Ein ganz unerwünschter Regen: In Frillendorf fällt Bienenkot

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Monika und Matthias Molling haben sich angewöhnt, Strandkorb und Gartenmöbel abzudecken, weil sich die Bienenkotflecken kaum entfernen lassen. Draußen Wäsche aufzuhängen sei derzeit unmöglich.
Essen: bielenhöhe | „Ich weiß, es hört sich bescheuert an“, sagt Matthias Molling, wenn er von einem Problem berichtet, über das Anwohner der Bielenhöhe in Frillendorf seit Wochen klagen. Autos, Gartenmöbel und andere Außenflächen weisen zahllose kleine und etwas größere Flecken auf - dicht an dicht. Es handelt sich um Bienenkot.

Die Vermutung der im wahrsten Sinne Betroffenen ging allerdings erst in eine andere Richtung. Sie befürchteten Umweltverschmutzung durch eine Firma in ihrer Nähe. Das Umweltamt der Stadt Essen, an das Molling sich wandte, wusste es besser: Bienenexkremente.

Problem auch vor einigen Jahren

Die Experten hatten die Lösung auch deshalb schnell gefunden, weil es schon 2010/11 Beschwerden aus dem Stadtteil gab. Damals meldeten sich Anwohner der nicht weit entfernten Elisenstraße. Eine Untersuchung, welche die zuständige Landesanstalt LANUV im Auftrag der städtischen Behörde durchführte, identifizierte die „Sprenkel“ als Bienenkot. Die jetzt auftretenden Flecken seien identisch, erfuhr Matthias Molling.
Wären es nur einige Flecken hier und da, würde sich in Frillendorf wohl niemand aufregen. Doch Molling berichtet: „Die Verhältnisse sind untragbar geworden. Wir können bei diesem Wetter nicht draußen sitzen.“ Bei schönem Wetter nämlich sind entsprechend viele Bienen unterwegs. Balkone, Terrassen, Möbel und Autos würden dann mit Hinterlassenschaften der Insekten übersät.
Die Anwohner der Bielenhöhe berichten, dass in einer nicht weit entfernten Kleingartenanlage Bienen gehalten würden. Von mittlerweile mehr als einem Dutzend Stöcken spricht Molling. Bei über 10.000 Tieren pro Stock falle da einiges vom Himmel.

Wer haftet für Schäden?

Matthias Molling betont, in 25 Jahren habe er das in Frillendorf in diesem Ausmaß noch nicht erlebt. Abfinden mag er sich damit nicht und äußert Zweifel, ob die Haltung so vieler Honigbienen in einer Kleingartenanlage zulässig sei. Er hat deswegen den Stadtverband Essen der Kleingärtnervereine eV angeschrieben.
Dessen Vorsitzender Heinz Schuster protestiert in seiner Antwort zunächst einmal dagegen, dass „in die Organisation eines Nachbarn (hier Kleingartenverein)“ eingegriffen werde. Dann allerdings erklärt er, der Verband habe Mollings Wunsch überprüft und Maßnahmen ergriffen.
Matthias Molling hofft, dass diese Maßnahmen weitere Schäden verhindern, sonst so überlegt er - müsse man doch noch die Haftungsfrage stellen.
Bis weit in den Herbst hinein ist jedenfalls mit weiterem Bienenkot zu rechnen. Die Bielenhöhe bleibt vorerst Bienenhöhe.

HINTERGRUND:
Wer über Bienenkot recherchiert, findet meist Hinweise auf den Reinigungsflug, den die Tiere nach dem Winter im Stock in den ersten warmen Tagen machen. Dann fällt viel Kot, aber vor allem in nächster Umgebung des Stocks.

Doch Bienen koten auch während des Sommers im Flug, der Stock wird sauber gehalten. Warum die Tiere manchmal so viel ausscheiden, ist offenbar auch unter Fachleuten unklar. Stress wird als eine Ursache genannt, Krankheit als andere.

Belästigungen durch Kotflecken werden immer wieder gemeldet, so kürzlich in Mülheim (www.lokalkompass.de/331001). In Offenbach wiesen Wissenschaftler im Sommer 2012 nach, dass Flecken auf Autos durch Bienenkot entstanden.
In beiden Fällen waren zunächst Flugzeuge im Verdacht.

Fotos: Gohl
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