„Nicht peinlich“? Rot-Weiss Essen 3:1 von Hennef ausgekontert

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Nur das Finale zählt noch: RWE-Coach Markus Reiter erwartet bessere Leistungen am 14. Mai. Fotos: Gohl
 
In Feierstimmung: Mit einem Sieg an der Hafenstraße hatten die Anhänger des FC Hennef nun wirklich nicht gerechnet. Foto: Müller

Da war die Mannschaft in Gedanken schon halb im Pokalfinale: Kein Wunder, wenn noch vor dem Wochenende über 12.000 Tickets für die Partie gegen Oberhausen über den Tresen gehen und sich eine 300-Meter-Schlange vorm Fanshop bildet. Im heutigen Regionalliga-Spiel gegen das abgeschlagene Tabellenschlusslicht FC Hennef 05 lief gar nichts zusammen. Besonders bitter: Die 1:0-Führung der Gäste ist ein Eigentor von Rot-Weiss-Keeper Heimann. Vereinschef Welling findet deutliche Worte.

„Letztendlich geht es bei der Meisterschaft um nichts mehr“, gesteht Markus Reiter, Nachfolger von Jürgen Lucas und derzeitiger Chefcoach von Rot-Weiss. Die Anhänger des Essener Traditionsvereins sahen das ähnlich, lediglich 5.817 Zuschauer – exakt 23 davon im Gästeblock – zog es an die Hafenstraße. Größtes Thema ist im Moment das Finale des Niederrheinpokals gegen Lokal- und Tabellenrivalen Rot-Weiß Oberhausen. Den Kleeblättern wollte man am heutigen Samstag, 2. Mai, schon ein Schnippchen schlagen und in der Liga an ihnen vorbei auf Rang vier klettern. Gegen den Tabellenletzten eigentlich kein Problem – oder?

Ping-Pong

„Ehrlich gesagt kann ich gar nicht glauben, dass wir in Essen gewonnen haben“, wundert sich Marco Bäumer, Trainer und sportlicher Leiter des FC Hennef. Am Anfang war die Welt auch noch in Ordnung: Rot-Weiss legt stark los, bereits in der 4. Spielminute verpasst Kevin Freiberger nach super Flanke von Grund die Schussgelegenheit. Zwei Zeigerumdrehungen später fliegt Binders Kopfball knapp über Keeper Monjeambs Kasten – Rot-Weiss drückt. „Dann gehen wir aus dem Nichts mit 1:0 in Führung!“ Und wie! Recep Kartal tritt in der 38. am Mittelkreis zum Standard an, die Kugel segelt gemächlich in den rot-weissen Strafraum und springt im Ping-Pong über Pfosten und Keeper Niclas Heimann ins Netz. Etwas fassungslos verschwinden die Mannschaften in der Kabine.
Spielbestimmend ist auch in Halbzeit zwei der RWE, aber meist über Einzelaktion und wütendes Anrennen – Taktik und Kombinationsspiel sind Fehlanzeige. Hennef dagegen igelt sich zu elft in der eigenen Hälfte ein und reagiert auf die Rot-Weiss-Offensive mit entspannten, etwas unbedarften Kontern. In der 60. Spielminute sitzt einer davon: Die Flanke von der linken Eckfahne verwandelt Christoph Binot sicher zum 2:0. Kurz danach das letzte Aufbäumen des RWE: In der 67. Minute landet das Leder auf dem Kopf des Abwehrhünen Philipp Zeiger, der zum Anschlusstreffer einnetzt. Entschieden ist das Spiel in der 81.: Rachid Bouallal hat alle Zeit der Welt, das Leder an Heimann vorbei ins Tor zu heben. Wer jetzt Pfiffe oder „Reiter raus!“-Rufe erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die Stille im Stadion zeigt die Resignation der Rot-Weiss-Fans.

Welling: „Komplett peinlich.“

„Also Fußballspielen können wir“, findet Hennef-Chef Bäumer, „es ist auch nicht peinlich gegen uns zu verlieren.“ RWE-Trainer Reiter stimmt zu: „Hennef ist für einen sehr couragierten Auftritt belohnt worden.“ Dass eine solche Leistung wie heute für Oberhausen nicht reicht, ist ihm dabei durchaus bewusst: „Es liegt noch ein langer Weg vor uns, bis wir im Pokalfinale eine Chance auf den Sieg haben“, analysiert Reiter zerknirscht.
Deutlichere Worte zur Vorstellung seiner Mannschaft findet Prof. Dr. Michael Welling, Vorstandsvorsitzender von Rot-Weiss Essen, auf seiner Facebookseite. Welling: „Das war komplett indiskutabel und vom Ergebnis her komplett peinlich. Wenn man so will: Zwei Heimniederlagen gegen Aufsteiger Kray, eine Heimniederlage gegen Aufsteiger Rödinghausen und eine Heimniederlage gegen Aufsteiger und feststehenden Absteiger Hennef - ist viel hätte hätte, aber der Anspruch muss sein, dass man gegen solche Mannschaften zu Hause gewinnt. Dann würden wir trotz manchem Rückschlag sogar noch von der Meisterschaft träumen können... Unfassbar. Das war ein ganz schwacher Sommerkick heute.“
Die zweite Generalprobe vor dem Schicksalsspiel steigt schon nächsten Freitag, 8. Mai, um 19.30 Uhr in einem weiteren Heimspiel: Mit dem KFC Uerdingen ist der nächste Abstiegskandidat zu Gast an der Hafenstraße.
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1 Kommentar
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Jörg Krause aus Essen-Borbeck | 03.05.2015 | 09:45  
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