Gut beraten: Jugendliche und Unternehmen im Bezirk VI verkuppeln will „Wir von Hier!“

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Gelungene Kooperation auch über den Bezirk VI hinaus: Tobias Lothmann, Projektleiter Wir von Hier!, Andreas Machel, Azubi Fachlageristik, Michael Gerritzen, Jugendhilfe Essen, und Brauereichef Thomas Stauder. Fotos: Müller
 
In seinem Element: Mit dem Praktikum im Stauder-Lager lebt Azubi Machel seinen Traum.

Als „Unternehmen mit sozialer Verantwortung“ versteht sich das derzeit ehrenamtlich geführte Projekt „Wir von Hier!“. Ziel der Initiative ist, perspektivlose Jugendliche aus dem Bezirk VI fit für den ersten Arbeitsmarkt zu machen, der Weg dorthin eine enge Zusammenarbeit mit den Unternehmen der Stadtteile. Emotional diskutiert wurde eine Zwischenfinanzierung von Wir von Hier! auf der letzten Sitzung der Bezirksvertretung VI, am kommenden Mittwoch, 17. Juni, wird die Entscheidung fallen.

„Das Projekt Wir von Hier! bietet jungen Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, die berufliche Vermittlungshemmnisse haben oder sich in schwierigen Lebenslagen befinden, professionelle Unterstützung durch Beratung und Vermittlungen zur Berufsfeldpraxis durch Praktika“, fasst Tobias Lothmann, Projektleiter Wir von Hier!, die Idee der Sozialinitiative zusammen.
Ein vom Arbeitsmarkt abgekapselter Jugendlicher wird im Rahmen des Projekts zunächst beraten, um so seine Interessen herauszufinden, dann folgt ein Praktikum, im besten Fall im Anschluss eine Ausbildung. Der Clou: Vernetzung innerhalb des Bezirks ist für Wir von Hier! entscheidend, deshalb arbeiten die Verantwortlichen eng mit inzwischen 20 Unternehmen zusammen. Größtes Ziel ist, perspektivlose Jugendliche für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen. Über die gesamte Zeit stehen die Projektverantwortlichen ihren Schützlingen dabei zur Seite und versuchen mit ihnen die Hürden der Bürokratie zu überwinden.

Tolle Sache für beide Seiten

Ein Lied davon singen kann der Auszubildende für Fachlageristik Andreas Machel: „Ich hatte viele Tiefschläge in meinem Leben.“ Von einem Job wurde er in den nächsten weitergereicht, mehrfach kurz vor Ende der Probezeit gekündigt: „Ich habe an mir selbst gezweifelt: Bin ich schuld daran?“ Dann erfuhr der 24-jährige über das Jugendhaus Nord vom Projekt Wir von Hier!. Die Initiative konnte ihn prompt in ein Bewerbungstraining vermitteln, das Machel neuen Mut gab. Dann kamen die Gänge zum Amt, doch dort sind die Einstiegsbarrieren hoch: Auf Tests folgen Beratungstermine, stets muss der Bewerber beim JobCenter hohes Engagement und Eigeninitiative beweisen. Mit seinem neuen Elan kann Machel sich durchsetzen, beginnt bei der Jugendhilfe Essen im August 2014 die Außerbetriebliche Ausbildung als Fachlagerist.
Mit seinem Interesse überzeugte Machel auf der Altenessener Jobbörse „Komma Gucken“ auch die Verantwortlichen der Brauerei Stauder, seit Februar 2015 kann er dort seine Betriebliche Ausbildungsphase machen. Bereits zweimal wurde verlängert, noch bis zum 7. August ist Machel in der Traditionsbrauerei. Hier blüht der angehende Fachlagerist auf, kümmert sich jetzt zweimal die Woche um den Versand, bedient Kunden oder führt Bestandsbuchungen – eine Erfolgsgeschichte. Auch Brauereichef Thomas Stauder freut sich über die gelungene Zusammenarbeit mit Projekt und Azubi: „Das ist eine Sache, von der beide Seiten profitieren!“

Wir von Hier! in der BV VI

Wie es für Wir von Hier! künftig weitergeht, entscheidet am kommenden Mittwoch, 17. Juni, ab 16 Uhr die Bezirksvertretung VI. Emotional, hitzig und kontrovers diskutiert wurde die Sozialini­tiative bereits im Mai. Kritik an der Zielsetzung äußert Rudolf Vitz­thum, Fraktionsvorsitzender der CDU: „Die wollen gar nicht in den ersten Arbeitsmarkt vermitteln. Das habe ich nicht verstanden.“ Das Angebot von Wir von Hier! ist für den Bezirkspolitiker nichts Neues: „Das sind alles Arbeiten, die von anderen – wie JobCenter oder AWO – auch gemacht werden.“ Gleichzeitig bemängelt Vitzthum deshalb die Vermittlungsquote von drei Auszubildenden in 18 Monaten Projektlaufzeit.
Eine ganz andere Funktion schreibt André Vollmer, Fraktionsvorsitzender der SPD BV VI, der Sache zu: „Wir von Hier! ist ein wunderbares, förderungswürdiges Projekt. Dort werden Leute an die Hand genommen.“ Als große Stärke empfindet Vollmer die Rückführung in die Gesellschaft: „Jeder hat eine Chance verdient. Im Projekt wird gezeigt: Wie finde ich ins Berufsleben.“ Von bis zu 80 Leuten allein aus dem Bezirk VI weiß der SPD-Bezirksvertreter, die keine Bindung mehr zum JobCenter haben, komplett von der Gesellschaft abgeschnitten sind.
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