Kinder und andere Früchtchen!

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Hier darf sich nur geschultes Bahnpersonal bewegen - sonst niemand!
Wenn die Temperaturen steigen und im schlimmsten Fall auch noch Ferien sind, dann spielen die Kinder wieder draußen. Nicht etwa auf dem Spielplatz im Sandkasten, denn das ist ja schon ab dem 5. Lebensjahr uncool, sondern bei der Bahn.
Da ist ja immer etwas los. Man kann ja zur allgemeinen Belustigung ein paar Steine auf den Gleiskopf legen. Es knallt dann immer so herrlich, wenn ein Zug selbige zertrümmert. Dann ertönt entweder aus der Konserve, oder vom Fahrdienstleiter höchstpersönlich, der allseits beliebte Spruch: „Wegen spielender Kinder im Gleis, ist ein weiterer Zugverkehr derzeit nicht möglich.“ Fahrgäste, die einen Anschlusszug benötigen fallen dann regelmäßig in eine Art Schockstarre. Nachdem sich diese gelöst hat, folgt die mehr oder weniger hilflose Kommunikation mit dem allgegenwärtigen Smartphone.
Die Fenster der Lokführer der wartenden Züge an den Bahnhöfen und Haltepunkten befinden sich im Belagerungszustand. Wann geht es denn endlich weiter? Wie komme ich hier sonst noch weg? Ich habe einen wichtigen Termin – machen Sie was, sonst verklage ich die Bahn nach Strich und Faden...ihr werdet es schon sehen!

Ganz übel sind die „akademischen Zeitgenossen“, die in einer solchen Situation über die mangelnde Erziehung der Kinder referieren. Da kann doch etwas nicht stimmen, gehört zu den bemerkenswerten Äußerungen der geistigen Elite. Man könnte doch die Strecken einzäunen, um Kinder zu schützen. Sicher, 33.200 Streckenkilometer. Das ist schnell erledigt, kostet nur ein paar Euro und ist so wirkungsvoll wie eine Küchenrolle auf dem Kopf zum Schutz gegen Starkregen.
Die Vorstellung, dass es das Berufsbild eines Erziehers bei der Bahn geben könnte, wäre doch mal etwas anderes, oder?

Die Bahn als Verkehrsunternehmen korrigiert dann kompetent die „versemmelte“ Erziehung jener, die jeden Samstag liebevoll ihren BMW vor der Haustüre pflegen. Wenn der Vater dann die Auskunft bei seiner Frau darüber wünscht, was die lieben Kinder gerade machen, lautet die Antwort: „Sie spielen“. Jetzt darf man raten wo!

Sollte es der Bundespolizei gelingen, die entlaufene Rasselbande einzufangen und dann unter den Tränen der Schutzbefohlenen die Adresse erhält, wird die Ruhe der Erziehungsberechtigten empfindlich gestört. Dann gibt es eine Woche Hausarrest. Ich muss jetzt zugeben, dass auch ich als Kind zu Gast auf den Gleisen war. Es gab nur keinen Hausarrest. Es gab was mit dem Teppichklopfer oder dem Handfeger, eben das, was gerade greifbar war.

In der heutigen Zeit, wo man moderne Erkenntnisse pflegt, würde das Jugendamt auftauchen und von allen Seiten Strafanzeigen hageln. Wenn dann das sprichwörtliche Gras über die Sache gewachsen ist, spielen die lieben Kleinen wieder. Muss ich jetzt mitteilen wo? In meinem Fall war es der Garten, der Park oder im Wald. Spielzeug gab es ja auch noch. Ganz ohne Akku. Das war der Teppichklopfer, der einen bleibenden Effekt hatte. Anachronismus? Vielleicht, aber ich kann versichern, keinen Schaden dadurch erlitten zu haben – ganz im Gegenteil!

Ein paar Jahre später – mit 14 ist man ja erwachsen – hat man gelernt, dass man Konflikte dadurch löst, dass man sich gegenseitig was „auf die Fresse“ haut. Wo? Auf dem Bahnhof natürlich! Die Polizei trifft ein und die „harten Jungs“ ergreifen die Flucht über die Gleise. Vollsperrung! Vielleicht sollte die Ansage dann lauten wie folgt: „Sehr geehrte Fahrgäste, wegen Vollidioten im Gleisbereich, würden wir gerne weiterfahren, dürfen es aber nicht. Wir bitten hierfür um Entschuldigung.“ Wahrscheinlich würde sich ein Pädagoge darüber aufregen, aber was soll´s, bei der Bahn läuft ja ohnehin nichts rund...außer Räder die verdammt gefährlich sein können!

Zur „Erntezeit“ geht es dann weiter! Nein, kein Getreide, sondern Brombeeren. In der Nähe der Gleise, wo sie ausreichend Sonnenlicht bekommen, wachsen Prachtexemplare. Also zieht man mit Kind und Kegel, sowie diversen Behältern los, um die Früchte draußen in der Natur zu sammeln. Man holt nichts billiges aus dem Supermarkt. Das ist doch alles gespritzt. Wenn man von den gut bekömmlichen Bremsstäuben einmal absieht, gibt es hin und wieder noch Sicherungsposten und Gleisarbeiter, die ungesehen ihren Kaffee wegtragen. Das macht aber nichts. Ist doch auch Bio, oder?

Zwischendurch löst man noch einen lustigen Nothalt aus. Ich sichtete einmal „Opa“, der trotz seiner Krücken und einem kleinen gelben Eimerchen stolz auf seine Beute war. Welche Chance hat er wohl, diese „Beute“ zu genießen, wenn sich ein ICE, je nach Streckenabschnitt, mit 160 – 200 km/h nähert? Ein glänzendes Vorbild für die Enkel.

Für die Unkundigen:
Bahnlinien sind ein gewohnter, scheinbar harmloser Anblick im Alltag. Je näher man kommt, je kritischer wird es. In der Nähe der Gleise lauern zahllose Stolperfallen. Dazu gehören z.B. auch die Brombeeren, weggeworfene Gegenstände, die man nicht sehen kann, weil sie von Vegetation überwachsen wurden. Berüchtigte Stolperfallen sind auch Reste vom Vegetationsrückschnitt. Die falschen Schuhe sind eine Garantie für einen Sturz.

Unterlasst diese dummen Sprüche wie: „Ich höre/sehe den Zug doch“. Die heutigen Fahrzeuge sind nicht nur leise, sondern auch sehr schnell. Nebengeräusche, ob Wind im Geäst, oder die benachbarte Straße überlagern die herannahende Gefahr. Bevor man etwas hört oder sieht, ist es fast immer zu spät. Bahner haben eine entsprechende Ausbildung durchlaufen, bevor sie auf Gleisanlagen tätig werden. Dazu gehört mehr, als der Unkundige denkt!

Personen im Gleis lösen zudem einen erheblichen Stau auf den Strecken aus. Im Falle einer Störung durch Personen, mit der damit verbundenen Sperrung geht zunächst nichts mehr. Großräumige Störungen mit Verspätungen und Teilausfällen sind keine Seltenheit. Irgendwo im Hintergrund sind dann völlig ungesehen Menschen damit beschäftigt, den Gordischen Knoten zu lösen – eine Nervenmühle!

Es macht sehr viel Sinn, gerade Kinder über die Gefahren aufzuklären. Fahren Sie in die Nähe zu einer Eisenbahnlinie und erklären Sie in aller Ruhe, ganz ohne Angst zu machen, was alles passieren kann. Verbinden Sie eine solche Maßnahme vielleicht mit einem gemütlichen Picknick bei schönem Wetter. Die Frage, wie man mit Windows oder Android umgeht ist eine Sache. Überleben eine andere!

Liebe Eltern, stellt Euch vor ihr sitzt zusammen, trinkt eine Tasse Kaffee, blickt auf die Uhr und fragt Euch, warum „der Kleine“ noch nicht da ist. Es schellt an der Türe und davor steht aber nicht „der Kleine“, sondern ein Polizist der mit folgendem Satz beginnt: „Es tut mir Leid, Ihnen eine traurige Mitteilung machen zu müssen.......“ Das wird Euch nicht nur den Tag, sondern möglicherweise Eure ganze Zukunft versauen!

Ob die Leser meinen Beitrag als „dummes Zeug“ abtun, oder darüber nachdenken, entzieht sich meiner Kenntnis. Sicher ist nur eines: Ihr habt es in der Hand!
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25 Kommentare
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 07.04.2016 | 17:53  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 07.04.2016 | 18:21  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 07.04.2016 | 18:24  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 07.04.2016 | 18:27  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 07.04.2016 | 19:20  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 07.04.2016 | 21:37  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 07.04.2016 | 21:44  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 08.04.2016 | 06:06  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 13:10  
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Thomas Ruszkowski aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 15:24  
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Melanie Busche aus Menden (Sauerland) | 08.04.2016 | 16:06  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 17:22  
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Thomas Ruszkowski aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 17:40  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 20:37  
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Thomas Ruszkowski aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 21:02  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 21:05  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 21:24  
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Thomas Ruszkowski aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 21:31  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 21:43  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 08.04.2016 | 21:45  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 09.04.2016 | 00:08  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 09.04.2016 | 08:10  
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Gottfried Czepluch aus Essen-Ruhr | 09.04.2016 | 11:48  
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Anastasia-Ana Tell aus Essen-Ruhr | 09.04.2016 | 11:56  
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Hans-Martin Scheibner aus Xanten | 09.04.2016 | 18:33  
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