Autobahn A52? "Nein, heute nicht mehr", sagt einer, der umgedacht hat

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Daumen runter für dieses Tor zu Altenessen, das ist Gerd-Peter Wolfs Kommentar zur Kreuzung Gladbecker-/Vogelheimer Straße in ihrem östlichen Bereich. Er will weg von der Autobahndurchstreckung, hin zu mehr Verkehrsfluss auf andere Weise.
  Eine unendliche Geschichte im Essener Norden ist die Durchstreckung der Autobahn A52 bzw. die Nicht-Durchstreckung. Und einer, der sich in Bezug darauf, vom - pardon - Saulus zum Paulus gewandelt hat, ist Gerd-Peter Wolf.

Ein „glühender Befürworter“ der Autobahn durch den Norden sei er gewesen, und das jahrzehntelang, sagt der frühere Landtagsabgeordnete der SPD. Heute unterstützt er seinen Parteifreund, den Landesverkehrsminister Michael Groschek, der die Planung nicht weiter verfolgen will.
Und dabei hat er doch eine langjährige Beziehung zur A52. Die erste Wohnung der Eheleute Wolf lag an der Inselstraße, und bei der Anmietung gab es den Hinweis der nahebei geplanten Autobahntrasse - mit dem Zusatz: „Bis die mal gebaut wird, sind Ihre Kinder im Kindergarten.“
Die Tochter ist inzwischen erwachsen, die Autobahn ferner denn je. Und warum hat ihr Befürworter umgedacht? Wolf: „Wir haben viel zu lange geträumt, dass mit der A 52 die gravierenden Probleme des Nord-Süd-Durchgangsverkehrs gelöst wären. Und darüber machbare Lösungen aus den Augen verloren.“
Die Probleme vor allem in Altenessen-Süd müssten gelöst werden, damit nicht noch mehr Anwohner eine Abstimmung mit den Füßen vornähmen, sprich: fortziehen wegen „Lärm, Mief und Dreck“. Die Lösung sieht er aber nicht in einer Autobahn, die realistisch betrachtet in 20 Jahren fertig sein könnte: „Darauf kann der Stadtteil nicht warten. Es ist ein Albtraum, was täglich passiert.“ Davon abgesehen mache der Bevölkerungsrückgang es fraglich, ob die A52 in 20 Jahren überhaupt noch benötigt werde.

"Bürger dürfen Politiker und Planer nicht allein lassen"

Dem Altenessener geht es um baldige Verbesserung - anfangen mit kleinen Schritten zum großen Ziel: „Wir müssen neu denken, so wie damals, als die Zechen starben.“ Das Festhalten an parteipolitischen Linien sei nur hinderlich, ist er überzeugt: „Die Bürger dürfen die Politiker und Planer nicht allein lassen.“ Ein gutes Forum sieht Gerd-Peter Wolf in der Altenessen-Konferenz. Dort können Vorschläge erörtert und Initiativen ergriffen werden.
Im Zentrum der Planung müsse die B224 stehen. Wolf erläutert, wo Mehrfamilienhäuser an der Gladbecker Straße so gut wie leer stünden, weil nicht mehr vermietbar. Wer kann, zieht weg. Was aber tun mit einer Kombination aus Durchgangsstraße und Wohnvierteln?
Für besseren Verkehrsfluss will er mit der Aufweitung von Kreuzungen. Als Beispiel nennt er den Problempunkt, wo der Berthold-Beitz-Boulevard auf die B224 mündet. Dort ist es heute noch so wie zu Zeiten der Bamlerstraße. Ein Knackpunkt weiter nördlich ist das Rechtsabbiegen in die Vogelheimer Straße. Dazwischen staut es sich, und mancher sucht den Schleichweg durch Wohnstraßen.
Mit der Aufweitung von Kreuzungen verbindet Wolf städtebauliche Verbesserung: „Als Tor zu Altenessen ist das doch eine Katastrophe“, sagt er über den östlichen Bereich Vogelheimer-/Gladbecker Straße. Dort etwa gehe es nicht ohne Abriss: „Mutige Schnitte durchführen und Gewachsenes erhalten.“

Gewerbeimmobilien als Schutz für Wohngebiet

Es gehe nicht um Schönheitsoperation, sondern um lebensverbessernde Maßnahmen. Von den Wirtschaftsförderern erhofft er sich Koordination zwischen Hauseigentümern und Gewerbetreibenden, um Gewerbegebiete zu entwickeln, die Wohngebiete abschirmen. Gebäuderiegel als Lärmschutzwände - was gerade in Kettwig an der Ringstraße (Projekt „Seepromenade“) umgesetzt wird, könnte an B224 klappen: Abriss alter, teils leer stehender Mehrfamilienhäuser, Errichtung von Gewerbeimmobilien, dadurch Schutz und Aufwertung der Wohnbereiche. Zu neuer Versiegelung soll das nicht führen. Wolf: „Es geht auch um Verbesserung der Luftzirkulation in den Straßenschluchten.“
Dass es schwierig ist, Einzeleigentümer zu koordinieren, ist ihm klar: „Aber denen ist ja auch bewusst, dass keine Perspektive da ist, wenn man alles so belässt.“ Der Teufelskreis sei das Nichtstun.
Mit den Wohnvierteln sei alles OK, hätten er und seine Mitstreiter damals gedacht, als sie sich um Zechen und die Trassenplanung der A52 kümmerten, bedauert Wolf. Inzwischen habe man viel erreicht. Wenn man sich nur eher um so manches Wohnviertel gekümmert hätte... Optimistisch ist er dennoch: Gerade Altendorf zeige, „was mit bürgerschaftlichem, Partei­grenzen überwindendem Engagement möglich ist!“

Fotos: Gohl
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2 Kommentare
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Joachim Drell aus Essen-Nord | 25.11.2013 | 10:54  
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 25.11.2013 | 15:21  
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