Stadt erhöht Zuschuss: Mehr Geld für die Tierheimtiere

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Froh über die verträgliche Einigung: (v.l.) OB Reinhard Paß, Tierschutzvereins-Vorsitzende Elke Esser-Weckmann und Ordnungsdezernent Christian Kromberg zusammen mit Schäferhündin „Merle“, dem neuen Patentier von Reinhard Paß. Foto: Naujok

Nachdem der Tierschutzverein Groß-Essen e.V. seinen Vertrag mit der Stadt Essen aufgrund unzureichender Finanzmittel zum 30. Juni 2015 gekündigt hat, wurde nun eine gemeinsame Lösung für das Problem gefunden. Am vergangenen Freitag stellten Oberbürgermeister Reinhard Paß und Ordnungsdezernent Christian Kromberg den neuen Vertragsentwurf vor.

Der Tierschutzverein Groß Essen e.V. musste zuletzt um den Erhalt seines Albert-Schweitzer-Tierheim an der Grillostraße 24 kämpfen. Seit 2008 gibt es von der Stadt Essen lediglich einen Zuschuss von 200.000 Euro. Eine Erhöhung um 60.000 Euro gab es für das laufende Jahr. Bei Weitem zu wenig für den Unterhalt des Tierasyls: Etwa 3.000 Tiere passieren das Albert-Schweitzer-Tierheim pro Jahr. Gut 2/3 davon (67%) sind sogenannte Fundtiere und Verwahrtiere - von der Stadt aus nicht artgerechter Haltung oder im Falle des Todes des Besitzers sichergestellt. Eine kommunale Pflichtaufgabe. Zudem übernimmt das Albert-Schweitzer-Tierheim für die Stadt Essen den Betrieb einer Kleintierkörpersammelstelle und hält Quarantänemöglichkeiten für Hunde bereit.

Jährlich Betriebkosten in Höhe von 1,4 Mio. Euro


Etwa 1,4 Mio. Euro muss der Essener Tierschutzverein jährlich für seine Schützlinge aufwenden. Mit 840.000 Euro entfällt über die Hälfte der Summe allein auf die Versorgung der Fund- und Verwahrtiere. Den Löwenanteil muss der Verein bislang aus Mitgliedsbeiträgen und Spendengeldern finanzieren.
„Wir sind am Ende der Belastung angekommen - sowohl hinsichtlich dessen, was wir unseren Mitgliedern abverlangen als auch was wir an Spenden einwerben können“, berichtet Elke Esser-Weckmann, 1. Vorsitzende des Tierschutzverein Groß-Essen e.V.
Jede Kommune ist gesetzlich dazu verpflichtet, die vollen Kosten für die Fund- und Sicherstellungstiere zu tragen. Seit 1982 gibt es den Vertrag der Stadt Essen mit dem Tierschutzverein Groß-Essen e.V. über die Versorgung dieser Schützlinge. „Die Finanzlage ist nie kritisch im Brennpunkt gewesen, weil das Tierheim lange Zeit so hervorragend gelaufen ist“, erläutert OB Reinhard Paß.
Gleichwohl, „die Zeiten, in denen man ein Tierheim ehrenamtlich betreiben kann, sind vorbei - bei 3.000 Tieren im Jahr“, so Elke Esser-Weckmann. Seit dem laufenden Jahr gilt überdies der Mindestlohn für die Tierpfleger und „es muss immer irgendetwas repariert werden“, so die Vereinsvorsitzende. Erst kürzlich gab die Waschmaschine ihren Geist auf. Ein neues Gerät mit Industriestandard schlägt mit satten 12.000 Euro zu Buche - und da ist der Händler dem Tierheim schon entgegengekommen.
„Uns war auch klar, dass die 200.000 Euro eine Unterfinanzierung darstellen“, kommentiert Christian Kromberg den bisherigen Zuschuss. Für Essens Ordnungsdezernent wäre die alternative Möglichkeit, ab dem 1. Januar 2016 ein eigenes, städtisches Tierheim zu betreiben, „ein Alptraum“. Man hätte erst Kompetenzen und eine entsprechende Infrastruktur aufbauen müssen. „Die Verwaltung wäre nie in der Lage, diese Arbeit so hervorragend zu leisten. Und Dienstleistungen muss man adäquat bezahlen.“

Rückendeckung aus der Politik


In Sachen Neuregelung der Bezuschussung des Tierschutzvereins gab es viel Rückendeckung vom Oberbürgermeister und der Kommunalpolitik, berichtet Kromberg. Der Handlungsbedarf war klar ersichtlich: „Der Rat in Gänze hat das so gesehen“, so OB Paß. Der neue Vertragsentwurf sieht ab 2016 einen Betriebkostenzuschuss in Höhe von 550.000 Euro pro Jahr vor - wenn die Vorlage die Ratssitzung im August erfolgreich passiert. Die Chancen dafür stehen gut: „Der Rat wird das mittragen, was hier als Ergebnis vorliegt“, ist sich Reinhard Paß sicher.
„Der Wille, zu einem verträglichen Ergebnis zu kommen, war immer da“, versichert Essens Ordnungsdezernent, der die Verhandlungen mit dem Tierschutzverein geführt hat. Elke Esser-Weckmann ist zufrieden mit dem Ergebnis und froh, dass ein Teil der Spendengelder, die bislang nur in den Betrieb des Tierheims geflossen sind, künftig an anderer Stelle sinnvoll eingesetzt werden können. „Wir hoffen, dass wir das Geld nun in mehr tierschutzpraktische Aktionen stecken können, z.B. in Kastrations-Aktionen für Katzen oder in die Neugestaltung der Hundeauslaufflächen in Essen.“

Mehr Geld übrig für Tierschutz-Aktionen


Auch ein spezielles Programm für ältere tierische „Langzeitinsassen“ wäre denkbar, so Esser-Weckmann. „Einge alte Schätzchen sind zum Teil schon seit 2009 im Tierheim und wir möchten nicht, dass sie hier sterben. Viele Tierfreunde halten die Tierarztkosten davon ab, solch ein älteres Tier zu sich zu nehmen. Das Tierheim würde diese Kosten tragen, damit alte Hunde und Katzen ihren Lebensabend in einem richtigen Zuhause verbringen können."
Der neue Vertrag über den Betriebskostenzuschuss ist für fünf Jahre festgeschrieben. Danach sind Neuverhandlungen möglich. „2020, wenn die Stadt hoffentlich schwarze Zahlen schreibt, können wir nochmal sprechen“, merkt Elke Esser-Weckmann augenzwinkernd an.
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