Auf Umwegen: Wegen fehlender Zustimmung gibt's nur angepasstes System für Karnaper Drainage

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Sobald das komplexe Drainage-System installiert ist, wird das gesamte überschüssige Grundwasser hierher abgeleitet. Archivfoto: Müller

Hausbesuche, Info-Mobile, Bürgerversammlungen: Bezirkspolitik und Stadtwerke Essen ließen nichts unversucht, um die Zustimmung von 101 Karnapern für ein komplexes Drainagesystem unterm Stadtteil zu erhalten, das Anwohnern trockene Keller versprach. Vergebens: Nur knapp 60 % unterzeichneten, damit müssen Stadtwerke und Emschergenossenschaft auf ein angepasstes System ausweichen. Der neue Plan ist kostspieliger, kann dafür aber nicht alle betroffenen Bereiche abdecken.

Seit Mitte der 90er-Jahre leiden Karnaper Anwohner unter nassen Kellern, Abhilfe soll ein Drainage-Systeme schaffen. Vom Pumpwerk am Waldemay bis hin zur Batenbrocker Straße und zur Lohwiese wird sich auf 4,1 Kilometern das komplexe System von Stadtwerken und Emschergenossenschaft erstrecken. Die Konstruktion verspricht den Karnaper Anwohnern künftig trockenen Grund. Zur Durchführung des Projekts musste jeder der 101 vom Bau betroffenen Eigentümer einem Gestattungsvertrag zustimmen, unterschrieben hat aber lediglich knapp die Hälfte. Das größte Dilemma dabei: Den Vertrag unterzeichnen mussten eigentlich nur diejenigen, die selbst nicht unter der Wasserproblematik leiden. Mithilfe verschiedener Informationsveranstaltungen versuchten die Verantwortlichen im September 2014, die Anwohner für das Projekt zu sensibilisieren – ohne Erfolg.

Weiterhin nasse Keller?

Deshalb haben die Stadtwerke seitdem ein angepasstes System ausgearbeitet, das in der Sitzung der Bezirksvertretung V vom 28. April vorgestellt wurde. Knackpunkt ist, dass als Folge der fehlenden Gestattungen Abweichungen von der ursprünglichen, optimierten Fassung entstehen. Besonders im Westen Karnaps werden Verschiebungen der Trassen und eine Verringerung der Grabenbreite erfolgen, zugleich greifen die Stadtwerke auf alternative Bauverfahren zurück. An den entsprechenden Stellen muss in Vortrieben gearbeitet werden, speziell für diesen Zweck gefertigte Filterrohre mit höheren Unterhaltskosten ersetzen die normalen.
Sogar ganz entfallen wird die Drainage in kleinen Teilen In der Vogelwiese, am Lünschermannborn und Lippermannsweg. Trotz dieser Anpassungen soll die Funktionalität mit kleinen Abstrichen erhalten bleiben. Eine Verbesserung wird zwar für alle Betroffenen erzielt, einige Teilbereiche sind aber auch in Zukunft dem Grundwasser ausgesetzt, so dass sich die Gefahr des nassen Kellers zumindest bei extremer Witterung nicht ausschließen lässt, erklärt Dirk Pomplun, Sprecher der Stadtwerke Essen: „Es werden einzelne Häuser sein, und zwar in den Bereichen, wo wir nicht optimal bauen können.“

Es kommt!

Deutlich gestiegen sind im Laufe der langen Projektplanung die Kosten. Für das optimierte System sollten im Juni 2012 rund 5,9 Mio. Euro netto verwendet werden, Mitte 2013 bereits knapp 7,6 Mio. netto. Die angepasste Drainage hingegen veranschlagt circa 8,03 Mio. netto Euro, also rund 400.000 mehr. Wie zu Anfang des Projekts vereinbart, übernehmen RAG Montan 50 Prozent der Summe, während die andere Hälfte von der Entwässerung Essen GmbH getragen wird. Durch die Filterrohre könnten aber spätestens in 20 Jahren weitere Kosten anfallen, dann müssen die Alternativsysteme erneuert werden. Ob die bisherige Aufteilung auch bei diesen Renovierungen bestehen bleibt, wird erörtet.
Ein definitives Zeitfenster für Beginn und Fertigstellung der Baumaßnahmen gibt es noch nicht verrät Pomplun: „Ich denke, dass wir vor nächstem Jahr nicht anfangen werden“, vermutet der Stadtwerke-Sprecher. „Sobald der Plan durch alle Gremien gegangen ist, ist es verpflichtend, dass wir eine europaweite Ausschreibung gehen.“ Bis das Projekt dort abgesegnet wird, können einige Monate vergehen. Aber: „Es kommt!“
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