Drei Fragen an Schiedsmann Stefan Hagemann, Steele/Kray

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Schiedsmann Stefan Hagemann
 
Amtsschild während der Weimarer Republik

Stefan Hagemann ist seit 2007 Schiedsmann für Kray und Steele. Seit einem Jahr ist er Vorsitzender der Bezirksvereinigung Essen im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. -BDS-

„Herr Hagemann, Sie sind von Beruf Krankenpfleger auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Ein extrem anstrengender und verantwortungsvoller Job.
Außerdem sind Sie verheiratet, Vater und Großvater. Wie schaffen Sie es, daneben noch mit voller Hingabe die ehrenamtliche Tätigkeit eines Schiedsmanns auszuführen und woher nehmen Sie die Kraft dazu?“

„Es sind ja nur noch vier Kinder zuhause. Dennoch erfordert es eine gute Logistik um Familie, Beruf und Ehrenamt unter einen Hut zu bringen. Ohne den Rückhalt und die Rücksichtnahme meiner Kinder und insbesondere meiner Frau, wäre die Ausübung der Tätigkeit eines Schiedsmanns für mich nicht möglich. Ein Ehrenamt auszuüben bedeutet Zeit zu investieren. Zeit, die ich durch meine Wechselschichttätigkeit im Beruf schlecht planen kann. Zusätzlich muss gewährleistet sein, dass bei den Schlichtungsverhandlungen niemand von meiner Familie zuhause ist. Da hilft es doch sehr, dass ich als Schiedsmann in der Lage bin, die Termingestaltung rund um meinen Dienstplan zu legen. Woher ich die Kraft nehme? Wahrscheinlich aus dem Glauben heraus, dass eine Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn man sich als Bürger ehrenamtlich einbringt, egal in welchem Bereich.“

„Wie ich gehört habe, ist Ihr Steckenpferd die Geschichte des Schiedsamtes. Ein doch recht außergewöhnliches Hobby. Wie kam es dazu und ist dies mit ein Grund, dass Sie sich für ein Schiedsamt beworben haben?“

„Es stimmt, dass mich die Geschichte des Essener Schiedsamtswesens seit der Einführung im Jahre 1879 sehr interessiert. Grundsätzlich interessiert mich die Lokalhistorie von Kray und Steele. Ich war aber bereits Schiedsmann als ich feststellen musste, dass es bislang noch keine umfassenden schriftlichen Ausarbeitungen zu unserer Geschichte gibt. Seitdem versuche ich diese Lücke in der Essener Geschichtsschreibung zu schließen. Und, wie auch bei meiner Tätigkeit als Schiedsmann, lerne ich auch bei meinen Nachforschungen über das Wirken von über 800 Essener Schiedspersonen immer wieder neue Aspekte des gesellschaftlichen Miteinanders kennen.“

„Worin sehen Sie den Erfolg Ihrer Tätigkeit?“

„Wenn Sie hier die Tätigkeit als Schiedsmann meinen, dann sehe ich für mich den Erfolg darin wenn ich helfen kann, ein gedeihliches nachbarschaftliches Auskommen der streitenden Parteien zu ermöglichen und dabei den Personen den langwierigen und kostenintensiven Gang zum Gericht ersparen kann. Einmal habe ich es sogar schon erleben dürfen, dass ein getrenntes Paar aufgrund der Schlichtungsverhandlung wieder zueinander gefunden hat. Das ist doch wahrlich ein wunderbarer Erfolg!“

Das Interview führte Schiedsfrau Manuela Molitor. Wer mehr über die Aufgaben des Schiedsamtes erfahren möchte, dem kann auf der  Homepage der Bezirksvereinigung Essen im Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. geholfen werden.

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