Notschlafstelle "Raum 58" jetzt im Univiertel

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Obere Reihe v.l.n.r. Sven Diedenhofen (SkF, Bereichsleitung Jugendhilfe), Dr. Björn Enno Hermans (SkF Geschäftsführer) und Gabriele Pack (CVJM Essen Sozialwerk gGmbH, Pädagogische Geschäftsführung). Vorne von links: Manuela Grötschel (SkF Einrichtungsleitung RAUM_58) und Rebecca Weber (SkF). Foto: P.de Lanck
Essen: Caritas |

"Meine Eltern könnten mich doch wenigstens vermisst melden", zitiert der Flyer der Notschlafstelle einen Jugendlichen, der das Angebot, nachts ein sicheres Dach über dem Kopf zu haben, nutzt. Aktuell haben circa 160 Jugendliche ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße. Seit 15 Jahren kümmert sich das Team der Notschlafstelle um sie. Jetzt ist der "Raum 58" umgezogen.

"Das ist ja hier wie in einer Villa" - staunen einige der Jugendlichen über den großzügigen Wohnraum, der sich nach dem Umzug aus der westlichen Innenstadt in die Niederstraße fast verdoppelt hat. Im Anbau des dortigen Caritasgebäudes ist die Notschlafstelle nun gleich auf zwei Etagen verteilt. Eine offene Küche mit großem Esstisch inklusive.
Nicht zuletzt auch Spenden ermöglichten Umbau und Renovierung. Acht Mitarbeiter kümmern sich im Wechsel im Nachtdienst um die Jugendlichen und dies an sieben Tagen in der Woche und 365 Tagen im Jahr. Von 14 bis 21 Jahren können Jugendliche das Angebot nutzen. Bis zu 200 Jugendliche im Jahr finden hier einen sicheren und warmen Platz für die Nacht.
"Am alten Standort an der Kastanienallee gab es immer wieder Beschwerden aus der Nachbarschaft", erinnert sich SkF-Geschäftsführer Björn-Enno Hermans an die vergangenen Jahre. Der bisherige Vermieter, die Allbau AG, beendete schließlich das Mietverhältnis. "Das Viertel sollte sich anders entwickeln und es war eine andere Nutzung des Gebäudekomplexes geplant", erklärt Hermans. So beschlossen Caritas und SkF in der Niederstraße Dienste zu bündeln. Mit dem Kooperationspartner CVJM entstand der neue Raum 58 in einem Gebäudeanbau mit eigenem Eingang.
"Viele haben dabei geholfen, in der Niederstraße ein neues Zuhause zu schaffen. Es ist im Vergleich zur Kastanienallee ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die neuen Räumlichkeiten sind hell und schön. Das bedeutet auch eine Wertschätzung der Zielgruppe", betont Gabriele Pack, Pädagogische Geschäftsführerin beim CVJM.
Auch weiterhin gibt es an der Niederstraße acht Schlafplätze, die nach wie vor fast jede Nacht belegt sind. Die Zimmer im oberen Bereich sind funktional ausgestattet. Es gibt Spinde, um persönliche Sachen unterzubringen.

"Wir sind die letzte Lösung"

"Wir bleiben hier auch weiterhin eine Notschlafstelle", erklärt Einrichtungsleiterin Manuela Grötschel und fügt hinzu: "Und wir sind die letzte Lösung. Der Anteil der Jugendlichen, die uns in Anspruch nehmen, wächst - und die Jugendlichen werden jünger."
Es bestehen nicht nur familiäre Probleme, sondern manchmal auch eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Viele, die abends am Raum 58 anklingeln, haben bereits in jungen Jahren katastrophale Karrieren hinter sich. Sie sind sozusagen vom System entkoppelt. Die Schule besuchen sie nicht mehr und Eltern kümmern sich nicht.
"Die Notschlafstelle bietet Hilfe und Perspektiven an", fügt Gabriele Pack an. "Sie ermöglicht wieder einen Zugang." Ein ständiger Kontakt zur Suchthilfe besteht ohnehin.
Auch ganz praktische Bedürfnisse können im Raum 58 erfüllt werden. Duschen und Waschmaschinen stehen zur Verfügung. Und auch das Mitbringen von Hunden ist erlaubt. Gebot des Hauses sind in erster Linie die Einhaltung klarer Regeln. Bei gemeinsamen Mahlzeiten werden Gespräche mit den Jugendlichen geführt und behutsam Kontakt aufgenommen. Ziel ist es, ihre Situation zu verändern. Eine Bereitschaft dazu muss jedoch gegeben sein. Sonst bleibt die Notschlafstelle das, was sie dem Namen nach auch ist - ein temporäres Dach über dem Kopf.
Spenden für den Raum 58 - der auch nach dem Umzug zu einer neuen Hausnummer weiterhin so heißen wird - sind immer willkommen. Infos auch unter www.raum-58.de
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