... ES GIBT SOLCHE TAGE....

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sonniges HOFFNUNGSVOLLES ....FrühlingsBild aus Oberhausen ...

... ES GIBT SOLCHE TAGE....


Verflixt!
Erst war er zu spät aufgestanden, hatte sich zitternd ins Bad begeben du sich nur mit Mühe zurecht machen können.
Dieser Traum hatte ihn wieder einmal mehr voll erwischt! Seit Monaten schon träumte er schlecht, ganz schlecht.
Dann glitt er nun auch noch fast aus; da unten, auf der Straße.
Verflixte Bananenschale.

Die Nachbarn zwei Haustüren weiter ließen ihr Grundstück so dermaßen verfallen, dass man diese eigentlich anzeigen sollte, dachte er, und konnte sich gerade noch begrabbeln und stürzte nicht!
Hastig suchte er nach dem Autoschlüssel.

Den Wagen parkte er immer hier, einige Meter weiter neben den Stromversorgungskästen. Hier stand alles eben ein wenig besser, geschützter. Außerdem war er so gezwungen, einige Meter zu laufen. Sich zu bewegen.

Ja, er hatte mittlerweile ein paar Pfunde mehr auf den Rippen, naja, er war ja auch keine 28 mehr.

Ein Blick auf das Armaturenbrett und die Uhr zeigten ihm, dass er den Zug nicht mehr schaffen würde. Er pendelte schon mal´ zum nächstgelegenen Bahnhof, um von dort per Regionalexpress in die größeren Städte zu gelangen.
Ausgerechnet heute wollte alles nicht so klappen.

Seit er vor einigen Jahren seinen Job verloren hatte, wollte ihm scheinbar nichts im Leben mehr gelingen. Eine Festanstellung hatte er seitdem nicht mehr erhalten.
Er hing öfter daheim nutzlos herum und setze ein wenig an und wurde mutloser.
Als dann seine langjährige Freundin, die mit ihrem Sohn bei ihm gewohnt hatte, ihn vor einigen Monaten Hals über Kopf verließ, brach seine Welt völlig zusammen.
Die gesamten Wein-Vorräte im Keller hatte er seit diesem Tage geleert
... und sich dann endlich letzten Freitag dazu durchgerungen, zu diesem Vorstellungsgespräch zu fahren!
Ein alter Schulfreund, den er immer einmal wieder traf, hatte ihm zugeredet, sich endlich wieder etwas zu suchen,
ein Hobby, eine Beschäftigung, einen Job! Die vom Arbeitsamt hatten selten was´ dabei für ihn.

Nun, da saß er also, nassgeschwitzt hinter dem Autosteuer und traf tatsächlich zu spät am Bahnhof ein. Die Schlusslichter der Bahn konnte er noch so eben erblicken.

Ein wenig über den ausgemachten Termin hinaus kam er beim Vorstellungstermin an.
Aufgeregt brabbelte er vermutlich ziemlich wirres Zeug.
Erst zu spät bemerkte er, dass er dem Personalchef von seinem letzten Traum erzählt hatte, und, von diesem unsäglichen Morgen.

Meine Güte, er war hier doch nicht bei seinem Psychotherapeuten! Er schwitzte noch immer und seine Hände zitterten, ein wenig nur. Kaum sichtbar, eigentlich.

Abrupt unterbrach er seinen Redeschwall und schaute in die Augen seines Gegenübers.

Verflixt.
Schon wieder einmal an diesem Morgen.
Mittlerweile war es eher Mittag.
Was sah er denn da bloß, in diesen Augen!?

Ruhig und friedlich beobachtete dieses Augenpaar sein Gesicht und Angst erfüllte ihn sogleich. Es gibt solche Momente, dachte er bei sich, es gibt solche Tage… da gelingt nichts! Zu viele dieser Tage hatte er schon erleben müssen, und jetzt schaute er in diese ruhigen Augen.

Sie schienen aufmerksam und gar nicht böse.

Verwirrt stand er auf, faselte was von einer Entschuldigung, und schlich zur Ausgangstür. Diesen Job würde er nie bekommen, nach DER Nummer hier heute.

Wie konnte er denn auch nur von allen seinen Sorgen so dermaßen ehrlich erzählen?! Das interessierte doch einen solchen Menschen nicht!
Der würde ihn nach diesem Vorstellungsgespräch bestimmt nicht einstellen.

Diese Augen schienen jetzt verwundert, als er die Türklinke in die Hand nahm. Wohin, schienen sie zu fragen!?
Der Personalchef hatte sich ebenso erhoben und sagte irgendetwas, doch er hörte nicht mehr hin.
Er wollte nur noch raus, schämte sich. Einem wildfremden Menschen, und dann auch noch in einer solchen Situation von seinen Problemen zu berichten… wie konnte er nur!?

Das letzte, was er noch deutlich vernahm, waren die Worte…
„ Bitte, bleiben Sie doch“ … und „ ähhh, gut, Sie hören dann von uns…“

Schnell verließ er diesen Gebäudekomplex und schnell diese Stadt! Es gibt eben solche Tage, sagte er sich, da wird es sogar schlimmer. Angst erfüllte ihn erneut und schnell suchte er sein Zu Hause auf, um sich irgendwie zu beruhigen.
Gut, dass kein Wein mehr im Hause war. Er wollte dieses Zeug eh´ nicht mehr anrühren. Verflixt, wäre er doch NIE zu diesem Vorstellungtermin gefahren.

Gute zwei Wochen später klingelte der Postbote an der Tür.
Wieder eine unruhige Nacht gehabt.
Noch unrasiert an diesem Morgen schlurfte er zur Wohnungstüre.
Ein Einschreiben für ihn.
Fassungslos öffnete er noch im Beisein des Briefzustellers seine Post … ungläubig schaute er auf das Stück Papier in seinen Händen …

“ Wir freuen uns, Sie in unserem Team ….“ …
„… bitte erscheinen Sie am … um 8.30Uhr bei …“

Und so weiter …

...eine Chance?! Wirklich eine Chance...?


Es gibt solche Tage, da …
könnte sich vielleicht doch Etwas ändern, Etwas verbessern.


ERZÄHLUNGEN

... Böse Träume, Depressionen und LEBEN ansich


Text: AAT, Juni 2015, spontan
Foto: AAT
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 04.06.2015 | 11:22  
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Christiane Bienemann aus Kleve | 04.06.2015 | 12:01  
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 04.06.2015 | 19:09  
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