Sanitärer Notstand: Über das Zeltdorf Bonifaciusstraße informierte die Stadt Essen

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Gut besuchte Predigt: Peter Renzel informierte Anwohner und Interessierte über den Standort Bonifaciusstraße. Foto: Müller

Am gestrigen Donnerstag, 17. September, lud die Stadt Essen zur Info-Veranstaltung zum Zeltdorf an der Bonifaciusstraße. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung stieg der Termin nicht im Gemeindezentrum an der Immelmannstraße, sondern in der rappelvollen, benachbarten Immanuelkirche. Die rund 200 Gäste gewohnt resolut durchs Event führte Sozialdezernent Peter Renzel, Unterstützung gab's von Christian Kromberg und Oberbürgermeister Reinhard Paß.

„Man hat den Eindruck, die Welt ist aus den Fugen geraten“, leitet Peter Renzel, Sozialdezernent der Stadt Essen, die Informationsveranstaltung zum Zeltdorf am Standort Bonifaciusstraße ein. Weltweit sind mehr als 60 Mio. Menschen auf der Flucht, Europa kriegt davon gerade einmal drei Prozent ab. Trotzdem brechen alle Dämme, Bund, Länder und Kommunen stoßen an ihre Grenzen. „Wir sind im Krisenmodus und verhindern Obdachlosigkeit“, kommentiert Renzel. Selbst bei der bisherigen Prognose von 800.000 weiteren Flüchtlingen in diesem Jahr fehlen der Stadt Essen zusätzlich 1.200 Plätze, bewahrheitet sich Sigmar Gabriels Schätzung von 1 Mio. sind es nur noch mehr.

Sogar mit Fenstern!

Diese Not brachte auch den Krisenstab unter Leitung von Ordnungsdezernent Christian Kromberg auf den Plan, längst geht es der Stadt Essen nicht mehr um die optimale Unterbringung der Flüchtlinge. Wo vorher nach Standorten gesucht wurde, werden jetzt Zeltstädte aus dem Boden gestampft, wo vorher eine gleichmäßige Verteilung im Stadtgebiet das Ziel war, nehmen die Verantwortlichen jetzt, was sie kriegen können. So zum Beispiel den Sportplatz an der Bonifaciusstraße, direkt hinter der dortigen Schule. Die Schule selbst stand nicht zur Debatte, zu marode ist das Gebäude. Ursprünglich war die Bonifaciusstraße wie auch Altenbergshof und Planckstraße für jeweils 400 Flüchtlinge ausgelegt, aber: „Wir können hier maximal 348 Menschen unterbringen“, verrät Renzel. Wegen dieser Erfahrung wird auch der Standort Bonifaciusstraße auf 344 Plätze runtergestuft, eisern steht hingegen die 700 für das Karnaper Mathias-Stinnes-Stadion.
Bezugsfertig wird das Schonnebecker Zeltdorf im November, es gibt drei Schlafunterkünfte für je 200, 84 und 60 Flüchtlinge. Trennwände sortieren die kleinen Kämmerchen mit Doppelstockbetten, dass der Container Fenster hat, entlockt Renzel ein begleitendes „sogar“. Zusätzlich gibt's auf dem Gelände eine Essensausgabe, Räume zur Reinigung von Kleidung sowie Verwaltung und Sicherherheitsdienst. Schließlich kann die Turnhalle der angrenzenden Schule noch als Aufenthaltsraum genutzt werden. Grund zur Sorge machen die sanitären Anlagen: „Das ist unser größtes Problem: Es gibt auf dem Markt kaum noch Container zu kaufen“, gibt Renzel Einblick in scheinbar banale planerische Schwierigkeiten.

Die Nacht zum Tage machen

Die Wohnlichkeit des Zeltdorfs steht für die Verantwortlichen dabei nicht im Mittelpunkt: „Es geht nicht um die Unterbringung, es geht um lange, lange Jahre der Integration“, erklärt der Sozialdezernent. „Damit wir nicht den gleichen Fehler machen, wie vor 30, 40 Jahren.“ Schon deshalb ist die Gründung eines Runden Tisches für die Einrichtung entschiedene Sache, das Ruder in die Hand nehmen Lothar Jekel und Michael Neuhaus, die für die Stoppenberger Kapitelwiese Ende letzten Jahres den „Runden Tisch Zollverein“ ins Leben riefen. Geplant ist zudem eine Ortsbegehung für Anwohner innerhalb eines Radius von 300 Metern, die Stadt informiert kurz vorher per Flugblatt.
Recht gesittet lief die abschließende Fragerunde statt. In Sachen Lärmbelästigung konnte der Sozialdezernent Entwarnung geben, hier gibt es erste Erfahrungen mit der Einrichtung am Altenbergshof: „Da ist es nicht so, dass die Nacht zum Tage gemacht wird“, winkt Renzel ab. Auf Rechtsradikale und pozenzielle IS-Kämpfer sieht sich die Stadt gut vorbereitet, auch wenn es „100 Prozent Sicherheit in diesem Leben nicht gibt“. Kleiderspenden sind willkommen, können aber nicht direkt an der Einrichtung abgegeben werden – der OB beispielsweise kann davon ein Liedchen singen, schließlich wurde er selbst schon einmal abgewiesen.
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