Neue Igelretter für die Ruhrhalbinsel gesucht

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Foto: Ihmann
 
Rita und Klaus-Peter Ihmann - hier im Gartenhaus vor den Igel-Überwinterungsboxen - müssen ihre ehrenamtliche Arbeit als Igel-Retter aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Die beiden hoffen sehr, dass sich eine Nachfolge findet. Foto: Lukas

Wann immer in den vergangenen Jahren irgendwo auf der Ruhrhalbinsel ein kranker oder schwacher Igel gefunden wurde, war das Ehepaar Ihmann zur Stelle.
Mit viel Liebe und Begeisterung haben die beiden Igelretter aus Überruhr so manchem Wildtier über den Winter geholfen. Nun muss das Ehepaar sein Ehrenamt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Kranke und schwache Igel wird es aber nach wie vor geben. Wer macht jetzt den Job?

Wenn in den letzten Tagen und Wochen die Igel aus dem Winterschlaf erwacht sind, gibt es auch wieder einige darunter, die ihr Überleben den Ihmanns zu verdanken haben. Rita und Klaus-Peter Ihmann haben ganzen Legionen der stacheligen Gesellen über die kalte Jahreszeit geholfen in all den Jahren. Nun muss das Überruhrer Ehepaar sein Engagement für die Wildtiere aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Über 20 Jahre lang waren die Ihmanns die Retter in der Not, wenn irgendwo auf der Ruhrhalbinsel ein schwacher oder kranker Igel gefunden worden ist. „Die meisten Tiere sind über die Tierarztpraxis von Frau Dr. Steffens zu uns gelangt“, berichtet Rita Ihmann. „Manchmal sind die Leute mit den Tieren aber auch direkt zu uns gekommen, weil sie davon gehört hatten.“ Und Dr. Christiane Steffens, die ihre Praxis an der Schulte-Hinsel-Straße 23 hat, wusste in dem tierlieben Ehepaar eine kompetente Anlaufstelle.

Mit den Jahren Igel-Experten geworden

Dabei ist das Ehepaar selbst zum Igel gekommen wie die Jungfrau zum Kinde. „Anfangs waren wir selbst ganz unerfahren“, erinnert sich Rita Ihmann. „Unsere Tochter war damals noch klein und kam eines Tages angelaufen: ‚Mama, da liegt ein Tennisball im Garten!‘. Ich schaute genauer hin und erkannte, dass das ein Igel war“, erinnert sich Rita Ihmann an ihren allerersten Überwinterungsgast.
Regelrecht in diese Aufgabe hineingeschlittert waren Rita und Klaus-Peter Ihmann und sie sind mit den Jahren zu echten Igel-Experten geworden. Zwischen sechs und zehn Igeln pro Jahr hat das Ehepaar durch seine Fürsorge in den letzten zwei Jahrzehnten über den Winter geholfen. „Zum Teil hatten wir auch Sommergäste, die sind aber immer schnell wieder fit gewesen und konnten ausgewildert werden“, erklärt Klaus-Peter Ihmann.
Der Pensionär hat den Tieren eigens Boxen gebaut; 60 mal 100 cm groß, mit genug Platz für ein Schlafhäuschen und einen Essensbereich. Fünf Boxen und große Käfige stehen im Gartenhäuschen der Ihmanns. „Man muss schon Platz dafür haben“, erklärt Klaus-Peter Ihmann. Ideal wäre, wenn dem neuen Igel-Betreuer ein Gartenhaus oder eine Garage für die Unterbringung der Igel zur Verfügung stünde. „Im Winter wird auch eine Heizung benötigt, denn wenn die Igel noch ganz klein sind, müssen sie wärmer stehen“, so Klaus-Peter Ihmann.

Im Winter mit Heizung

Kleine, schwache Igel ohne Muttertier waren erfahrungsgemäß auch die ersten Überwinterungsgäste, die bei den Ihmanns eingetrudelt sind. Im Spätherbst - Oktober oder November. Die Jungtiere wiegen oft nur 100 Gramm. „Die Kleinen müssen erst mit Ersatzmuttermilch für Welpen gefüttert werden“, berichtet Rita Ihmann. „Alle zwei Stunden mit Pipette oder Spritze und natürlich auch nachts, bis sie von alleine fressen können.“ Größere Tiere freuen sich über Nassfutter für Katzen und natürlich über Igelfutter, das es inzwischen in Zoohandlungen zu kaufen gibt. Rita Ihmann hat auch gute Erfahrungen mit ungesalzenem Rührei gemacht. „Manche mögen auch Hühnerhälse“, berichtet die Überruhrerin.

Mit 800 Gramm geht‘s zurück in die Freiheit

Wenn alles gut geht, sind die Überwinterungsgäste spätestens Mitte Mai ungefähr 800 Gramm schwer und soweit, ausgewildert zu werden. Nach Möglichkeit dort, wo sie zuvor gefunden worden sind. „Die Tiere kommen sonst doch ganz durcheinander“, so Rita Ihmann. „Man muss aber immer auch bedenken, dass es mit der Igelrettung nicht immer klappt, manchmal sterben die Tiere auch“, berichtet die Tierfreundin und erinnert sich noch gut an den „kleinen Kerl von gerade mal 150 Gramm“, der trotz medizinischer Behandlung und viel Fürsorge gestorben ist. „Wahrscheinlich hatte er Schneckenkorn gefressen.“
Schweren Herzens muss das Rentnerpaar sein Ehrenamt nun niederlegen. „Ich war im vergangenen Jahr so oft krank. Es geht einfach nicht mehr“, bedauert Rita Ihmann.

Nun wird ein neuer Igelpate für die Ruhrhalbinsel gesucht! „Wir hoffen so sehr, dass sich jemand findet“, so Klaus-Peter und Rita Ihmann.

Nachfolger gesucht!

Der oder die neuen Igel-Betreuer sollten über ein Gartenhäuschen oder eine Garage (am besten beheizbar) verfügen, um etwa fünf Igel-Boxen unterbringen zu können.

Die ersten Igel werden im Oktober/November aufgenommen. Ausgewildert werden können die Tiere im Frühling - spätestens Mitte Mai.

Gerne geben Rita und Klaus-Peter Ihmann ihre Igelboxen an ihren Nachfolger ab und stehen ihm auf Wunsch auch beratend zur Seite.

Zu bedenken ist, dass dem Igel-Betreuer Kosten entstehen durch den Kauf von Streu und Futter.

Zusätzliche Kosten fallen an, wenn das Tier eine medizinische Behandlung benötigt. Es wäre schön, wenn sich der Finder oder Überbringer an den Tierarztkosten beteiligen würde. In der Regel halten alle Tierärzte diese Kosten so gering wie möglich und berechnen zumeist lediglich die Selbstkosten.

Interessierte melden sich in der Tierarztpraxis Dr. Christiane Steffens, Tel.: 0201/61 57 311.
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