Überruhr und das Tief Mitteleuropa

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Über den Feldern des Grootehofs drohen Unwetter. Foto: Ulrike Czepluch
Langsam verziehen sich die schweren Gewitter mit den unglaublichen Schadensbildern, die man in den Hauptnachrichten sehen konnte. Doch wie war es auf der Ruhrhalbinsel? Die Warnkarten des Deutschen Wetterdienstes waren kunterbunt, was aber keinesfalls schön war, denn sie zeigten eine beständige Gefahr. Das punktuelle Erscheinen der heftigen Gewitter mit den enormen Starkregenmengen, die zu erwarten waren, bedrohten auch Überruhr. Diese Tatsache wurde auch noch durch ausführliche Warnlageberichte untermauert.

Mit den Mitteln der Fernerkundung war erkennbar, wie viele Gewitter mit direktem Kurs auf die Ruhrhalbinsel unterwegs waren. Manche Gewitterzellen fielen zusammen, schwächten sich ab und manche intensivierten sich und zogen knapp an uns vorbei. Man konnte hier von einem Streifschuss sprechen.

Die Großwetterlage „Tief Mitteleuropa“ begann sich am 26. Mai zu festigen und wurde, was die Dauer betrifft, außergewöhnlich hartnäckig. Am 30. Mai gab es über der Ruhrhalbinsel bereits in den frühen Morgenstunden Gewitter, die es am Ende des Tages auf eine Gesamtniederschlagsmenge von 38 Litern / 12 Std. auf den Quadratmeter brachten. Hier war die Bezeichnung „Sommergewitter“ eher zutreffend als Unwetter, wenn man einen Vergleich zu Meldungen mit über 100 Litern auf den Quadratmeter zieht.

An den Folgetagen fielen am 1. Juni 12 Liter pro Quadratmeter, sowie am 2. Juni mit ebenfalls 12 Litern pro Quadratmeter. Der 3. Juni hatte dann nur 5 Liter zu bieten. Mit einer gewissen Sorge blickte man immer wieder zum Himmel und bekam auch teilweise interessante Anblicke geboten. Während sich die Katastrophenmeldungen aus vielen Regionen Deutschlands häuften, blieb es bei uns an der Ruhr eher ruhig.

Das sollte sich am 7. Juni ändern, denn kurz nach 14 Uhr traf auch dann uns ein Unwetter. Der Deutsche Wetterdienst gab die höchste Warnstufe vor extremen Unwetter aus und der Katastrophenschutz verbreitete ebenfalls diese Nachricht. In Überruhr fielen 24 Liter Regen pro Quadratmeter in einer Stunde und am Ende der Niederschläge wurden 35 Liter als Gesamtmenge ermittelt.

Trotzdem können wir alle noch „Glück gehabt“ sagen! Denken wir an die Menschen, die ums Leben gekommen sind, die schwer verletzt wurden und die alles verloren haben, was sie hatten, dann wird uns vielleicht bewusst, wie groß unser aller Glück war. Das es so bleibt, ist aber keinesfalls sicher. Der Klimawandel darf daher nicht nur zu Unwetterzeiten im Gespräch bleiben.

Die wissenschaftlichen Einschätzungen der nun (fast) vergangenen Situation sind noch nicht zum Abschluss gebracht worden. Es gibt leider auch keinen Abschluss in Sachen Extremunwetter. Man wird sich in unserem kleinen Überruhr, sowie global auf das einstellen müssen, was da noch kommen wird. Nur wie? Viel steht und fällt hier auch mit dem politischen Willen.
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 08.06.2016 | 21:50  
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