Jugendhalle Stoppenberg ohne Zukunft?

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Ist bald Sense im Kinder- und Jugendtreff Stoppenberg? Die Jugendhilfe betont, noch befinde man sich nicht auf der Suche nach Alternativen. Archivfoto: Gohl
Es wäre ein herber Verlust für den Stadtteil: Die Sport- und Bäderbetriebe (SBE) zeichnen für den Fortbestand der Jugend- und Turnhalle Stoppenberg ein düsteres Bild. Angesichts eines 3,2 Millionen Euro schweren Sanierungsstaus spricht die Verwaltung von einer „mittelfristigen Aufgabe des Standortes.“

Zugegeben: Dass die Turnhalle im hinteren Bereich der Gelsenkirchener Straße 89a ihren letzten Dienst geleistet hat, war abzusehen. Seit fast einem Jahr ist die Halle für den Sportbetrieb gesperrt - wegen akuter Unfallgefahr! Verständlich: Ohne Boden ist hier nicht mal an Dehn-übungen zu denken, er wurde - völlig aufgequollen - zu weiten Teilen abgetragen.

Ein neuer Untergrund mache einen „kompletten Sportbodenneuaufbau“ erforderlich, heißt es in dem aktuellen Papier der Sport- und Bäderbetriebe. Kostenpunkt: 83.300 Euro. Eine Summe, die schon länger im Raum steht. Und weil in der Halle seit den vergangenen Sommerferien nur der Verfall voranschreitet, glaubt kaum jemand an eine rasche Wiedereröffnung.

Die Sportverwaltung schlägt nun die „dauerhafte Einstellung des Sportbetriebes“ vor: Die Gelegenheit sei günstig. Der bisherige Hallenwart bereitet sich auf seine Altersteilzeit vor, die Nutzungszeiten konnten „relativ problemlos“ auf andere Hallen verteilt werden. Das Amt rechnet mit einer jährlichen Entlastung der Stadtkasse in Höhe von 45.000 Euro.

Wie gesagt, nicht unerwartet. Doch nun steht auch der vordere Teil zur Disposition. Zumindest beschäftigt sich die Verwaltung mit der „mittelfristigen Aufgabe des Standortes“. Von Amts wegen sicherlich ein logischer Schritt - schließlich ist der aufgeweichte Hallenboden nicht die einzige Problemzone des denkmalgeschützten Gebäudes (Baujahr 1925): Das Haus ist von Absenkungen betroffen, permanent dringt Feuchtigkeit ein, sowohl von außen (Fassade) als auch von innen (Rohrbrüche). Die Sport- und Bäderbetriebe rechnen mit Sanierungskosten in Höhe von circa 3,2 Millionen Euro.

Das Problem am Planspiel: Während die Turnhalle brach liegt, wird der vordere Teil des alten Bade- und Wäschehauses rege genutzt: Auf 515 Quadratmetern findet die örtliche Kinder- und Jugendarbeit der Jugendhilfe statt. Im Zuge ihrer Neuausrichtung nimmt der „Kinder- und Jugendtreff Stoppenberg“ eine zentrale Rolle ein. Erst kürzlich wurde das Konzept in der Gelsenkirchener Straße an das Motto „Sport und Bewegung“ ausgerichtet, wurden Räume umgestaltet. Alles umsonst?

„Die Jugendhilfe hat sich [...] bereits geäußert, dass sie angesichts des hohen Sanierungsbedarfs kein Interesse an der Übernahme habe. Sie suche mittelfristig selbst nach einer Alternative“, weiß man bei den Sport- und Bäderbetrieben. Und damit offensichtlich mehr als Arndt Wrona. Er leitet die offene Kinder- und Jugendarbeit bei der Jugendhilfe gGmbH und zeigt sich auch noch während des zweiten Telefonats mit dem Nord Anzeiger - nach Einsicht in die SBE-Vorlage - überrascht. Wrona bewertet diese als „unglücklich formuliert“: „Richtig ist: Wir haben nicht die Mittel, um die Immobilie zu übernehmen. Was jedoch die Vorgehensweise betrifft - wir suchen nicht nach einer Alternative, damit das Haus geschlossen kann. Wir werden uns nach einer Alternative umsehen, wenn das Haus geschlossen wird.“ Und diese Entscheidung sei nun mal eine politische.

Zumindest bei den Vorortpolitikern dürfte das Stimmungsbild vor der Beratung im Stadtteilparlament VI (heute, 19. Juni, 16 Uhr im Stoppenberger Ratssaal) eindeutig sein. „Wir fühlen uns ein bisschen angepieselt. Wir haben uns Vorschläge gewünscht, wie man die Halle retten kann. Stattdessen wählt man eine einfache Methode, um an schönes Bauland zu kommen. [„Der Bolzplatz könnte einer Vermarktung zugeführt werden“, heißt es in der Vorlage, Anm. d. Red.]“, ärgert sich Bezirksbürgermeister Michael Zühlke (SPD). Erst locke man verstärkt junge Familien nach Stoppenberg, um dann ein Jugendhaus zu schließen. „So setzt man eine Kette in Gang, die alles andere als gut für den Stadtteil ist.“
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