Der große Schwindel – Wie ehrlich sind die Pläne zur Gladbecker Straße?

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Die Gladbecker Straße im Feierabendverkehr. Ob hier eine 3-1-Wechselspurtaktik wirklich zu Verbesserungen führen kann, wird von vielen Kennern angezweifelt.
 
Feinstaub, Stickstoffdioxid und Lärm macht die Menschen an der Gladbecker Straße krank. Wo bleibt die Fürsorgepflicht für die Gesunderhaltung der Bürger?
 
Die marode Gladbecker Straße. Alte Rohre, Schlaglöcher und geflickter Asphalt. Im Essener Süden sieht das anders aus.

Bezüglich der Gladbecker Straße wird geprüft und geplant und geprüft und geplant und geplant und geprüft. Vor lauter Prüfaufträgen und Planungen wird dem Bürger schon ganz schwindelig.
Während im Europaparlament gestern neue Richtlinien zur Reduzierung von Schadstoffen beschlossen wurden, sieht es in Essen so aus, als würde der Traum einer 365-Tage-Motor-Show in vielen Köpfen seelenruhig weiter geträumt.

Mal taucht ein sechsspuriger Ausbau in den Medien auf, dann ein 3-1-Wechselspur-Tango, dazu erscheint am visionären Horizont ein Wochenmarkt an der Kreuzung Bäuminghausstraße und darüber hinaus führt man nonchalant den Abriss von Privateigentum ins Feld, wobei der Eigentümer aber vorab bitte noch einen neuen Fassadenanstrich vornehmen soll.

Zähfließender Laberverkehr

Derjenige, der hier täglich giftiges Reizgas einatmen muss, sieht das so: Lauter nette Leute machen lauter nette Pläne und lauter nette Planer verplanen eine Menge Zeit für öffentlichkeitswirksame Rahmenhandlungen, die vor lauter Widersprüchlichkeiten nur so strotzen. Oder anders gesagt: Man trifft sich in reizgasarmer und feinstaubfreier Umgebung und lamentiert bis sich die Pläne stauen.

Ja, es muss über diese Straße geredet werden, aber bitteschön ehrlich. Seit Jahrzehnten hat man die wachsenden Probleme lediglich kurz angesprochen, um sie dann wieder zu ignorieren. Ist das jetzt anders? Nein! Auch heute versteckt man sich hinter geduldigem Papier und schreckt selbst davor nicht zurück, einen Rahmenplan vorzulegen, bei dem Experten sich mit dem größten Problem, nämlich dem Verkehr, erst gar nicht beschäftigen sollten. Das erledigen dann andere Experten. Heraus kommt dann folgendes: Die eine Hand will durch Abriss und Neubau von Häusern den Umweltgiften einen größeren Ausbreitungsraum schaffen, die andere Hand findet Gefallen an einem sechsspurigen Ausbau und würde so den dann neugebauten Häusern wieder auf die Pelle rücken.
Hand aufs Herz, wer soll da noch durchsteigen, wer hier was ernst meint?

Der nervige Bürger & das unkonkrete Planwerk

Und was passiert, wenn man hinterfragt und kritisiert? Dann wird einem vorgeworfen, man sei zu blöde, um Verwaltungsvorgänge zu verstehen. Es werde ja schließlich nur geprüft. Auf den Prüfstand gehört zuallererst das Wirrwarr, das von städtischer Seite vermittelt wird. Es legt nämlich die Vermutung nahe, dass hier naheliegende Lösungen in den Mühlen der mannigfachen Prüfungen zerrieben werden sollen. Einem „Rahmenplan Gladbecker Straße“, der den Verkehr ignoriert, hätte man diesen Namen nie geben dürfen. Ehrlicher wäre ein Name wie „Visionen & Fantasien für ein Viertel“ gewesen. Dann hätte der Bürger gewusst, dass es sich hier lediglich um einen „Aufschlag“ handelt, dem nun eine zeitintensive bunte Mitmachaktion folgen soll. Alles völlig unverbindlich.

Wer braucht hier eigentlich noch Visionen?

Ist der Bürger nun zu ungerecht, weil er die untereinander nicht abgestimmte Betriebsamkeit der zahlreichen Planungs-Akteure nicht schätzt? Nein. Der Bürger weiß genau, dass es Gedankenspiele braucht, um gute Lösungen zu finden. Davon gab es in puncto dieser Straße jedoch längst mehr als genug und der Bürger hat gelernt, zwischen ernst gemeinten Ansätzen und verzögerungstaktischen Parolen zu unterscheiden. Die nicht endende Visionen-Schmiede hat er satt und will endlich spüren, dass die Stadt Verantwortung übernimmt und die Verpflichtung zur Gesundheitsvorsorge ihrer Bürger ernst nimmt. Und das heißt unter anderem ganz deutlich: Sofortige Reduzierung des giftigen Reizgases NO2, das die Sterblichkeitsrate nach oben schnellen lässt und Schwindel auslöst.



Das Ende der Geduld

Lange hat der Bürger zusehen müssen, wie „seine“ Straße verkommt, während auf gleicher Bundesstraße im Essener Süden ein Flüsterasphalt aufgetragen wurde und zahlreiches „Straßenbegleitgrün“ den Süden hübsch anmuten lässt.. Er hat zugehört, als sein Großvater ihm erzählte dass ein Abriss der Häuser bereits seit Jahrzehnten von der Stadt nicht ernsthaft verfolgt wurde. Er hat die Ohren ängstlich gespitzt, als die Folgen von Lärm-, Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastung endlich öffentlich wurden. Er hat fassungslos zur Kenntnis genommen, dass verbessernde Maßnahmen kurz vor der Umsetzung wieder in der Schublade verschwanden, wie jüngst der Umbau der Stau verursachenden Kreuzung am Berthold-Beitz-Boulevard.


Gefahr im Verzug - merkt das eigentlich jemand?

Der Bürger hat lange genug einen langen Atem bewiesen. Heute spürt er Atemzug um Atemzug die krankmachende und todbringende Gefahr. Da hilft ihm kein noch so hübsches Kitschbildchen von einem Wochenmarkt auf einer Bundesstraße in ganz, ganz ferner Zukunft oder das hilflose Geplänkel über die Einbindung der Hausbesitzer und Anwohner, um mehr Grünflächen zu schaffen. Das sind alles schöne und umsetzungswürdige Ansätze, die jedoch der dringlichen Bekämpfung der Problemursachen in keinster Weise gerecht werden.

Das Schweigen der Lobby-Lämmer

Ernst zu nehmende Ansätze zur Reduzierung des Verkehrs und der Gifte sind seitens der Stadtverwaltung bedauerlicherweise Mangelwaren. Man spricht Fahrverbote, Tempolimits, mobile Blitzanlagen, Busspuren oder Radwege erst gar nicht an. Stattdessen hebt man im Stillen ein LKW-Fahrverbot auf und stimmt im Chor das betäubende Lied von der „Wichtigkeit der Wirtschaftsbelange“ an. Das wird nicht mehr lange gut gehen. Die Zeit wird knapp. Die gute Luft ist es schon.

So rauschen täglich weiterhin 50.000 Fahrzeuge am Bürger vorbei und verursachen Schwindel. Bleibt zu hoffen, dass der Bürger unter diesen Umständen nicht in die falsche Richtung (um)kippt.

Wenn nicht in Kürze die Planungen und Prüfungen zu einer spürbaren Verbesserung führen, könnte für manchen Politiker das nächste Wahlergebnis in schwindelerregende Tiefen fallen und er plumpst auf den harten Boden der Realität im Grünen Hauptstadtjahr 2017.


PS: Es wurde In Aussicht gestellt, dass die mögliche Umsetzung des 3-1-Wechselspuren-Modells bereits im Jahr 2017 beginnen könnte. Noch 37 Tage bis Jahresende, dann ist 2017. Bin mal gespannt, wann es eine Verlautbarung zum Thema gibt...
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11 Kommentare
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 24.11.2016 | 10:14  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 24.11.2016 | 11:11  
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 24.11.2016 | 13:52  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 24.11.2016 | 15:31  
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 25.11.2016 | 12:15  
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Dieter Böhm aus Essen-Nord | 25.11.2016 | 18:53  
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 29.11.2016 | 08:47  
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Dieter Böhm aus Essen-Nord | 29.11.2016 | 17:38  
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 29.11.2016 | 18:32  
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