Deilbachhammer - ein Juwel verkommt

Anzeige
  Industriedenkmäler gehören zum Ruhrgebiet und geben Zeugnis seiner Geschichte. Das wohl berühmteste – die ehemalige Zeche Zollverein – ist mit der Umgestaltung zu einem neuen Wahrzeichen des Ruhrgebietes geworden. Dies hat sich die Öffentliche Hand einiges kosten lassen.
Es gibt aber auch die kleinen Industriedenkmäler, die helfen sollen, uns das Wissen über alte Technik und über das Arbeitsleben unserer Vorfahren zu erhalten.
In Dilldorf, genau im Deilbachtal, haben wir gleich eine ganze "Museumslandschaft", zu der mehrere Industriedenkmäler gehören. Ein wichtiger Teil dieser alten industriellen Anlagen ist der Deilbachhammer, dessen Ursprung ins 16. Jahrhundert datiert wird. Er gilt als der letzte Eisenhammer des Ruhrgebiets am originalen Standort.
Es handelte sich dabei um einen Eisenhammer mit zwei Schwanzhämmern und zwei Wasserrädern, die vom abgeleiteten Deilbachwasser angetrieben wurden. Die Hämmer schmiedeten mit Gewichten von 2,5 Zentnern bzw. 1 Zentner Teile aus Eisen, die für die aufkeimende Industrie in der Umgebung benötigt wurden. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen Ausbesserungsarbeiten für die Prinz-Wilhelm-Eisenbahn hinzu. An Kleinteilen wurden Werkzeuge, Achsen und Pflugschare geschmiedet.
Die Gebäude, wie sie heute am Originalplatz zu sehen sind, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Gegenüber dem eigentlichen Hammerwerk befinden sich zwei alte Gebäude, die einmal als Wohnhäuser für den Hammermeister und für die Arbeiter dienten. Aber auch der Krupp-Gründer Alfred soll dort um 1835 gelegentlich übernachtet haben, wenn er für seine Firma angefertigte Eisenteile am Deilbachhammer abholte.
1917 brach die Hauptwelle des Hammers, und die gesamte Anlage wurde stillgelegt. Der Verfall begann. Erst 1936 wurden mit Unterstützung der Firma Krupp und anderen Förderern Sicherungsmaßnahmen durchgeführt und der Hammer weitgehend wieder hergestellt, jedoch verfiel er dann im 2. Weltkrieg erneut.
Um 1960 erwarb die Stadt Essen die Anlage. Als Außenstelle des Ruhrlandmuseums sollte der Hammer wiederhergestellt und zu Vorführungen betrieben werden. Dies geschah auch zeitweise in den 80er und 90er Jahren, ohne dass aber eine grundlegende und sichernde Sanierung vorgenommen wurde. Die Hämmer wurden elektrisch betrieben, da die Wasserkanäle für die Wasserräder zerstört waren. Immer wieder überspülte der Deilbach mit seinem Wasser und Schlamm das Hammergebäude und ließ es soweit verfallen, dass die Vorführungen eingestellt werden mussten. Im Jahr 2000 wurden Sicherungsarbeiten durchgeführt, bei denen Essener Schüler halfen. Eine wirkliche Wende brachte das nicht. Der Deilbach überschwemmte weiterhin das Gebäude, die unbewohnten Häuser sind eher Ruinen, die Umgebung wurde und wird nicht gepflegt.
2007 wurden 1,3 Millionen Euro für eine Sanierung veranschlagt – Geld, das Essen nicht hat. Allzu lange hat man dem Verfall zugesehen, so dass die Kosten auf diese Summe stiegen. 2009 stellte der Landschaftsverband Rheinland 84.000 Euro zur Verfügung, für die derzeit Sicherungsmaßnahmen am Arbeiterhaus durchgeführt werden. Ein Tropfen auf den heißen Stein – denn das Industriedenkmal im Deilbachtal verfällt weiter und ist in Gefahr, seinen Denkmalstatus zu verlieren. Damit droht der Deilbachhammer, ein wirkliches Juwel unter den Hämmern im Ruhrgebiet, für immer aus unserer Heimat zu verschwinden.

(Evtl. Korrekturen und Ergänzungen zum Thema sind willkommen!)

Literatur:

Schäfer/Kirchner, Kupferdreh auf Kohle und Stein; 1983
Busch, Kupferdreher Denkmalpfad; 2003

http://www.ruhrzeiten.de/Deilbachhammer.htm
http://www.ruhrmuseum.de/de/museum/deilbachtal.jsp

Fotos: Oktober 2010/Januar 2011 (Reuter)
0
3 Kommentare
Dirk Bohlen aus Wesel | 23.01.2011 | 13:45  
336
Anke Loehl aus Essen-Ruhr | 28.01.2011 | 13:36  
109
Magdalena Reuter aus Essen-Ruhr | 05.11.2015 | 17:20  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.