Kupferdreh ist Pilot für Deutschland

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Kick off! Von links: Wolfgang Rüskamp (Vorsitzender der BSK), Botschafter Prinz Stefan von und zu Liechtenstein, Livia Daveri (Landesweite Koordinationsstelle für kommunale Integration),Prof. Dr. Jürgen Gramke (Chairman INEA und Vorsitzender des Kuratoriums der Bürgerschaft), Otto Grimm (Stv. Vorsitzender der Bürgerschaft).
 
Rollenspiel im Rahmen des Sprachkurses für Flüchtlinge. Die Sprachvermittlung nach dem Liechtensteiner Modell hat mit traditionellem Unterricht nichts zu tun.
Essen: Bürgerschaft Kupferdreh | Es bedarf keiner Diskussion, dass die fehlende Sprachfähigkeit der nach Deutschland kommenden Asylsuchenden das Haupthindernis für die ersten Schritte in unserem Land ist, etwa bei Arzt- oder Behördengängen oder beim Einkaufen. Ohne Sprachfähigkeit bestehen Orientierungs- und Hilflosigkeit. Außerdem ist die Sprache die wichtigste Voraussetzung zur Integration.
Hier muss sich etwas ändern. Es braucht Konzepte, die schnell bundesweit eingesetzt können und eine Wirkung zeigen, auch außerhalb Deutschlands, im gesamten deutschsprachigen Raum.
In Liechtenstein ist mit starkem ideellen und finanziellen Engagement des Fürstenhauses und der Liechtensteiner Regierung ein neuer Weg der Sprachvermittlung entwickelt worden, durch den Menschen ohne jegliche Sprachkenntnisse innerhalb von zwei bis vier Wochen allein durch mündliche Lernvermittlung eine Mindestsprachfähigkeit erreichen, die für die ersten Schritte ausreichen sind.
Der Pilotkurs für Deutschland fand vom 1.-12. Februar in Kupferdreh statt. Träger der Veranstaltung waren die Botschaft Liechtensteins, der Verein Neues Lernen aus Liechtenstein, das Institute for European Affairs (INEA) und die Bürgerschaft Kupferdreh, die sich seit langer Zeit schon beispielhaft um die Flüchtlingsbetreuung im Stadtteil kümmert. Im Anschluss wird der erste Kurs für Österreich in Wien stattfinden.
Ein Ausbildungsteam aus Liechtenstein unterrichtete in dem Kurs „Train the Trainer“ 14 zukünftige Trainer aus Deutschland, die dann ihrerseits die nächsten Trainer ausbilden sollen. Dies soll dann Schritt für Schritt neben der Vermittlung der Sprachkompetenz auch weitere Trainerausbildungen nach sich ziehen. Hoffnung und großes Ziel dabei ist es, nach Möglichkeit durch eine Art „Schneeballsystem“ in rascher Folge so viele neue Trainer auszubilden, dass eine wirkliche Sprachvermittlungswelle ausgelöst werden kann. Diese sollen natürlich nicht die Sprachvermittlungsangebote anderer Institutionen wie etwa den Volkshochschulen oder dem Goethe-Institut ersetzen – Angebote, die in einem zweiten Schritt zu einem qualifizierten Sprachfähigkeitsabschluss führen.
Zu dem Pilotprojekt in Kupferdreh hat der Zentralrat der Muslime zwei Teilnehmer entsandt, zwei kommen aus der Evangelischen Kirche Rheinland und der Evangelischen Kirche Westfalen und zwei weitere vom Bistum Essen. Je eine Teilnehmerin schickten die Zentralstelle für Kommunale Integration (Sozialministerium NRW) und die Malteser Deutschland. Zwei Vertreterinnen der Joblinge und drei von European Home Care, einem wichtigen Träger von Asylbewerberunterkünften, vervollständigten den Teilnehmerkreis.
Der Ablauf des Unterrichtstages ist gestaffelt: Vormittags werden Flüchtlinge unterrichtet, nachmittags die künftigen Trainer. In den folgenden Tagen führen bereits die neuen Trainer selbst den Unterricht mit den Asylbewerbern durch und gewinnen so ihre eigenen Erfahrungen mit Unterstützung der Begleiter und Ausbilder.
Im Verlauf der zwei Kurswochen in Kupferdreh waren nicht nur die Trainer, sondern auch die Flüchtlinge mit wachsender Begeisterung dabei. Konnten sich die Trainer nach den ersten zwei Tagen noch gar nicht vorstellen, selbst einen Kurs zu leiten, waren am Ende alle sicher, dies mit der erworbenen Kompetenz zu schaffen. Die erworbene Sprachkompetenz führte bei den Kursteilnehmern, die bislang noch keine Berührungspunkte zur deutschen Sprache hatten, auch zu mehr Selbstsicherheit. Über die Aussage eines Kursteilnehmers „Ich hätte mich vorher nie getraut, jemanden einfach anzusprechen, aber jetzt kann ich das!“ freute sich das gesamte Trainerteam besonders. So hatte der Kurs allen Teilnehmern, sowohl den alten und neuen Trainern, als auch den Asylbewerbern viel Spaß gemacht. Schließlich wurde ja auch nicht nur stur Grammatik gebüffelt, statt dessen wurde viel gelacht.


www.buergerschaft-kupferdreh.de
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