Forschung für den Wandel – frisch, offen, gerecht

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Der Essener Campus der Universität Duisburg/Essen mit seinen Tausenden an Studierenden und Hunderten von Lehrkäften ist oft noch viel zuwenig im Blickfeld unserer Stadt und Regionalentwicklung. Im Unterschied zu irgendwelchen kaum beeinflußbaren Standortentschiedungen einzelner Firmengruppen bleibt uns diese Bildungseinrichtung auf jeden Fall erhalten und damit auch dreistellige Millionenumsätze, die von dort in dieser Stadt ausgelöst werden.
 
Kai Gehring Grüner Bundestagsabgeordneter für Essen, Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion für Hochschule, Wissenschaft und Forschung
Essen: Nordviertel | Forschung und Entwicklung sind zentral für die Veränderung unserer Gesellschaft und Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit. Hier werden die Ideen entfacht, die uns voranbringen. Im Bereich der Wissenschaft und Forschung liegt der Schlüssel zur Lösung der großen Herausforderungen und Menschheitsfragen unserer Zeit. „Forschen für den Wandel“ ist angesagt.
Die Klimakrise, Wandel durch Demografie und Migration, die Gestaltung der Digitalisierung, Folgen von Ressourcenknappheit und des weltweiten Energiehungers – all diese Fragen lassen sich nicht mit „Business as usual“ bearbeiten. Im Gegenteil: Es muss von Grund auf neu gedacht werden. Genau hier kommt die Wissenschaftscommunity ins Spiel. Solarzellen, Elektro-Autos, Smartphones und Mikrokredite sind ein paar Beispiele, die es ohne mutige Forschung und beharrliches Durchhalten nicht gäbe – zu unser aller Nachteil.

Mehr in Forschung, Kreativität und Erfindergeist investieren

Auch in Deutschland können wir mehr machen, um Forschung, Kreativität und Erfindergeist zu fördern. Es geht darum, mehr Menschen an Innovation und Fortschritt teilhaben zu lassen, Zugangshürden zu Hochschulen und Einrichtungen zu senken und solche Programme zu fördern, die der Gesellschaft und der Wirtschaft dienen. Wer unser Land ökologisch, sozial, ökonomisch und digital modernisieren will, muss anders Wirtschaften und anders Forschen. Die Weichen für eine nachhaltigere Forschung müssen heute gestellt werden.
An welchen Stellschrauben müssen wir für mehr Forschung für den Wandel drehen?

Erstens: Wissenschaftsfreiheit.

Kreative Freiräume sind zwingend für neue Ideen, Entdeckungen und Lösungen. Mitunter zu wenig Mut zu unkonventionellen Methoden, der Mangel an Frauen, jungen Forschenden und unterrepräsentierten Gruppen, unzureichende finanzielle Mittel – all das hemmt Innovation und Zukunftsbasis. Daher braucht Forschung mehr Handlungsspielraum und sichere finanzielle Rahmenbedingungen. Zentral ist hierfür eine bessere und verlässliche Grundfinanzierung der Hochschulen.

Zweitens: Die Start-Up Forschung.

Neue und kleine Unternehmen (KMU) sind oft die ersten, die neue Prozesse entwickeln, Ideen verbessern und so uns alle kreativ befeuern. Dieses Know-how gilt es zu nutzen, gerade wenn es darum geht, alternative Angebote auf den Markt zu bringen und nachhaltiger zu wirtschaften. Ein Weg ist, KMU einen Steuerbonus für Forschungs- und Entwicklungsausgaben zu gewähren. Ein entsprechender Gesetzentwurf für eine solche Steuerentlastung liegt dem Bundestag bereits vor.

Drittens: Forschung zum Mitmachen.


Es ist Zeit, Forschung und tägliches Leben zusammenzubringen. Wenn das Labor keinen Bezug zu den Initiativen und Menschen auf der Straße hat, ist irgendwas schief gelaufen. Daher gilt es, Bürgerinnen und Bürger aktiv in Forschungsarbeiten einzubeziehen und mitmachen zu lassen. Entsprechende Programme müssen geschaffen und gefördert werden.

Viertens: Transparente Forschung.

Forschung geht uns alle an. Daher muss sichtbar sein, wer wann woran warum forscht. Ganz besonders gilt das, wenn die Rechnungen mit öffentlichen Geldern gezahlt werden. Transparenz ist das beste Bollwerk gegen zu großen Einfluss bestimmter Interessengruppen und unzeitgemäße Projekte. Forschung soll den Menschen dienen – Beteiligung und Bürgerwissenschaften helfen dabei.

Fünftens: Interdisziplinäre Forschung.

Probleme halten sich nicht an disziplinäre Grenzen, also darf es die Forschung auch nicht mehr tun. Im Gegenteil: Im 21. Jahrhundert muss vernetzt gedacht und kooperativ geforscht werden – über Denk- und Fachgrenzen hinweg. So erreicht man nicht nur bessere und wirklichkeitsnahe Resultate, sondern spart auch Geld und Zeit. Große Würfe entstehen, wenn nicht nur die naturwissenschaftlichen Fächer unter einen Hut kommen, sondern auch Geistes- und Sozialwissenschaften mit ins Boot. Wer das schafft, gewinnt das Rennen im Innovationswettbewerb.

Sechstens: Vielfältige Forschung.

Wir alle kennen das: Die besten Ideen kommen, wenn man es am wenigsten erwartet. Daher gibt es in der Wissenschaft nichts besseres, als Menschen die Räume zu geben, neu und quer zu denken. Das heißt auch, Barrieren abzubauen und zum Beispiel Frauen, internationale Forscher und Arbeiterkinder stärker zu beteiligen. Die Welt ist vielfältig und komplex, das muss sich in der Scientific Community stärker widerspiegeln. Durch Diversity können wir aus dem vollen Schöpfen und das ganze Spektrum an Erfahrungen, Ideenreichtum und Kreativität anzapfen.
Forschung ist ein lebendiger und dynamischer Prozess, der durchaus Ungewöhnliches hervorbringt, uns zum Nachdenken animiert sowie technischen und sozialen Fortschritt ermöglicht. Forschung muss stärker als je zuvor helfen, die großen Herausforderungen zu bewältigen, den Wandel zu gestalten und nachhaltige Entwicklungspfade aufzuzeigen. Von dieser Art von Forschung können wir alle profitieren.
Kai Gehring, Mitglied des Deutschen Bundestages
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