Die Vergessenheit des Krieges: Essener Fotograf an Kunstaktionen in Polen beteiligt

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Olaf Eybe (l.) und Wojciech Olejniczak (r.) freuen sich über den Zuspruch nach ihrer gelungenen Performance. Foto: Michal Sita
 
Von mehreren Projektoren aus wurden deutsche und polnische Kriegsbilder auf im Foyer der Universität verteilten Stellwänden projiziert. Foto: Universität Poznan
Gleich zwei Kunstprojekte präsentierte der Essener Fotograf und Autor Olaf Eybe vom 11. bis zum 14.11. in Poznan / Posen (Polen). Auf Einladung der Adam Mickiewicz Universität und der Polnischen Akademie der Wissenschaften zeigte er im neu eröffneten Historicum der Universität eine Auswahl seiner Auschwitz-Fotos. Außerdem war er gemeinsam mit dem polnischen Künstler Wojciech Olejniczak für das Multimedia-Projekt „Die Kunst des Zeugnisses“ verantwortlich.

Beide Aktionen fanden im Rahmen einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz, die u.a. von der Stiftung für Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit gefördert wurde, zum Thema „Die Vergessenheit des Krieges“ statt.

Den Dingen auf den Grund gehen

Anfang des Jahres war Olaf Eybe mehrere Tage auf dem gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz unterwegs. Während seines Aufenthalts ging es dem Essener nicht darum Dokumentationsfotos zu machen, er war mit einem anderen fotografischen Konzept nach Polen gereist: „Ich bin ganz nah an verschiedene Objekte – z. B. Schilder, Wände, Galgen und Türen – herangegangen, um den Dingen quasi auf den Grund zu gehen.“ So ist den Fotos auf den ersten Blick nicht anzusehen, wo sie zu verorten sind, aber durch den Kontext wird schnell deutlich, was dort zu sehen ist und welche Spuren die Zeit an den jeweiligen Objekten hinterlassen hat. Außerdem entsteht eine Wechselwirkung mit dem jeweiligen Betrachter, vor dessen Augen die grausame Vergangenheit und die Vergänglichkeit wach werden. „Nach ersten Beispielen, die während der Ausstellung ,Gegen das Vergessen‘ zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZs Auschwitz in Essen gezeigt wurden und der aktuellen Präsentation in Poznan zeichnet sich ab, in welche Richtung meine konzeptionelle Beschäftigung mit dem Thema weiter geht. Der Erfolg der Präsentation in Polen macht Mut für weitere Aktivitäten in diesem Bereich der Fotografie“, so Olaf Eybe.

Zeugnisse der Vergangenheit

Die beiden Autoren der Ausstellung „Die Kunst des Zeugnisses” – Wojciech Olejniczak aus Posen und Olaf Eybe aus Essen – verbindet ein gemeinsamer Auftrag. Beide erhielten unabhängig voneinander Familienfotosammlungen aus der Kriegszeit geschenkt, um damit Verständigungsarbeit zu leisten. Auf diese Weise wurden die beiden Künstler zu Erben einer schwierigen Vergangenheit ihrer Zeitzeugen – eines polnischen und eines deutschen Soldaten. „Sie können damit etwas Besseres machen als ich”, sagte die Tochter des Soldaten Helmut Riemann zu Olaf Eybe. „Sie werden wissen, was damit zu machen ist”, sagte die Tochter eines polnischen Häftlings eines Kriegsgefangenenlagers zu Wojciech Olejniczak. Olaf Eybe hatte unter Federführung des Museums zur Geschichte der Fotografie in Krakau aus den Bildern von Helmut Riemann vor einigen Jahren bereits eine vielbeachtete Fotoausstellung gemacht. Nun wurden die geschenkten Fotos Teil einer Multimedia-Performance im Foyer des Historicums der Universität in Poznan. Auf Stellwänden, die den großen Raum teilten, wurden die Bilder eingeblendet, gerieten in Bewegung, stellten die Personen in den Mittelpunkt und gipfelten in Gräbern und Zeugnissen vom Tod der Protagonisten. Dabei sollte das Publikum sich die Ausstellung erlaufen, denn die Bilder wurden von Großprojektoren aus verschiedenen Perspektiven gezeigt. Zum Schluss der Präsentation wurde ein Kurzfilm gezeigt, der die Übergabe der polnischen Bilder dokumentiert und das Vergessen, Verdrängen und schmerzhafte Sich-Erinnern von Hinterbliebenen verdeutlicht. Die Bilder wurden untermalt von Cello-Improvisationen von Bartłomiej Zboralski. „Das Projekt war keine Rückkehr zu der schwierigen deutsch-polnischen Vergangenheit, sondern ein Projekt, gerichtet auf die Zusammenarbeit und das Wirken zweier Künstler, die in einem Verhältnis zu den Helden der Vergangenheit stehen und die es schaffen ihre Verständigungsarbeit auf das Publikum zu übertragen“, fasst Justyna Budzinska von der Universität Poznan ihre Eindrücke zusammen.

Weitere Informationen über Olaf Eybe

Weitere Informationen über Wojciech Olejniczak

Das Programm der Tagung „Die Vergessenheit des Krieges“
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