Essen steht bei Firmen weiterhin im hohem Kurs

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Die Grundstücksbörse Ruhr e. V. stellte ihren aktuellen Marktbericht vor: v.l. Andreas Völker, Marc Wierig, Corinna Spiess, Heinz-Jürgen Hacks, Rainer Post, Carsten Frick (Photo: IHK)

Am Dienstagmittag lud die Immopro.meo, die Expertengruppe der Grundstücksbörse Ruhr, zur Vorstellung des Gewerbemietspiegels 2015. Während die Preise weitestgehend stabil blieben, monierte der Zusammenschluss der Immobilienspezialisten den Mangel an Flächen und Objekten für Industrie und Wirtschaft.

„Wir sind fast ausverkauft“ Corinna Spiess, die Vorstandsvorsitzende der Immopro.meo kann sich über den Essener Immobilienboom nicht so recht freuen. Sie und ihre Kollegen unterstrichen am Dienstag mit ihrem Marktbericht die Attraktivität des Industriestandortes Essen. Der scheint jedoch so beliebt zu sein, dass Makler Schwierigkeiten hätten, überhaupt entwickelbare Industrieflächen und -Objekte zu finden.

Essen als Alternative zu Düsseldorf und Köln

Der im Vergleich zu Düsseldorf, Köln und Dortmund immer noch geringe Gewerbesteuerhebesatz von 480 Prozent zieht Handel und Industrie in diese Stadt, nur um dann von Spiess und ihren Kollegen, in Ermangelung vom Angebot, enttäuscht zu werden. Die Nachfrage sei so hoch, dass sogar Altbauhallen wieder einen Markt finden würden. In der Konsequenz sind die Preise für Industrieobjekte im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen.

Kleine Verkaufsflächen in der City stehen teilweise ein Jahr leer

Probleme sieht die Immopro.meo auch in der Vermittlung kleiner Ladenlokal um 50m² im Innenstadtbereich. Häufig sind die kleinen Flächen nur für eine gastronomische Nutzung interessant, die Nachfrage aber gesättigt. Wenn es dann doch Bezugswillige geben würde, scheitere es oft an dem Pflegezustand der Immobilie, berichtete Rainer Post, der die Vermieter mahnte: „Entscheidend für eine Vermietbarkeit ist der Renovierungsstand.“

„Triple-A“-Lagen beliebt

Deutlich reizvoller seien größere Nutzflächen. Beispiele hierfür wären laut Makler Post die Anmietungen größerer Filialisten, wie die des Mode-Anbieters „Reserved“. Das polnische Unternehmen bezieht seit April auf der Kettwiger Straße eine Fläche von 2.000m². Ein deutliches Zeichen nicht nur für die Einkaufsstadt Essen, sondern auch für die Fußgängerzone dieser Stadt, so Post.

Büromieten stabil

Bei guter Nachfrage sind die Mieten für Büroflächen in Essen überwiegend stabil geblieben. Man konnte das große Brandschutzunternehmen Minimax an der Econova-Allee ansiedeln. Eine zeitgemäße technische Ausstattung und Parkplatzkapazitäten würden auch hier bei der Vermietbarkeit entscheidend seien, leider würden viele Vermieter die damit verbundenen Investitionen scheuen. Ein Umstand, den die Fachleute von der Grundstücksbörse in beinahe jedem Bereich feststellten. Gravierende Engpässe wie bei den Industrie- und Gewerbeobjekten seien zwar noch nicht zu erkennen, doch auch das Kontingent an Büroimmobilien sei begrenzt. Rainer Post und seine Mitstreiter hoffen auf die Erschließung und Entwicklung neuer Flächen.

Preise von Eigentumswohnungen steigen im Quartal um 1 %

Wer ein Eigenheim in Essen plant, muss künftig tiefer in die Tasche greifen. Eigentumswohnungen werden immer populärer und dementsprechend verhalten sich die abgefragten Preise. Wer beispielsweise eine eigene Wohnung in Bredeney wünscht, sieht sich mit einem Preisanstieg von satten sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr konfrontiert. Im Mittel kostet der Quadratmeter in Essens bevorzugter Lage 2.435 Euro (2015: 2.287 Euro/m²).

Große Nachfrage nach Einfamilienhäusern

Das vielzitierte Nord-Süd-Gefälle dieser Stadt schlägt sich auch im Häusermarkt nieder: Während Eigenheime im Essener Süden deutlich höhere Kaufpreise erzielen konnten, ist die Situation im Norden verhaltener. Im Vergleich zu der Preisentwicklung in Bredeney (+6,4 %) und Stadtwald (+8,5 %), stiegen die Tarife für Einfamilienhäuser in Vogelheim nur um 1,5 Prozent. „Beinahe schon eine Stagnation“, urteilte Carsten Frick, der die positive Entwicklung der Haarzopfer Neuen Mitte hervorhob.

Positive Entwicklung durch stimmige Konzepte

Hier hätte sich beinahe aus dem Nichts ein attraktives Wohnungs- und Gewerbeangebot hervorgetan. Die Experten der Immopro.meo sehen gerade in der Wertschöpfung durch Konzeptentwicklung großes Potenzial nicht nur für Vermieter, sondern auch für die Stadt. Projektentwickler Marc Wierig errichtet gerade an der Frintroper Straße ein Nahversorgungszentrum. Neben Arztpraxen und Büros, sollen hier zwei große Einzelhändler angesiedelt werden. Frintrop, laut Wierig ein „kränkelnder Stadtteil“, dessen Kaufkraft nur 50 Prozent beträgt, soll durch die Erschließung des Grundstücks attraktiver gemacht werden.


„Die Weitsicht fehlt“

Einen eindringlichen Apell richteten die Immobilienprofis an die Kommune. Klaus-Peter Großmann erklärte: „Die Entwicklung und die Lebensfähigkeit einer Stadt ist davon abhängig, wie es um die Flächenplanung bestellt ist.“ Eine klare Linie ließe sich in Essen oft nicht erkennen. Beispielsweise dürften sich auf den neu geschaffenen Flächen am Flughafen Essen/Mülheim keine Gewerbe ansiedeln, die die Entwicklung des Landesplatzes vorantreiben könnten. Neben dem generellen Mangel an Freiflächen, die die Stadt zum Wachstum und der Erhaltung von Arbeitsplätzen brauche, würde laut Großmann bei der Planung die Weitsicht fehlen.
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