Umbruch auf Zollverein: Boden der Kokerei wird ausgetauscht

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Durch die Bodenaufbereitung, bei der etwa 100.000 Kubikmeter Erde abgetragen werden, darf sich der Charakter des Geländes, zum Beispiel seine Höhe, nicht verändern. Auch dies eine Vorschrift des Denkmalschutzes, der für das Welterbe Zollverein gilt. Die auf dem Areal lebenden Kreuzkröten wurden rechtzeitig umgesiedelt.
 
Geschäftsführer Hans-Peter Noll (Mitte) mit Projektleiter Thomas Schürkamp und Ingenieurin Vera Reschke. Im Vordergrund ein Modell der Architekturentwürfe, welche die Grundlage der Planung auf der Kokerei bilden.
Die Dimension der Kokerei Zollverein wird jedem bewusst, der sich mitten auf diesen Teil des Welterbes stellt und das Gelände auf sich wirken lässt. Jede Neuplanung nimmt entsprechend viel Zeit ein. Bis Ende 2014 dauert allein die Bodenvorbereitung. Erst danach kann neu gebaut werden - in der Hoffnung, dass sich Interessenten finden.
Was das betrifft, zeigt sich die RAG Montan Immobilien optimistisch. Man habe ja nicht zufällig den eigenen Firmensitz dort neu errichtet, betont Hans-Peter Noll als Vorsitzender der Geschäftsführung. Gewiss sei die Kokerei kein „klassischer Bürostandort“. Das betrifft gerade auch die Verkehrsanbindung, besser: Nicht-Anbindung. Flughafen und Autobahn sucht man hier vergebens. Es ist, so Noll, ein Gelände für Unternehmen, die einen „besonderen Standort“ wünschen.

Doch nicht nur Büroimmobilien sind vorgesehen, sondern vor allem auch die neue Heimat für den Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität der Künste. Was eigentlich ein saudi-arabischer Scheich bauen wollte/sollte, ist nunmehr - wie berichtet - in der Neuausschreibung. Und auch RAG Montan Immobilien wirft dafür den Hut in den Ring, wie Noll erkärt.
Die Frage, wer sich ansonsten ansiedeln wird, ist Zukunftsmusik. Zunächst einmal gibt es LKW-Fahrten, rund 50 pro Tag. Schließlich muss zwischen Arendahls Wiese, Großwesterkamp und Köln-Mindener-Bahnlinie bis in eine Tiefe von 1,8 m der Boden ausgetauscht werden. Macht etwa 100.000 Kubikmeter.
Der ist zum großen Teil als Folge der Kokereitätigkeiten mit Schadstoffen belastet. Aber auch nicht belasteter Boden wird ausgetauscht, ist er doch, wie die Verantwortlichen erklären, als Untergrund für die zu errichtenden Gebäude ungeeignet, kann aber auf anderen Baustellen verwendet werden.

Nur ein Teil des Bodens ist belastet

Die Fläche wird aufbereitet. Optisch verändert werden darf sie nicht, denn über Zollverein schwebt der Denkmalschutz. Auf ihn muss Rücksicht genommen werden. Für die ausführende Firma Ecosoil Nordwest GmbH aus Oberhausen bedeutet das: Der Charakter des Geländes muss derselbe bleiben. So darf nach dem Austausch die Höhe des Bodens, gemessen an den umgebenden Gebäuden, nicht anders sein als vorher, ebenso etwa der Verlauf der Straßen.
Neben Denkmalschutz gibt es auf dem Welterbe auch Naturschutz. Den Schleiereulen zum Beispiel dürfte es gleichgültig sein, ob um sie herum Boden ab- und angefahren wird. Den Kreuzkröten aber würde man denselben unter den Füßen wegziehen. Deshalb wurde die nicht gerade kleine Population umgesiedelt. Mit Erdkröten wäre das schwierig, die kehren vorzugsweise zum Laichen dorthin zurück, wo sie selber aus dem Ei geschlüpft sind. Kreuzkröten aber, da waren die Fachleute bei RAG und Naturschutzbund von Beginn an optimistisch, werden die neuen Biotope annehmen. Ersatz für ihr bisheriges Wohngebiet wurde am Parkplatz C im Bereich der Altkokerei, also ganz im Nordosten des Geländes, geschaffen.

Telefonnummer für Beschwerden

Wie man seitens der RAG Montan Immobilien versichert, werden bei der Flächenaufbereitung die Belästigungen für die menschlichen Anwohner so gering wie möglich gehalten. Sollten sich dennoch Beeinträchtigungen - etwa durch Lärm oder Staub - ergeben, können Betroffene sich direkt an die zuständige Projektingenieurin Vera
Reschke wenden (Telefon 0201 - 3782630).
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