Zollverein: Auch nach der Schutzstellung wurde noch über Abriss diskutiert

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Von 1989 bis 1999 leitete Winfried Knierim die Bauhütte Zollverein.
Essen: Schacht XII |

Touristen, die Essen sagen, meinen oft Zollverein, und auch die Stadtspitze strotzt vor Stolz beim Gedanken ans Welterbe. Heute. Als aber 1989 die Bauhütte ihre Arbeit aufnahm, um die alten Hallen zukunftsfähig zu machen, war die damalige Stadtspitze sehr zurückhaltend.

Das bekam Winfried Knierim oft genug zu spüren, als er in jenem Jahr als Geschäftsführer der Bauhütte die Arbeit aufnahm. Selbst die Hoffnung auf einen Abriss zumindest der Kohlenwäsche war bei den Stadtoberen noch nicht aus der Welt, obwohl Schacht XII schon seit der Zechenschließung 1986 unter Denkmalschutz stand.

Mit der IBA Emscher Park war Schluss

Der heute 72-jährige Knierim hatte Erfahrungen als Projektleiter beim Bau des Essener Rathauses und als Technischer Leiter der Theater Baugesellschaftgesammelt. Dann also Zollverein. Eine Riesensache, die man oft am besten mit einem kleinen Team packen kann, das quasi bei Null anfängt.
„Wir waren nur acht Leute, und die konnte ich selber einstellen“, berichtet Knierim von 1989. Eine kleine, aber schlagkräftige Truppe, die innerhalb von nur zehn Jahren zwölf Hallen und anderes sanierte. Ein Tempo, von dem man auf dem Welterbe heute nur träumen kann, was nicht nur am Zeitgefühl eines arabischen Investors liegen dürfte.
Auch die Ausstellung „Sonne, Mond und Sterne“ auf der Kokerei im Jahre 1999 entstand noch mit der Bauhütte, doch in dem Jahr und mit Ende der Internationalen Bauausstellung Emscher Park stellte sie ihre Arbeit ein. Heute bedauert das so mancher. Auch Winfried Knierim sagt: „Wenn die Bauhütte fünf Jahre länger bestanden hätte, wären wir jetzt erheblich weiter.“
Er selbst ist nur noch selten auf dem Welterbe zu finden,„vielleicht einmal im Jahr“. Es sei wichtig, Abstand zu gewinnen. Dabei will er gar nicht pauschal kritisieren, was seine Nachfolger taten und tun: „Das muss nicht schlechter sein.“

Lob für Zechenfest und Bergmannsführung

Bedenken hat er allerdings, was die Nutzung der Hallen betrifft. Es sei wichtig, erst einen Nutzer zu haben und dann die Halle in Absprache mit ihm zu sanieren.
Dennoch seien viele Nutzer von damals nicht mehr da. Knierim sieht ein Problem in den hohen Nebenkosten, die sich Private kaum leisten könnten. Auf Zollverein würden auch Kosten für Parkplatzbeleuchtung etc. auf die Mieter umgelegt.
Was ihn freut, ist die um so vieles verbesserte Verbindung zu den umliegenden Stadtteilen und die Akzeptanz, die das Welterbe in der Bevölkerung erfahre. Zechenfest und Führungen durch ehemalige Bergleute und Koker hätten viel dazu beigetragen.
Winfried Knierim ist heute freiberuflich tätig und das auch noch in Bezug auf Zollverein, was bei ihm zu Hause sogar ein ganzes Aktenregal füllt. Aber das ist eine andere Geschichte.

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Helmut Zabel aus Herne | 24.11.2013 | 00:51  
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