Neue Navigation leitet LKW gezielt über die ohnehin stark belastete Hafenstraße

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Die Hafenstraße (mit Blickrichtung Norden) ist als Vorrangroute für LKW vorgesehen. Dabei protestieren Anwohner seit langem schon gegen die bestehende Verkehrsbelastung. (Foto: Bildpower Vision)

Über welche Straßen sollen LKW vorrangig fahren? Zum Beispiel über die Hafenstraße, heißt es im Routenplaner des Projekts „Stadtverträgliche LKW-Navigation Ruhr“. Das verträgt sich mit der Auffassung von Anwohnern und Politikern überhaupt nicht, doch bis auf Weiteres ist das Kind im Brunnen bzw. die Hafenstraße im Navi.

Das Projekt steht am Donnerstag, 22. Januar, auf der Tagesordnung des Umweltausschusses, aber nur zur Kenntnisnahme. Michael Schwamborn, Ratsherr des Essener Bürger Bündnis (EBB), ist verärgert: „Wir haben schon vor der Wahl darauf hingewiesen, dass die Ausschüsse beteiligt werden müssen, wurden aber nur vertröstet.“ Umverschämt sei es, das Thema so spät behandeln zu lassen: „Wir diskutieren jetzt über fertige Dinge.“
Doch nicht nur die Vorgehensweise empört den Kommunalpolitiker aus Karnap, sondern auch das Ergebnis. Die ohnehin stark belastete Hafenstraße, deren Anwohner seit Jahren mehr Schutzmaßnahmen fordern, ist nun eine als LKW-Vorrangroute empfohlene Strecke. Ganz offiziell.

Ausschuss wird vor vollendete Tatsachen gestellt


Dabei soll die „Stadtverträgliche LKW-Navigation Ruhr“ doch Ordnung in den Schwerlastverkehr bringen. Mit neuen Navigationskarten wollen Städte, Industrie- und Handelskammern sowie Wirtschaftsförderer Brummi-Fahrer auf den rechten Weg leiten.
Wer im Internet die Adresse lkw-navigation.metropoleruhr.de aufruft und dann das Häkchen bei LKW-Vorrangrouten setzt, sieht eine Karte des Ruhrgebiets mit dicken, blauen Linien - eben jenen Vorrangrouten, die von Fachleuten empfohlen werden. Eine davon führt in Vogelheim über die Hafenstraße. Ein Fahrer, der künftig per Navi seine Strecke sucht, wird dorther geführt.
Die Verantwortlichen des Projektes wollen verhindern, dass die Fahrer noch länger „von den empfohlenen Streckenführungen der Kommunen abweichen“. Viele täten dies, so die Analyse, aufgrund ihrer mangelhaften Ortskenntnis. Auch seien marktgängige Navigationssysteme oft „nicht auf die Bedürfnisse des Schwerlastverkehrs ausgerichtet“.

Mangelnde Ortskenntnis, ungeeignete Navi-Systeme


Dagegen ist die Projektempfehlung nicht auf die tatsächlich schon vorhandene Belastung der Hafenstraße ausgerichtet, moniert Michael Schwamborn. Der Ratsherr des Essener Bürger Bündnis findet zwar die „Grundidee nicht verkehrt. Ein Verkehrskonzept für die Bezirke IV/V/VI fordern wir seit Jahren“.
Das jetzt vorliegende Ergebnis sei aber unbefriedigend: „Wenn ich mir ein Update fürs Navi hole, sind Umleitungsrouten für Umweltzonen und Vorschläge eingepflegt, woher LKW fahren sollen, wenn sie nicht über die Gladbecker Straße nehmen.“ Die Routen jedoch führten durch Wohngebiete an der Vogelheimer- und Hafenstraße.
Ein Grund für die entstehende Problematik ist für Michael Schwamborn die Tatsache, dass „die Geschichte an der Politik vorbei entwickelt wurde“. Sonst hätten Ortskundige rechtzeitig eingreifen können, so aber sei es fürs erste zu spät, um noch etwas zu ändern.

Hafenstraße ab Wildstraße sperren?


Um für die Zukunft etwas zu verbessern, ist es nach Meinung des Ratsherrn vor allem erforderlich, die Straße Am Stadthafen als Umgehung für den Schwerlastverkehr zu öffnen. Bisher sei diese Verbindung zwischen Hafen und Hafenstraße wegen unbeschrankter Bahn­übergänge nicht zugelassen.
Nach Öffnung der Verbindung wäre laut Schwamborns Einschätzung sogar eine wesentliche Entlastung der Hafenstraße machbar: „LKW würden zum Hafen die Strecke über Sturmshof oder Daniel-Eckhardt-Straße nehmen, und die Hafenstraße könnte man in Höhe Wildstraße dicht machen.“ Eine Durchfahrt von Nord nach Süd wäre dann nicht mehr möglich.
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