Zuschuss seit Jahren viel zu niedrig: Essener Tierschutzverein kündigt Vertrag mit der Stadt

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Die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren ist kommunale Pflichtaufgabe, wird in Essen aber seit Jahrzehnten vom Tierschutzverein nahezu allein geschultert. Foto: Tierschutzverein Groß-Essen e.V.

„Ab Juli tragen wir jedes gefundene Meerschwein und jeden Fundhund ins Rathaus!“ Elke Esser-Weckmann, 1. Vorsitzende des Tierschutzvereins Groß-Essen e.V. scheint am Ende ihrer Geduld. Nach fruchtlosen Verhandlungen mit der Stadt ließen die Tierschützer in der vergangenen Woche wissen, den Vertrag mit der Kommune zum 30. Juni 2015 aufzukündigen.

Monatelang hatte sich der Tierschutzverein für eine Erhöhung des städtischen Zuschusses eingesetzt. Seit den 80er Jahren beträgt dieser 200.000 Euro pro Jahr, hat sich seitdem nicht erhöht.

840.000 Euro im Jahr allein für die Fundtiere


Dem gegenüber stehen Ausgaben von rund 840.000 Euro pro Jahr allein für die Fundtiere, die im Albert-Schweitzer-Tierheim landen. Die jährlichen Gesamtkosten für das Tierheim belaufen sich auf ca. 1,4 Millionen Euro.
Den Löwenanteil der laufenden Kosten für die Versorgung, Fütterung und tieräztliche Behandlung von Hunden, Katzen, Nagern, Vögeln, Reptilien und Co., aber auch das Einfangen von Vierbeinen in verwahrlosten Wohnungen müssen die Tierschützer also seit Jahrzehnten allein aus Spenden finanzieren. Dabei gehört die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren und Tieren aus Beschlagnahmungen zu den kommunalen Pflichtaufgaben.

Kommunale Pflichtaufgabe


Elke Esser-Weckmann hatte daher im vergangenen Jahr auf eine Anpassung der Verträge gepocht und einen Zuschuss seitens der Stadt in Höhe von 560.000 Euro gefordert. Die Stadt indes bot eine Anhebung von lediglich 60.000 Euro für das Jahr 2015/2016 an. Bei weitem zu wenig. Inzwischen fordert der Essener Tierschutzverein einen Zuschuss von 840.000 Euro pro Jahr - was den tatsächlichen Kosten für die Fundtiere entspricht.
„Es kann nicht sein, dass der Tierschutzverein, der immerhin eine kommunale Pflichtaufgabe für die Stadt erfüllt, dem Geld hinterher laufen muss“, kritisiert Gabriele Giesecke, Fraktionsvorsitzende der Linken im Rat der Stadt Essen. „Deshalb und aus Tierschutzgründen muss die Stadt Essen ihren Zuschuss erhöhen“, fordern die Rats-Linken. Das dürfte für die Stadt immer noch günstiger sein, als ein eigenes kommunales Tierheim zu betreiben.


„Wir haben volles Verständnis für die Kündigung des Tierheim-Vertrages seitens des Essener Tierschutzvereins“, pflichten auch die Rats-Grünen den Tierschützern bei. „Seit Monaten sitzen die Stadtverwaltung und die große Koalition das Thema aus“, kritisiert deren Vorsitzende Hiltrud Schmutzler-Jäger.
„Dabei steht dem Tierschutzverein für die Erledigung von Pflichtaufgaben der Stadt wie der Fundtieraufnahme, Unterhaltung einer Kadaverstation und Unterbringung von Tieren in Notfällen eine vernünftige Bezahlung zu“, so die Vorsitzende.

Eigenes städtisches Tierheim wäre teurer


Die Unnachgiebigkeit der Verwaltung werde die Stadt nun teuer zu stehen kommen, prognostizieren die Grünen: „Eine Eigenerbringung dieser unabweisbaren Aufgaben durch die Stadt oder eine Fremdvergabe wird wesentlich teurer werden. Denn das Tierheim hat diese Aufgaben in den letzten Jahrzehnten aus Spendenmitteln quersubventioniert. Es ist eigentlich ein Unding, dass der Verein der Stadt Pflichtaufgaben abnimmt und dann auch noch Geld hierfür mitbringt.“
Beim Essener Tierschutzverein schaltet man nicht auf stur, sondern signalisiert Gesprächsbereitschaft und hofft weiterhin auf eine Einigung mit der Stadt.

Geld fehlt


Würde die Stadt den Zuschuss für den Tierschutzverein an den realen Ausgaben orientiert angemessen erhöhen, bliebe den Tierschützern Geld für andere wichtige Aufgaben.
Die Kastration von verwilderten Katzen, deren Zahl in Essen auf rund 20.000 angewachsen ist, wäre eine solche dringende Aufgabe (lokalkompass.de berichtete).
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