Wetterextreme 2014 - ein Rückblick des DWD

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Für alle Leser, die ein Interesse daran haben, zu erfahren, wie sich das Wetter im nun bald vergangenen Jahr in Zahlen und Fakten präsentiert hatte, folgt nun ein lesenswerter Bericht des Deutschen Wetterdienstes (DWD):
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Wetterextreme 2014

Das Jahr neigt sich allmählich seinem Ende zu. Auch im Jahr 2014 gab
es wieder zahlreiche Wetterextreme. Eine Auswahl dieser Ereignisse
zeigt die folgende Zusammenfassung:
Das Jahr 2014 startetet startete sehr mild. Ursache dafür war eine
extreme Kältewelle im Nordosten Kanadas und der USA. Die Kaltluft
floss über Neufundland über den milden Atlantik aus, wo sich in der
Folge immer wieder kräftige Tiefdruckgebiete bildeten, die auf ihrer
Vorderseite mit einer südlichen Strömung warme subtropische Luft nach
Europa führte. Höhepunkt der frühlingshaften Witterung war der 9.
Januar, als in Süddeutschland vielerorts Höchsttemperaturen über 16
Grad gemessen wurde.

Diese Wetterlage hielt im Wesentlichen den ganzen Winter über an. Nur
in der 2. Januarhälfte wurde diese Strömung kurzzeitig durchbrochen,
als ein Skandinavienhoch mit einer Nordöstlichen Strömung sibirische
Kaltluft in den Nordosten führte, die dort für etwa 2 Wochen für
frostige Temperaturen sorgte. Im Westen kam die Kälte nie richtig an,
somit erlebten wir in Deutschland einen der wärmsten Winter des
letzten Jahrhunderts. Größere Niederschläge gab es nicht, sodass der
Winter am Alpennordrand und in den Mittelgebirgen extrem Schneearm
ausfiel. Im Tiefland gab es an vielen Orten überhaupt keinen Schnee.


Auch das Frühjahr war durch oft lang andauernde Hochdrucklagen mit
häufiger Warmluftzufuhr deutlich zu warm. Dabei gestaltete sich
besonders der März über längere Zeit sehr trocken. Die Vegetation war
der Jahreszeit deutlich voraus. Kurz vor Ostern kam es Mitte April
nochmals zu einem Kaltlufteinbruch, der ein paar Zentimeter Schnee in
den Mittelgebirgen und Nachtfröste bis in tiefe Lagen brachte. Diese
Fröste richteten an der bereits fortgeschrittenen Vegetation in
manchen Gebieten größere Schäden an.

Der Juni verlief durch häufige Hochdrucklagen relativ trocken.
Dennoch gab es einige schwere Gewitterlagen. Hervorzuheben ist
hierbei das Unwetter am Pfingstmontag am 9. Juni. An diesem Tag
befand sich eine markante Luftmassengrenze über Westeuropa.
Deutschland lag im Einflussbereich sehr warmer und schwüler Luft mit
Temperaturen von bis zu 38 Grad. Dabei bildeten sich im Tagesverlauf
östlich der Luftmassengrenze schwere Gewitter über Ostfrankreich, die
sich angefacht durch starke Höhenwinde in einer kräftigen
Gewitterlinie organisierten. Diese Gewitterlinie überquerte am Abend
und in der Nacht zum 10.6. mit Sturmböen Norddeutschland. Am
heftigsten betroffen war jedoch das Ruhrgebiet, wo verbreitet
Orkanböen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 144 km/h auftraten.
Zahlreiche Bäume wurden entwurzelt und Dächer abgedeckt. Der Verkehr
wurde lahm gelegt. Dies war eine der schlimmsten Gewitterlinien, die
in den letzten 50 Jahren NRW überquert hat.

Im Juli und im August stellte sich die Großwetterlage um.
Tiefdruckgebiete setzten sich über Mitteleuropa fest. Immer wieder
entwickelten sich kräftige Gewitter, die sich kaum verlagerten und
lokal sehr große Regenmengen produzierten. Somit kam es immer wieder
zu Überflutungen von Straßen und Unterführungen und voll gelaufenen
Kellern. Besonders schlimm getroffen hat es am 28.7. Münster. Ein
stationäres Gewitter lud extreme Regenmengen ab und verwandelte
Straßen in reißende Bäche. Eine Station des Landesumweltamtes
registriere 292 mm in 7 Stunden.

Diese Wetterlage führte dazu, dass besonders der Juli in Deutschland
deutlich zu Nass wurde. Der Juli und besonders der August waren im
Vergleich zu den Sommern der letzten Jahre auch etwas zu kühl.
Dafür gestaltete sich der September recht warm. Häufige
Warmluftvorstöße aus Südwesten sorgten oft noch für sommerliche
Temperaturen. Auch die Gewittersaison ging im September in die
Verlängerung. Einen ersten richtigen Kaltlufteinbruch gab es am
22.09. Dabei gab es den ersten Schnee auf den höchsten Gipfeln der
südlichen Mittelgebirge.

Im Oktober und November stellte sich eine ähnliche Wetterlage wie im
vergangen Winter ein. Auf der Vorderseite eines Atlantiktiefs
gelangte oft sehr warme Luft nach Deutschland. So wurde im Oktober
häufiger die 25 Grad Marke geknackt. Auch Anfang November gab es
nochmals Temperaturen von bis zu 23 Grad. Es schien so, als würde der
Sommer nie zu Ende gehen.
Als Herbstorkan blieb Ex-Hurrikan GONZALO in Erinnerung. Er brachte
in Verbindung mit einer Gewitterlinie am 21.10. Orkanböen im
Flachland. Sonst blieb die Sturmsaison relativ ruhig. Erst Mitte
Dezember lebten die Stürme in Mitteleuropa wieder auf. Die Orkantiefs
ALEXANDRA und BILLIE richteten jedoch nur vergleichsweise geringe
Schäden an.

Nachdem es Anfang Dezember bei andauerndem Hochnebel und leichten
Frostgraden auf vielen höher gelegenen Mittelgebirgslagen zu starkem
Reifbruch kam, sodass Straßen und Wälder gesperrt werden musste,
stellte sich ab Mitte Dezember eine sehr milde Westwetterlage ein,
die für Schneemangel in den Mittelgebirgen und in den Alpen sorgte.
Die Temperaturen waren so hoch, dass selbst die Kunstschneeproduktion
unterhalb von 2000 m kaum möglich war.

Der Wetterumschwung kam schließlich zu Weihnachten. Die Strömung
drehte auf West bis Nordwest und führte kalte Polarluft heran. Das
Schneetief HILDRUD brachte im Westen und in der Mitte am 27.
größere Neuschneemengen von 5 bis 10 cm, in einigen Mittelgebirgen
teils über 20 cm. Danach floss arktische Kaltluft ein, sodass in der
Nacht zum 29.12. die kälteste Temperatur mit -24,9 °C in Altheim in
der schwäbischen Alb gemessen wurde. Weitere Schneefälle sorgten
dafür, dass ein Großteil von Deutschland zumindest unter einer dünnen
Schneedecke lag.

Dennoch war der Dezember 2014 deutlich zu warm. Mit 2014 endet in
Deutschland das wärmste Jahr seit den Aufzeichnungen


Dipl.-Met. Christian Herold
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 29.12.2014
Copyright (c) Deutscher Wetterdienst
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