Bergbauschäden und Betriebsalltag

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Wer es positiv sieht sagt: "Widrigkeiten sind das Salz in der Suppe des Lebens".
In einer Region mit langer Bergbautradition, kann es immer wieder zu Überraschungen in Form von Tagesbrüchen kommen, oder eben zu weitgehend unbekannten Stollen. Ob die Karten, wo Stollen eingezeichnet wurden, alle den Anspruch der Vollständigkeit erheben, darf angezweifelt werden. Nicht alles ist in längst vergessenen Tagen dokumentiert worden. Die zwei Weltkriege dürften zudem weitere Verluste unter den Dokumenten herbeigeführt haben.

Nun hat es also einen neuralgischen Punkt im Herzen des Ruhrgebiets getroffen. Der Hauptbahnhof von Essen, muss aus Gründen der Betriebssicherheit mit einer Fülle von Einschränkungen in Betrieb gehalten werden. Doch wie sieht der Betriebsalltag aus?

Es kommt zu vielen Verspätungen und Ausfällen. Der Fernverkehr wird, insofern er nicht in Essen endet, oder beginnt, umgeleitet. Doch eine Endzeitinszenierung im Stil der Filme von Roland Emmerich, die immer wieder und gerne verbreitet wurde, bleibt aus. Die ortsunkundigen unter den Reisenden hatten allerdings ihre Probleme, um sich ins Bild zu setzen. Hier war und ist noch Hilfe nötig.

Die Pendler, die nun über lange Zeiträume die Bahn nutzen, haben sich mittlerweile auf die Situation eingestellt. Es gibt sicherlich niemand, der sich über eine Großstörung in der Vorweihnachtszeit freut, aber je länger die Situation andauert, desto entspannter - man möge sich hier wundern - geht der "Ruhri" damit um. Viele fangen den Termindruck damit ab, in dem sie sich ein ausreichend großes Zeitfenster schaffen und ihre Fahrten früher antreten. Auch die Alternativen zur Bahn werden, wo es machbar ist, ausgeschöpft.

Die immer gerne zitierten "Individualschicksale", wo so ziemlich alles schief läuft, was schief laufen kann, zeichnen ein falsches Bild von der Situation, die man nur in ihrer Gesamtheit sehen kann und muss. Es macht sicherlich keinen Spaß, durch Entscheidungen im Betriebsablauf oft die Gleise wechseln zu müssen. Mal hin und mal wieder zurück. Insbesondere Personen, die gesundheitliche Einschränkungen haben, leiden darunter. Dennoch dienen diese Entscheidungen, die oftmals vom Fahrdienstleiter kurzfristig getroffen werden müssen, der Betriebssicherheit - und diese hat eben Priorität gegenüber Unannehmlichkeiten. Daher sind sekundenschnelle Anzeigen oder Durchsagen nicht so ohne weiteres zu machen.

Die chronischen Bahnhasser fühlen sich jetzt natürlich bestätigt und schütten, wo es nur geht, Öl ins Feuer. Vereinzeltes, zum Teil hochagressives Gebrüll ist ein Dokument hierfür. Solche Verhaltensweisen sorgen für allgemeine Unruhe. Sie reduzieren sich aber zunehmend auf Einzelfälle und sprechen nicht für die Gesamtzahl der Fahrgäste in Essen.

Nur wenige denken allerdings an die Mitarbeiter der Essener Grundbau, die jetzt bei Wind und Wetter ohne Unterbrechung arbeiten. Die Bahner leben jetzt auch im Dauerstress und müssen immer wieder möglichst höflich alle Fragen beantworten. Die Lokführer haben keine festen Pausenzeiten mehr und - wenn sie nicht gerade Selbstversorger sind - kaum Gelegenheit ein Brötchen zu verzehren, oder einen Kaffee bei der Kälte zu trinken. Hinter so manchen Feierabend steht ein Fragezeichen. Viele Fahrzeuge verfügen zudem über keine Toiletten, was Lokführer, die eine volle Schicht zu fahren haben, in arge Nöte bringen kann.

Man lebt - so könnte man sagen - derzeit mit unserer Geschichte, die sich überdeutlich in Erinnerung ruft und auch sicherlich noch Zukunft haben wird. Generationen haben von der Kohle profitiert und sie hat unsere Region zu dem gemacht, was sie ist. Das der Wandel, der sich weitgehend vollzogen hat, von den Folgen der Vergangenheit verschont bleibt, ist eine illusorische Annahme. Aber die Züge rollen, man hat sich mit der Situation weitgehend arrangiert und die "Ruhris" zeigen, dass man nach anfänglichen Schwierigkeiten befähigt ist, den Alltag zu bewältigen. Trotz allem Ärger - und das ist gut so!
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6 Kommentare
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ANA´ stasia Tell aus Essen-Ruhr | 08.12.2013 | 17:15  
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 12.12.2013 | 07:52  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 13.12.2013 | 18:22  
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 13.12.2013 | 19:13  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 13.12.2013 | 19:45  
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 13.12.2013 | 20:08  
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