Kupferdreh: Freiwillich e.V. rettete zwei Pferde vor dem Schlachter - Spender gesucht

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V.l.: Kathrin Hermans, Ilka Wienhöfer und Bettina Hagemann mit dem getetteten Hengst "Life"
 
Ilka Wienhöfer mit Stute Hope. Die geretteten Pferde genießen die Offenstallhaltung auf dem Singscheider Hof - sind den ganzen Tag an der frischen Luft, wenn auch noch separiert von den anderen Pferden.
 
Life bewegt sich schon recht sicher auf der Koppel.

Life reckt seinen Kopf empor und lässt sich den warmen Wind um die Nase wehen. Der Hengst genießt den sonnigen Tag im Freien sichtlich. Wann Life und seine Gefährtin, die Stute Hope, das letzte Mal an der frischen Luft gewesen sind, kann man nur erahnen. Es muss Jahre her gewesen sein.

„Wir können wirklich nur vermuten, was diese beiden Pferde über Jahre erlitten haben müssen“, berichtet Kathrin Hermans, 2. Vorsitzende des neu gegründeten gemeinnützigen Vereins Freiwillich e.V. Die Tierfreunde gehen davon aus, dass die Pferde rund sieben Jahre ausschließlich in ihren Boxen verbracht haben. „Tageslicht gab es da nicht, da die beiden Fenster abgedunkelt waren“, erklärt Kathrin Hermans.

Sieben Jahre Dunkelheit und Stillstand

Von den Tieren erfahren haben die Vereinsmitglieder über Tierfreundin Ilka Wienhöfer, die sich ebenfalls ehrenamtlich beim Freiwillich e.V. engagiert und ihre eigenen Pferde auf dem Singscheider Hof in Kupferdreh stehen hat - jenem Ort, der für Life und Hope zur Zufluchtsstätte geworden ist. „Nach dem Tod ihres Besitzers sind das Veterinäramt Gelsenkirchen und eine engagierte Mitarbeiterin des Ordnungsamtes Essen auf das Schicksal der beiden Tiere aufmerksam geworden“, berichtet Ilka Wien­höfer.
Der Ortstermin am Stall schockierte nicht nur die Ordungsbeamtin, auch der Amtstierarzt war erschüttert über den Zustand der Tiere: Die Hufe beider Pferde sind in einem katastrophalen Zustand - viel zu lang und zum Teil verformt. Die Tiere reagierten zuerst empfindlich auf das Sonnenlicht und waren stark gestresst. „Durch die jahrelange Fehlbelastung ist es zudem nicht auszuschließen, dass Knochen und Gelenke deformiert sind“, erklärt Ilka Wienhöfer.
Der Veterinär sollte die für die Stadt günstigste Lösung für die nun halterlosen Perde suchen - das wäre die Schlachtung gewesen, der gängige Weg. Ilka Wienhöfer: „Dem Tierarzt waren die Hände gebunden. Die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes hat um Aufschub gebeten, hat mit dem Veterinär telefoniert. Dann kam die erlösende Nachricht: Die Pferde können nach Kupferdreh!“ Während seiner Freizeit habe der Veterinär sogar noch den Transport der Tiere zum Singscheider Hof organisiert.
Seit der vorletzten Juliwoche stehen die beiden Pferde nun im üppigen Grün Kupferdrehs auf der Anlage, die Tierfreundin Bettina Hagemann, 1. Vorsitzende vom Freiwillich e.V., zusammen mit ihrem Lebensgefährten Frank Krupp führt - neben ihren Vollzeit-Berufen als Inneneinrichterin und Elektro-Ingenieur. Die beiden stecken ihr ganzes Herzblut in den Singscheider Hof, um die Philosophie vom gleichberechtigten neben- und miteinander Leben von Mensch und Tier zu verwirklichen.

Zuflucht auf dem Singscheider Hof

Der Pensionsstall ist ein Idyll, bevölkert von 40 Pferden und Ponys, Hunden und Katzen, dem Hofmaskottchen „Pedro“ - einem „ausgemusterten“ Esel aus dem Tierpark Bochum - und nun auch Life und Hope. „Für den Freiwillich e.V. ist die Rettung der beiden Pferde nur ein Puzzlesteinchen der Arbeit“, erklärt Kathrin Hermans. Die Vereinsmitglieder führen eine Reihe von Aktionen durch, z.B. einen Zukunftsmarsch für artgerechte Tierhaltung am 1.Mai, Vier-Jahreszeiten-Ritte unter dem Motto „Grenzenlos reiten“ und wollen in Zukunft verstärkt mit sozialen Einrichtungen zusammenarbeiten. So hat sich kürzlich ein Kontakt zum Seniorenheim Deilbachtal ergeben. Eine Gruppe von Senioren wird in Zukunft häufiger auf dem Singscheider Hof bei Kaffee und Kuchen das bunte Treiben genießen und die Pferde kennenlernen.
Das Leben hier, nach den Jahren der Dunkelheit und des Stillstands, ist für Life und Hope „ein richtiges Aufblühen“, wie Kathrin Hermans sagt. „Die beiden sind die ganze Zeit nur in Offenstallhaltung und lassen sich den Wind um die Nase wehen.“
Bei all der Freude über die neu gewonnene Freiheit schwingt auch Sorge mit. Um die Pferde wird es vermutlich noch für längere Zeit nicht zum Besten bestellt sein. „Voraussichtlich wird es mindestens zwei Jahre dauern, bis die Pferde wieder o.k. sind“, schätzt Kathrin Hermans. Reitbar werden die beiden nach der Prognose der Pferdefreunde vielleicht nie mehr sein. Life scheint die vergangenen Qualen leichter zu verkraften, wenngleich der Zustand seiner Hufe viel schlimmer ist als bei Hope. „Er zeigt sich freundlich, neugierig und genießt seine neu gewonnene Freiheit bereits in vollen Zügen“, so Kathrin Hermans. „Trotz seiner völlig deformierten Hufe bewegt er sich recht sicher, lässt sich problemlos überall streicheln und gibt vorsichtig die Hufe.“ Hope ist noch deutlich ängstlicher und gestresster. „Sie braucht viel Zeit, Ruhe und liebevolle Aufmerksamkeit.“

Noch viele Behandlungen notwendig

In der vergangenen Woche wurden die Hufe von einem Hufschmied des Vertrauens ausgeschnitten und werden nun in kleinen Schritten zurück in eine normale Hufform gebracht. Ilka Wienhöfer: „Hier arbeiten richtige Hufexperten nun Hand in Hand mit der Tierärztin und der Tierheilpraktikerin.“
„Wir wissen, dass noch viele Behandlungen und auch Momente der Ungewissheit, wie es mit den beiden weitergeht, auf uns zukommen“, weiß Kathrin Hermans. Sie weiß aber auch, welche Chance sich für Life und Hope bietet. Ihr eigenes Pferd Morti, das auch auf dem Singscheider Hof lebt, ist einst ebenfalls vorm Abdecker gerettet worden. „Er war zunächst ganz eigen und gar nicht verträglich mit den anderen Pferden. Nun ist er Clown des Hofs und Chef unter den Pferden“, lacht Kathrin Hermans. Morti apportiert mit Vorliebe Gegenstände, kann seinem Frauchen die Jacke ausziehen und spielt auch ganz toll Fußball. „An Morti sehe ich, was aus solch einem Pferd werden kann.“
„Ein Ausspruch des Dalai Lama lautet ‚Das Leben aller Lebewesen, seien sie nun Menschen, Tiere oder andere, ist kostbar und alle haben dasselbe Recht, glücklich zu sein‘. Dies ist so etwas wie das Motto unseres Hofs“, erklärt Bettina Hagemann. Und für Ilka Wienhöfer und die anderen Mitglieder vom Freiwillich e.V. ist vollkommen klar: „Den beiden Pferden müssen wir helfen, so gut es geht. Für beide beginnt jetzt bei uns ein neuer Lebensabschnitt.“ Deshalb haben die Tierfreunde sie auch in Life und Hope umgetauft. „Leben“ und „Hoffnung“. Tegano und Titania hießen sie vorher. Aber das war in einem ganz anderen Leben.

Spender gesucht

Da die Behandlungen kostspielig sind, wird jede Spende - und sei sie noch so klein - dankend angenommen.
Spendenkonto: Kontoinhaber Freiwillich e.V., Konto 0119685965, bei der ING-DiBa, BLZ 50010517, Stichwort „Hope und Life“.
Auf dem Singscheider Hof, einem Pensionsstall mit artgerechter Offenstallhaltung am Singscheider Weg 15, ist außerdem jeder willkommen - ob nur zum Schauen oder Mitanpacken.
Ausführliche Infos über den Singscheider Hof und den Freiwillich e.V. gibt es unter www.singscheider.de und www.freiwillich.info
Kontakt: Tel.: 0201/615 88 33 45 oder E-Mail: info@singscheider.de
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