Ausnahme für Altenessen - Vermarktung am Bahnhof beginnt

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Freuen sich über den Start der Ausschreibung: die Bezirksvertreter Dieter Stodiek (FEN), Martin Schlauch (SPD), Michael Schwamborn, Friedel Frentrop (EBB), Beziksbürgermeister Hans-Willi Zwiehoff, Christoph Andrzejewski vom Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagment sowie Theo Jansen, Vorsitzender der SPD in Altenessen. Foto: Stadt
Bewegung am Areal rund um den Bahnhof Altenessen: Bürger, Künstler und Stadtteilprojekt etablieren entlang der Altenessener Straße eine Kulturszene, Eigentümer denken über eine Aufwertung ihrer Immobilien nach. Nach Jahren des Stillstandes tut sich auch städtbaulich etwas. Die Ausschreibung für den Schweinemarkt, der aus Image-Gründen seinen historischen Namen ablegen muss und als Altenessen-Süd Karree vermarktet wird, beginnt an diesem Wochenende.

Über angebliches Interesse berichteten wir an dieser Stelle immer wieder, nun scheinen die Bekundungen so konkrekt, dass die Stadterneuerung den nächsten Schritt wagt. Vor allem Lebensmittelhandel (sowohl Vollsortimenter als auch Discounter) sind im Gespräch.

Dafür rückt die Stadt von der Schärfe des bestehenden Bebauungsplan ab. Der verhinderte bisher die Ansiedlung eines großflächigen Einzelhandels an diesem Knotenpunkt - Stichwort „Masterplan Einzelhandel“. Dessen Auslegung hatte bereits einige Pläne schnell in der Schublade verschwinden lassen (u.a. Kaufland). Doch nun sind „Planungsalternativen“ zulässig.

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Die im Bebauungsplan vorgesehene Blockbebauung und ein Masterplan verhinderten, dass sich großflächiger Handel im Stile von Kaufland und Co. auf dem Areal zwischen Altenessener und Lierfeldstraße niederlassen konnte. Interessierte Investoren genießen ab sofort mehr Freiheiten. Keine Narrenfreiheiten zwar, aber stellt man die städtischen Positionen von früher und heute nebeneinander - dann fallen sie kurz vor Beginn der Ausschreibung vergleichsweise freizügig aus.

Das heißt nicht, dass sich Anwohner nun Sorgen machen müssten. „Sex-Shops, Sex-Kinos, Peepshows. Stripteaseshows, Eroscenter sowie Dirnenunterkünfte“ gehören laut Exposé zu den unzulässigen Nutzungen. Dem Standort nicht angemessen - und deshalb vom Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement ebenfalls ausgeschlossen - sind Vergnügungsstätten, Spielhallen, Kirchen und baulich eigenständige Sportanlagen, Tankstelle und Altenpflegeeinrichtungen. „Wir haben besonders weit vorgedacht“, betont Christoph Andrzejewski, Leiter der Stadterneuerung Nord/Ost, im Beisein der Lokalpolitik - die besonders erfreut darüber ist, dass endlich Bewegung auf die Brachfläche kommt.

Grundstück kostet über 3,3 Millionen Euro

„Damit müssen wir uns keine Sorgen mehr machen“, betont Hans-Willi Zwiehoff stellvertretend für alle Anwesenden. Doch der Bezirksbürgermeister trauert auch manch einer verpassten Chance nach: „Viele Nutzungen haben sich zerschlagen...“
Diesmal soll keine Trauerarbeit auf den Stadtteil zukommen. Für die Ausschreibung lockert die Stadt nun die Zügel. Der Masterplan Einzelhandel, der die Geschäftswelt in Ortszentren schützen soll, wird zwar nicht außer Kraft gesetzt. Einzelhandel ist grundsätzlich nur unterhalb der Großflächigkeit erlaubt (unter 800 Quadratmeter). „Ausnahmsweise kann jedoch [...] ein Vollsortimenter, bei standortgerechter Dimensionierung, zugelassen werden.“ Da wären dann 2.000 Quadratmeter möglich.

Ein notwendiges Zugeständnis, wenn man die Riege der nachgesagten Interessenten betrachtet? Tatsächlich lassen die Vorgaben ein „abgerundetes Nahversorgungsangebot im D-Zentrum Bahnhof Altenessen“ zu. 3.500 Quadratmeter der bis zu 15.250 Quadratmeter großen Fläche können dem Handel zugeführt werden. Möglich wären also ein Vollsortimenter mit maximal 2.000 Quadratmetern und ein Discounter unter 800 Quadratmetern sowie ein Drogerie- oder ein Textil- oder ein Getränkemarkt.

Für die „exponierte Fläche“ wünscht sich Andrzejewski einen „gesunden Mix“ aus Handel, Dienstleistung und Wohnen. Die Ansprüche sind hoch, schließlich nehme das Gebiet am Bahnhof die Funktion eines Eingangstores nach Altenessen ein. „Entscheidend ist das Konzept, und nicht das Maximalangebot“, betont der Stadtplaner.

Der Verkaufswert des Grundstückes beträgt mehr als 3,3 Millionen Euro, wobei die Stadt mit rund 300.000 Euro entgegenkommt – so viel kostet die Abtragung des alten Bahndammes.

Bis Mitte September dürfen Interessenten ihr Angebot vorlegen. Wie schnell Leben einkehrt, hängt von den Konzepten ab. Strebt der Investor eine Bebauung nach gültigem Plan an, könnten die ersten Bagger noch in diesem Jahr anrollen.
Christoph Andrzejewski lässt jedoch durchblicken, dass die Ausschreibung wohl Alternativen zu Tage fördern wird. In diesem Fall wäre das Planungsrecht zu ändern, was bürokratischen Vorlauf notwendig macht.

Zu potenziellen Bietern schweigt sich Christoph Andrzejewski natürlich aus, wohl wissend, dass zumindest die Auswahl an Vollsortimentern begrenzt ist.
Kein Thema mehr ist die Verlegung der Polizeiwache am Malinckrodt­platz nach Altenessen-Süd.
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 24.04.2017 | 12:57  
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