Hauspate im Block - Modellprojekt Mieterbüro ist Anlaufstelle für Siedlung in Katernberg

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Ein Blick von außen: Lauren Kalinke und Souad Zenzoul vom Mieterbüro (li.) neben Bezirksbürgermeister Michael Zühlke (mi.) und Ratsherr Michael Franz (re.) grüßen vom Balkon des Mieterbüros. Fotos: Müller
 
Auf der Straßenzeile von der Feldwiese bis zur Bergbaustraße hat sich in den letzten Jahren einiges getan.

Ein Büro für den Bereich, ein Pate pro Haus: Für alle Eigentumswohnungen der Corestate von der Feldwiese bis zur Bergbaustraße in Katernberg ist seit Ende 2011 ein Mieterbüro Anlaufpunkt für die Anwohner. In der kleinen – mit einer Teilzeitkraft besetzten – Kontaktstelle haben Mieter die Chance, Probleme, Kritik und Anregungen loszuwerden. Das Prinzip zeigt Wirkung – aber das Projekt läuft gemeinsam mit der sozialen Stadt Katernberg aus, eine Fortführung ist ungewiss.

Seit 1993 wird Katernberg im Bund-Länder-Programm als „Stadtteil mit besonderem Entwicklungsbedarf " gefördert. Vielschichtige Probleme plagten die dortigen Wohnsiedlungen: Arbeitslosigkeit, Sorge um die eigene Sicherheit, Leerstand und fehlende Sanierungen infolge der Privatisierung des Mietsektors. Als einen Lösungsansatz stellte ein Eigentümer für die Straßenzeile Feldwiese bis Bergbaustraße vor mehreren Jahren einen zwei Mann starken Wachdienst ein, der gleich am zweiten Tag von einer – zu recht – erzürnten Mieterfront begrüßt wurde – und danach von weiteren Besuchen absah. Ende 2011 wurde deshalb durch Bezirksvertretung, Soziale Stadt Katernberg und den Vermieter Corestate ein Mieterbüro in einer der Wohnungen der Feldwiese eingesetzt. Alle Bewohner der rund 300 Wohneinheiten der Corestate können hier seitdem ihre Probleme anbringen. Nachhaltigkeit ist dabei ein Faktor, erläutert Bezirksbürgermeister Michael Zühlke, Bezirk VI Zollverein: „Es ist wichtig, nicht nur sporadisch mit der Situation umzugehen, sondern langfristig.“ Finanziert ist die Stelle gemeinsam mit der Sozialen Stadt Katernberg bis zum 30. September.

Die helle Wohnung mit Balkon empfängt mit moderner Einrichtung und selbstgemalten Bildern der Kinder aus der Gegend. Zu Sprechstunden an Dienstag, Mittwoch und Freitag ist die Kontaktstelle im Normalfall besetzt von Lauren Kalinke, Honorarkraft in Teilzeit, und an einigen Tagen von Souad Zenzoul, die gerade ihr Anerkennungsjahr für ihr Sozialarbeits-Studium bei der ISSAB macht. Kalinke ist für die Anwohner zudem durchgehend telefonisch zu erreichen. In der heimeligen Wohnung werden jede Woche Mietersprechstunden und Treffen der Hauspaten abgehalten, bei denen je nach Dringlichkeit „beraten, besprochen und Ideen gesammelt“ werden. Alle fünf Wohnblöcke haben einen eigenen Paten, der sich um Schwierigkeiten innerhalb der Mieterschaft kümmert: Streit, Sauberkeit und sonstige Konflikte sind hier häufig Thema. Im Beirat, der alle zwei bis drei Monate tagt, treffen Politik, Jugendamt, Eigentümer, Mieter, ISSAB und Jugendhilfe Essen gGmbH (JHE) aufeinander.
Die Kinder und Jugendlichen des Viertels begleitet regelmäßig Sozialpädagoge Marc Habermann von der JHE. Er dient den Kids ebenfalls als Ansprechpartner, ist aber auch um eine altersgerechte Freizeitgestaltung bemüht. Erkennbarer Fortschritt: Die einst verfeindeten Jugendlichen der Straßen Feldwiese und Farrenbroich treffen sich inzwischen ab und an zum gemeinsamen Fußballspielen. Auch sonst ist für Programm in den Häusern gesorgt: Aktionswochen, Fotocollagen der Wohnblöcke oder gemeinsame Feiern kitten die Bewohner zusammen.

Die früheren Schwierigkeiten der „benachteiligten“ Straßenabschnitte haben sich mittlerweile relativiert: „Bis Januar waren viele Probleme wohnbedingt, seit es mit den Reparaturen läuft, ist es sehr gemischt“, erzählt Kalinke. Weil mehr soziale Sicherheit in den Häusern eingekehrt ist, bemüht sich die Corestate um Probleme wie Leerstand oder notwendige Renovierungen. Die Liste der Sanierung ist lang: Fassaden, Türen, Innenanstriche und Strangsanierungen sind in der Mache, die Dächer der neuen Häuser wurden inzwischen schon renoviert. Ähnliches berichten die Hauspaten: Die Bewohner begrüßen das neue Gefühl der Sicherheit und die zahlreichen Sanierungen, haben aber noch oft mit der Sauberkeit im und am Haus zu kämpfen.

Die Idee hinter dem Mieterbüro ist so einfach wie clever: Durch einen kleinen Aufwand lassen sich soziale Schwierigkeiten auffangen, dieser Gewinn an Qualität regt den Vermieter zu Investitionen an. Neue Mieter wiederum finden so einen interessanteren Wohnbestand auf. Ein Haken am Konzept ist, dass die Kontaktstelle nur Ansprechpartner für die Mieter der Corestate ist. Selbst wenn diese den Großteil ausmachen, wäre ein Angebot für alle Mieter attraktiver und könnte noch mehr Kommunikation der Mieter untereinander schaffen.
Bezirksbürgermeister Zühlke hält den Ansatz für ein Modellprojekt, das in ganz Katernberg Anwendung finden könnte: „Das Mieterbüro ist eine Struktur der Zukunft. Man kann gemeinsam mit den Mietern gucken, wie man mit Problemen umgehen kann.“ Auf einen weiteren Versuch mit der Wachdienstalternative können Mieter und Eigentümer wohl verzichten.

Sollte einer der Hausbewohner nicht im Bilde sein, hier der Kontakt zum Büro:
Lauren Kalinke
Telefon: 0176 82710789
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