rat bei jugendlicher Radikalisierung

Im ehemaligen Bürgeramt Stoppenberg zieht eine neue Behörde ein. Das Wegweiser-Projekt richtet sich an Eltern, Lehrer oder in der Jugendarbeit Tätige, denen Jugendliche auffallen, die Zeichen einer Radikalisierung erkennen lassen. „Wir geben keinen einzigen Jugendlichen verloren“, nennt Christian Kromberg, Beigeordneter der Stadt, die Devise des Projekts. Zusammen arbeiten werde man auch direkt mit den Moscheevereinen.

Mülldeponien, Saubermachaktionen

Leidiges Thema in so vielen Stadtteilen ist auch im Bezirk VI die Sauberkeit – beziehungsweise der Müll. Johannes Maas erzählt von wilden Mülldeponien und fordert dazu auf, Müll konsequent den Behörden zu melden. „Die Erfolgsquote, den Müllableger zu erwischen und zu belangen liegt bei etwa 500 zu 1“, weiß jedoch EBE-Geschäftsführer Uwe Unterseher-Herold zu berichten. Die Beweiskette sei in den seltensten Fällen bis zum Ende nachweisbar. Doch die EBE fahren ihr Kontingent wieder hoch. An zehn Problemstandorten wird nun statt einmal dreimal wöchentlich sauber gemacht. Und auch die Bürger selbst können etwas tun. „In Altendorf gibt es eine Saubermach-Initiative, denen wir auch gerne Ausrüstung zur Verfügung stellen“, so Unterseher-Herold, „in der Regel sehen Sie (die Einwohner, Anm. d. Red.) den Müll nämlich zuerst. Wir kommen immer erst nach der Party.“
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